Sierens China: Wenn zwei sich streiten... | Asien | DW | 22.03.2017
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Kolumne

Sierens China: Wenn zwei sich streiten...

Peking und Washington sind sich nicht einig über den Umgang mit Nordkorea. Auch der Asien-Besuch des US-Außenministers Rex Tillerson, hat die Wogen nicht glätten können, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

China Präsident Xi Jinping & US-Außenminister Rex Tillerson (Reuters/L. Zhang)

US-Außenminister Rex Tillerson (li.) im Gespräch mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping

Nordkorea und Südkorea machen derzeit nicht nur China Probleme. Verständlich wäre es dennoch, wenn China zu harten Maßnahmen greifen würde, um beide in die Schranken zu verweisen - Nordkorea für seine Raketentests und Südkorea dafür, dass sie den Amerikanern nun erlauben, THAAD-Raketenabwehrsysteme aufzustellen. Doch es sind vor allem die Amerikaner, die drohen, über die Stränge zu schlagen.

US-Präsident Donald Trump sieht in Nordkorea einen durchtriebenen Feind, der seit Jahren Spielchen mit den USA treibt. Washington benutzt Nordkorea zudem, um China in die Ecke zu treiben, indem Trump Peking vorwirft, dass sie nichts unternehmen, um das Regime in Pjöngjang zu mäßigen.

Das Vertrauen Pekings gewinnen

US-Außenminister Rex Tillerson, der nach Trumps wiederholten Spitzen gegen China am vergangenen Wochenende erstmals nach China fuhr, musste die Wogen glätten. Mehr als dass: Er musste überhaupt erst einmal Pekings Vertrauen gewinnen.

Frank Sieren *PROVISORISCH* (picture-alliance/dpa/M. Tirl)

DW-Kolumnist Frank Sieren

Die Beziehungen sind nicht nur wegen Donald Trump belastet, sondern auch, weil die Amerikaner in Südkorea die THAAD-Raketenabwehrsysteme installieren, dessen X-Band-Radar weit nach China hineinschauen kann. Dadurch  wissen die Amerikaner früher, wenn chinesische Interkontinentalraketen losfliegen.

China versucht deshalb seinem Nachbar Südkorea begreiflich zu machen, dass man in Peking verstimmt ist. Die chinesische Regierung verhängte Quasi-Sanktionen gegen Südkorea. Konkret traf es zum Beispiel die Lotte-Discounter in China, die dem südkoreanischen Unternehmen Lotte Shopping Ltd. gehören. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Läden in ganz China eröffnet. Seitdem die THAAD-Systeme aufgestellt sind, mussten einige der Lotte-Läden auf Geheiß der Behörden aus angeblich brandschutztechnischen Gründen schließen. Und darüber hinaus weigern sich Chinas Konsumenten, Fisch, Obst oder Waschmittel in den koreanischen Supermärkten zu kaufen.

Gipfeltreffen Anfang April

Der Zeitpunkt des Besuches von Tillerson in China war also brisant. Das wichtigste Ergebnis: Die Vereinbarung eines Termins für eine Zusammenkunft auf höchster Ebene. Die beiden Präsidenten werden sich Anfang April erstmals in den USA treffen. Tillerson hat deshalb bereits seine Teilnahme am NATO-Außenministertreffen abgesagt, das zur gleichen Zeit stattfindet. Denn hier geht es um nichts Geringeres als die amerikanische Position in Asien, dem neuen globalen Machtzentrum. Deshalb wollen die Amerikaner ihre Truppen in Südkorea weiter stationiert sehen. Das lässt sich jedoch nur rechtfertigen, wenn Kim Jong-un weiterhin unberechenbar bleibt.

Peking und Seoul verbindet wiederum, dass beide  eine friedliche Öffnung Nordkoreas bevorzugen. Daran haben jedoch die USA kein Interesse. Während sich also jeweils zwei Partner streiten, freut sich Kim Jong-un und scheut nicht einmal davor zurück, ein Raketenantriebsystem just an dem Tag zu testen, an dem US-Außenminister Tillerson in China zu Besuch ist - um noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Herbe wirtschaftliche Verluste

Verlierer dieses geopolitischen Spiels ist derzeit die südkoreanische Wirtschaft. Die Lotte-Märkte machen allein in diesem Monat wegen der Schließung ihrer Filialen in China 66 Millionen US-Dollar Verluste. Das trifft die südkoreanische Wirtschaft schwer, die schon unter der Amtsenthebung der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye leidet. Neuwahlen stehen erst Anfang Mai an. Aber die Lage ist noch vertrackter: Gegenüber Nordkorea will Peking keine harten Sanktionen, denn ein Zusammenbruch des Regimes würde nicht nur Chaos an der Grenze zu China auslösen, sondern könnte auch die US-Truppen noch näher an China heranführen. Die Lage könnte sich Anfang Mai jedoch entspannen, wenn aus den Neuwahlen der china-freundliche Oppositionsführer Moon Jae-in als künftiger Präsident Südkoreas hervorgeht.

Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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