Siemens spaltet sich auf | Wirtschaft | DW | 08.05.2019
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Industrie

Siemens spaltet sich auf

Deutschlands größter Industriekonzern will seine Kraftwerksparte an die Börse bringen. Damit trennt sich Siemens von einem Großteil seines Umsatzes und seiner Mitarbeiter und richtet sein Kerngeschäft neu aus.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser spaltet den Münchner Industriekonzern auf. Das Geschäft mit der Energiebranche soll abgespalten und im kommenden Jahr eigenständig an der Börse gelistet werden, wie Siemens am Dienstagabend mitteilte. Damit trennt sich der Konzern von rund einem Drittel seines Umsatzes und knapp einem Viertel seiner 380.000 Mitarbeiter zählenden Belegschaft.

"Wir zerschlagen nichts, wir sorgen für neue Perspektiven", sagte Kaeser in einer Telefonkonferenz. Er will den Konzern ganz auf Technologie ausrichten: Kerngeschäft seien künftig die Automatisierung von Fabriken (Digital Industries) und die Vernetzung von Gebäuden, Städten und Ländern (Smart Infrastructure). In den beiden Bereichen und in der Verwaltung sollen aber zunächst rund 10.000 Stellen gestrichen werden.

Kaesers größter Schritt

Deutschland Joe Kaeser (picture-alliance/dpa/P. Kneffel)

Vorstandschef Joe Kaeser

Die Abspaltung der Sparte Gas & Power in eine eigenständige börsennotierte Gesellschaft ist der größte Einschnitt, den der umtriebige Siemens-Chef vollzieht. Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn sprach von einer "Zeitenwende", Kaeser sagte: "Das ist ein großer Schritt, aber wir sind überzeugt, dass wir ihn jetzt gehen müssen."

Auch die Beteiligung von 59 Prozent an der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa soll an die ausgegliederte Firma abgegeben werden, die damit auf 27 Milliarden Euro Umsatz und 88.000 Mitarbeiter kommt. Nach dem Abbau von 6000 Stellen im schrumpfenden Geschäft mit Gas- und Dampfturbinen für konventionelle Kraftwerke steht erst einmal ein weiterer Stellenabbau an. Je ein Drittel des Umsatzes entfallen bisher auf die konventionelle Stromerzeugung und auf erneuerbare Energien, ein Fünftel auf Hochspannungsnetze.

Während sich das Geschäft mit Öl- und Gasförderern gerade wieder erholt, muss sich Siemens im Kraftwerksgeschäft auf die Energiewende einstellen. Siemens Gamesa kämpft mit anhaltendem Preisdruck für Windräder. "Die Eigenständigkeit gibt uns jetzt mehr Freiheit und Flexibilität", sagte die US-Amerikanerin Lisa Davis, die im Siemens-Vorstand bisher für Gas & Power zuständig ist. Ob sie den neuen Konzern leiten wird, ist unklar. Ihr Vertrag läuft ein Jahr nach dem Börsengang aus.

Der Mutterkonzern behält die Sperrminorität

Die Siemens AG werde an der ausgegliederten, noch namenlosen Gesellschaft - intern unter dem Schlagwort "Siemens Power House" gehandelt - nach dem Gang an die Börse maximal noch 49 Prozent halten, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas. Die restlichen Aktien verteilt Siemens an die eigenen Aktionäre. Eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent wolle der Konzern aber auf Dauer halten. Nach dem gleichen Muster hatte Siemens auch die Lichttechnik-Tochter Osram an die Börse gebracht, die nun vor einer Übernahme durch Finanzinvestoren steht.

Am Mittwochmorgen gab der Münchner Konzern bekannt, dass der Gewinn im zweiten Quartal deutlich stärker ausgebaut wurde als von Analysten erwartet. Das angepasste operative Ergebnis (Ebita) aus dem Industriegeschäft stieg zwischen Januar und März um sieben Prozent auf 2,41 Milliarden Euro, wie Siemens mitteilte. Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf 20,9 Milliarden Euro. Mit einem Auftragseingang von 23,6 Milliarden Euro schraubte Siemens den Orderbestand Ende März auf den Rekordwert von 142 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern bröckelte um fünf Prozent auf 1,92 Milliarden Euro ab.

"Wir haben auch in diesem Quartal geliefert, was wir versprochen haben, und in weiten Teilen die Erwartungen sogar übertroffen", sagte Vorstandschef Joe Kaeser.

zdh/bea (rtr, dpa)

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