Separatisten besetzen Lager in Aden | Aktuell Welt | DW | 12.08.2019
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Jemen

Separatisten besetzen Lager in Aden

Für Saudi-Arabien sind die Kämpfe um Aden ein herber Rückschlag - kämpfen dort doch eigene Verbündete gegeneinander. Politische Analysten warnen bereits vor einem "Bürgerkrieg innerhalb des Bürgerkriegs" im Jemen.

Jemen Aden Soldaten des Southern Transitional Council (STC) (picture-alliance/Photoshot/M. Abdo)

STC-Separatisten in Aden

Der Kampf um die strategisch wichtige Hafenstadt Aden im Süden des Jemen spitzt sich zu. Separatisten vom sogenannten südlichen Übergangsrat (STC), die sich vom Norden abspalten und einen eigenen Staat gründen wollen, besetzten mehrere Lager von Truppen der international anerkannten Regierung. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit Mittwoch mindestens 40 Kämpfer umgekommen - 260 wurden verletzt.

Präsident Hadi residiert in Saudi-Arabien

Rebellen, die mit dem STC verbunden sind, hatten Aden am Samstagabend überrannt und dabei auch den Präsidentenpalast eingenommen. Dort sind mehrere Büros der Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi untergebracht. Die Präsidialgarde habe den Komplex kampflos geräumt, berichteten einheimische Quellen. Einige seien sogar zu den Separatisten übergelaufen. Hadi und die meisten seiner Minister arbeiten von Riad aus, der Hauptstadt Saudi-Arabiens.

Jemen Separatisten aus dem Südjemen erobern Präsidentenpalast in Aden (picture-alliance/AP Photo)

Separatisten aus dem Südjemen erobern Präsidentenpalast in Aden

Seit Mittwoch kämpfen Regierungstruppen und Separatisten gegeneinander. Eigentlich gehen sie seit Jahren gemeinsam gegen die schiitischen Huthi-Rebellen vor, die vom Iran unterstützt werden. 

Vor allem für Saudi-Arabien, das ein Militärbündnis im Krieg gegen die Huthis anführt, bedeuten die Kämpfe um Aden und dieser offene Bruch innerhalb des Bündnisses einen Rückschlag. Die Militärkoalition rief zu einer Waffenruhe in Aden auf und drohte bei Verstößen mit militärischen Schritten. 

Spannungen im Bündnis nehmen zu

Saudi-Arabien rief zu einem dringenden Treffen der Konfliktparteien auf. Der saudische König Salman traf sich mit Präsident Hadi in Mina, um über die Lage im Jemen zu sprechen, wie die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete. Auch die Spannungen der Saudis mit dem Bündnispartner der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die die Separatisten im Jemen unterstützen, nehmen zu.

Die UN sind besorgt: "Unsere größte Aufgabe ist jetzt die Entsendung von Ärzte-Teams, um die Verletzten zu retten. Wir sind auch sehr besorgt über Berichte, dass Zivilisten in ihren Häusern gefangen sind und ihnen Lebensmittel und Wasser ausgehen", sagte UN-Hilfskoordinatorin Lise Grande.

1,9 Millionen Menschen in Aden müssen versorgt werden 

Der jahrelange Bürgerkrieg hat das Land am Südende der Arabischen Halbinsel laut UN eine schlimme humanitäre Krise weltweit gestürzt. Fast 80 Prozent der 24 Millionen Einwohner benötigten Hilfe und Schutz. Allein in der Hafenstadt Aden arbeiteten derzeit 34 Hilfsorganisationen daran, rund 1,9 Millionen Menschen unter anderem mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen.

Erst 1990 hatten sich Nord- und Südjemen zu einem Staat zusammengeschlossen. Nordjemens Hauptstadt war Sanaa gewesen, wo heute die Huthi-Rebellen herrschen, während Südjemen von Aden aus regiert wurde.

Analysten der International Crisis Group mit Sitz in Brüssel warnten vor einem "Bürgerkrieg innerhalb des Bürgerkriegs" im Jemen. Die Umstände erforderten "robustes diplomatisches Eingreifen" der UN, Saudi-Arabiens und der Emirate, um "das Schlimmste zu verhindern und eine haltbare Lösung" zu finden.

nob/ml (dpa, rtr)

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