Schwerer Angriff auf Rebellenhochburg Sabadani | Aktuell Nahost | DW | 04.07.2015
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Aktuell Nahost

Schwerer Angriff auf Rebellenhochburg Sabadani

Während die syrische Armee in Aleppo einen Rückschlag erleidet, geht sie an der Grenze zum Libanon in die Offensive. Zusammen mit der verbündeten Hisbollah attackiert sie die sunnitischen Rebellen in der Stadt Sabadani.

Zerstörte Gebäude in Sabadani nach syrischen Luftangriffen im August 2014 (Foto: dpa)

Bereits im August 2014 war Sabadani Ziel syrischer Luftangriffe

Im syrischen Bürgerkrieg haben Armee und die Hisbollah-Miliz nach eigenen Angaben eine Offensive gegen sunnitische Aufständische im Westen des Landes gestartet. Ziel sei die Stadt Sabadani an der Grenze zum Libanon, teilte die Hisbollah mit. Die libanesische Schiiten-Miliz und die Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hätten dazu schwere Artillerie und Kampfflugzeuge in die Region verlegt. Die Luftwaffe flog allein seit Freitag 105 Angriffe, bei denen auch Fassbomben zum Einsatz kamen, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Das syrische Staatsfernsehen berichtet, die Rebellen hätten bei den Kämpfen schwere Verluste erlitten.

Die Stadt war 2012 als eine der ersten in Syrien in die Hände der Rebellen gefallen und ist wegen ihrer Nähe zur Schnellstraße zwischen Beirut und Damaskus von strategischer Bedeutung. Sie gilt als letzte Hochburg der Rebellen in der Provinz Qalamun bei Damaskus. Zuletzt hatten Armee und Hisbollah die Rebellen weitgehend aus der Provinz verdrängt. Die meisten Einwohner haben Sabadani inzwischen verlassen.

Damaskus unter Beschuss

Als Reaktion auf die Offensive der Regierungstruppen und der Hisbollah nahmen Rebellen die nahegelegene Hauptstadt unter Beschuss. Getroffen wurden unter anderem die Gegend um die zentrale Bagdad-Straße und das Hotel Dama Rose. Nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur wurde ein Mensch getötet, zwei Personen erlitten Verletzungen.

In dem vierjährigen Bürgerkrieg kämpfen zahlreiche Rebellengruppen gegen Assad. Sie bekriegen sich aber auch gegenseitig. Am Freitag wurden bei einer Explosion in einer Moschee in der Provinz Idlib im Nordwesten mindestens 25 Mitglieder des Al-Kaida-Ablegers Nusra-Front getötet. Die Islamisten seien getroffen worden, als sie in der Salem-Moschee in Ariha zum Fastenbrechen im Ramadan zusammengekommen seien, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle. Auch ein ranghohes nicht-syrisches Mitglied der Extremisten sei unter den Todesopfern. Andere Oppositionsgruppen sprachen auf ihren Internet-Seiten von mehr als 40 Toten. Die Nusra-Front gehört zu den Gruppen, die im syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung Assad kämpfen. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Anhänger der Nusra-Front machten die radikal-islamische Miliz "Islamischer Staat" (IS) dafür verantwortlich.

IS veröffentlicht Video von Hinrichtungen

Die IS-Miliz kämpft an mehreren Frontlinien in Syrien gegen die Nusra-Front, die zusammen mit anderen verbündeten Rebellengruppen den größten Teil der Provinz Idlib kontrolliert. Die Region grenzt an die Türkei und an die Provinz Latakia am Mittelmeer, in der Assads Armee das Sagen hat. Die IS-Miliz wiederum hat weite Teile Syriens und des Nachbarlandes Irak unter ihre Kontrolle gebracht.

Am Samstag veröffentlichte die Gruppe im Internet ein Video, in dem die Hinrichtung zahlreicher syrischer Regierungssoldaten in der Stadt Palmyra zu sehen ist. Noch ist unklar, von wann die Aufnahmen stammen. Laut IS soll der Film Ende Mai entstanden sein, unmittelbar nach der Eroberung der Stadt durch die Dschihadisten.

Wichtiger Geländegewinn in Aleppo

Im Norden Syriens hat derweil ein Zusammenschluss syrischer Aufständischer nach Angaben von Aktivisten in der Großstadt Aleppo ein Militärzentrum erobert, das bisher von der Armee kontrolliert wurde. Wie die Syrische Beobachtungsstelle mit Sitz in London mitteilte, übernahm die Rebellengruppe namens Fatah Halab in der Nacht im westlichen Teil der Stadt das ehemalige Wissenschaftliche Forschungszentrum, das die Streitkräfte in eine Kaserne umgewandelt hatten. Dieses besteht aus mehreren Gebäuden und erstreckt sich über ein riesiges Gelände.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle begann der Angriff der Aufständischen am Freitagnachmittag. Einheiten der Armee versuchten demnach vergeblich, das Zentrum aus den Händen der Rebellen zurückzuerobern. Die Aufständischen stellten Videoaufnahmen ihrer Eroberung ins Internet, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Kämpfer auf dem Gelände des Zentrums "Allahu Akbar" (Allah ist der Größte) rufen und in die Luft schießen. Im Hof ist die Flagge der syrischen Revolution gehisst, zahlreiche Gebäude sind schwer beschädigt.

Wichtiger taktischer Erfolg

Am Samstagmorgen nahm die syrische Armee nach Angaben der Beobachtungsstelle den Beschuss des Geländes wieder auf. Seit Juli 2012 ist die zweitgrößte Stadt Syriens praktisch gespalten: in einen Ostteil unter Kontrolle der Rebellen und einen Westteil unter Kontrolle der Armee. Beobachter bewerten den Vorstoß der Aufständischen in den Westteil der Stadt als beachtlichen taktischen Erfolg. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk vor Ort. Wegen der unübersichtlichen Lage in dem Bürgerkriegsland sind die Angaben von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

kle/mak (rtr, afp, ap, dpae)