″Schwarzer Nazarener″ zieht trotz Corona Hunderttausende in seinen Bann | Aktuell Asien | DW | 09.01.2021
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Philippinen

"Schwarzer Nazarener" zieht trotz Corona Hunderttausende in seinen Bann

In "normalen" Jahren nehmen an der Prozession in Manila zu Ehren der Jesus-Statue rund drei Millionen Philippiner teil. Dieses Jahr war sie abgesagt worden. Es kamen dennoch mehr als genug.

Corona-Pandemie? Die Begeisterung philippinischer Katholiken für den Schwarzen Nazarener lässt für Abstandsregeln keinen Platz

Corona? Die Begeisterung philippinischer Katholiken für den "Schwarzen Nazarener" lässt für Abstandsregeln keinen Platz

Hunderttausende Philippiner haben zum Fest des "Schwarzen Nazareners" die Verbote von Kirchen und Behörden missachtet. Trotz der Corona-Pandemie strömten sie zur berühmten schwarzen Jesus-Statue in der Kirche in Manilas Stadtteil Quiapo. Fotos und Videos auf den Webseiten philippinischer Medien zeigten lange Schlangen von Gläubigen.

Massiver Anstieg von Corona-Fällen befürchtet

Experten befürchten in der Folge einen massiven Anstieg der COVID-19-Fälle in Manila. "Wir werden wirklich ein Wunder brauchen, um ein Superspreader-Ereignis zu stoppen", sagte ein Experte des Gesundheitsministeriums dem Nachrichtenportal PhilStar. Die Philippinen sind nach Indonesien das am zweitstärksten von Corona betroffene Land Südostasiens.

Trotz der abgesagten Prozession rechnet die Polizei mit bis zu einer Million Gläubigen in der philippinischen Hauptstadt

Trotz der abgesagten Prozession rechnet die Polizei mit bis zu einer Million Gläubigen in der philippinischen Hauptstadt

Die Stadtverwaltung von Manila und die Erzdiözese Manila hatten die jährlich am 9. Januar stattfindende Prozession mit der Statue des Schwarzen Nazareners in diesem Jahr wegen der Corona-Krise abgesagt. Trotz des Verbots waren nach Schätzungen der Polizei bereits am Morgen 400.000 Menschen nach Quiapo gekommen. Diese Zahl könnte bis zum Ende des Tages auf eine Million ansteigen, wird ein Polizeisprecher zitiert.

15 Messen, 6000 Polizeibeamte  

Neben der Absage der Prozession hatte die Erzdiözese Manila zudem die Zahl der Gottesdienste in der Quiapo-Basilika auf 15 Messen mit je maximal 400 Menschen beschränkt. Mehr als 6000 Polizeibeamte versuchten, im Bereich der Gotteshauses Corona-gemäße Abstandsregeln durchzusetzen, hatten dabei aber nicht immer Erfolg.

Das echte Prozessionsfeeling: Der Schwarze Nazarener auf seinem Weg durch Manila im Jahr 2019

Das echte Prozessionsfeeling: Der "Schwarze Nazarener" auf seinem Weg durch Manila im Jahr 2019

Mit gewöhnlich bis zu drei Millionen Teilnehmern ist die Prozession des "Schwarzen Nazareners" eines der populärsten religiösen Feste der mehrheitlich katholischen Philippinen. Im vergangenen Jahr nahmen nach Angaben der Polizei sogar 3,3 Millionen Menschen teil. Mit einer Dauer von 16 Stunden und 26 Minuten für den rund sechs Kilometer langen Weg stellte diese Prozession auch einen neuen Streckenrekord auf. Gewöhnlich dauerte die Prozession in den Jahren zuvor zwischen 20 und 22 Stunden.

Gläubige außerhalb der Basilika in Manilas Stadtteil Quiapo während einer Messe zu Ehren der schwarzen Jesus-Statue

​​​​Gläubige außerhalb der Basilika in Manilas Stadtteil Quiapo während einer Messe zu Ehren der schwarzen Jesus-Statue

Die Jahrhunderte alte schwarze Statue von Jesus Christus gilt neben der Santo Nino genannten Figur des Jesuskinds in der Basilica del Santo Nino in Cebu als größtes Heiligtum der philippinischen Katholiken. Die Gläubigen schreiben dem "Schwarzen Nazarener" wundertätige Kräfte zu. Die vermutlich von einem aztekischen Künstler in Mexiko angefertigte  lebensgroße Statue wurde 1606 von spanischen Missionaren auf die Philippinen gebracht.

sti/qu (afp, dpa, rtr, kna)

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