Schuster stellt Tragen der Kippa in Problemvierteln in Frage | Aktuell Deutschland | DW | 26.02.2015
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Aktuell Deutschland

Schuster stellt Tragen der Kippa in Problemvierteln in Frage

Nach den Anschlägen von Paris und Kopenhagen warnt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland davor, die jüdische Kopfbedeckung zu tragen. In Gegenden mit vielen Muslimen sei dies nicht ratsam.

Angesichts des wachsenden Antisemitismus in Europa rät der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, den Juden zu mehr Vorsicht im öffentlichen Raum. Zwar seien die meisten jüdischen Einrichtungen in Deutschland gut gesichert und Juden sollten sich nicht aus Angst verstecken.

Erschreckende Entwicklung

Aber in einem Radiointerview gab er zu bedenken: "Die Frage ist, ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben, oder ob man da besser eine andere Kopfbedeckung trägt." Vor fünf Jahren habe er sich eine solche Entwicklung nicht vorstellen können, sagte Schuster. Dies sei erschreckend.

Sorge über zunehmenden Antisemitismus in Europa hatten zuletzt die Terroranschläge in Frankreich und Dänemark ausgelöst. Bei der von Muslimen verübten Anschlagsserie vom Januar in Paris waren auch mehrere Juden getötet worden. Bei Angriffen auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge in Kopenhagen kamen vor knapp zwei Wochen zwei Menschen ums Leben.

Zahl der antisemitischen Straftaten stieg um ein Drittel

In Deutschland hat die Zahl antisemitischer Straftaten im vergangenen Jahr erheblich zugenommen. Nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung wurden 2013 noch 788 Fälle registriert. 2014 waren es bereits 1076 - ein Anstieg um mehr als ein Drittel. Die gemeinnützigen Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus im Alltag engagiert, beruft sich dabei auf Zahlen der Bundesregierung, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden.

Demnach gab es eine ähnlich hohe Zahl antisemitischer Taten zuletzt 2008. Der Projektleiter der Stiftung, Jan Riebe, sprach von einer hohen Dunkelziffer: "Viele Straftaten werden nicht angezeigt, was auch an der sehr niedrigen Aufklärungsquote liegt."

uh/ml (afp,epd,dpa)