Schuld sind immer die Anderen | Live aus Westeros | DW | 15.09.2014
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Game of Thrones – 20 Jahre DW Online

Schuld sind immer die Anderen

Fünf Dinge, die Sie über die Nachtwache wissen müssen

„Ich bin das Feuer, das gegen die Kälte brennt, das Licht, das den Morgen bringt, das Horn, das die Schläfer weckt, der Schild, der die Reiche der Menschen schützt.“

An Pathos mangelt es ihnen nicht, den Rekruten der Nachtwache. Jener Truppe, die seit Jahrhunderten die nördlichste Grenze der sieben Königreiche schützt. Doch bei genauem Hinsehen klaffen PR und Realität weit auseinander. Sind die Männer in Schwarz tatsächlich eine Art arktisches Sondereinsatzkommando? Hier sind fünf Fakten, die Sie wissen müssen:

1. Auf Eis gebaut

Auch wenn die Institution der Nachtwache ihren einstigen Glanz heute weitgehend verloren hat, bleibt ihr Posten weiterhin eines der eindrucksvollsten Werke, die je in Westeros geschaffen wurden: eine 200 Meter hohe Mauer aus blankem Eis, die sich über mehr als 300 Meilen erstreckt und von „Westwacht an der Brücke“ bis zur „Ostwacht an der See“ eine unüberwindliche Barriere bildet. Die Technologie für ein solches Bauvorhaben scheint heute nirgends in den sieben Königreichen zu existieren. Und es darf bezweifelt werden, dass sie tatsächlich vor 8000 Jahren existierte, als die wahrscheinlich mythische Figur „Bran der Erbauer“ die Mauer errichtet haben soll. Doch auch wenn ihre genaue Entstehung im Dunkel der Vergangenheit verloren ist, erfüllt die Mauer ihren Zweck noch heute: Die Menschheit im Süden vor der unaussprechlichen Bedrohung im Norden zu schützen. Über die genaue Natur und das Ausmaß dieser Bedrohung herrschen jedoch unterschiedliche Meinungen.

2. Schuld sind immer die Anderen

Vollständig ins Reich der Legenden gehört wohl auch der namenlose Feind, der angeblich jenseits der Mauer im Ewigen Eis lauern soll. Die sogenannten „Anderen“, angeblich nahezu unverwundbare Untote, sind heute nur aus Gruselgeschichten und düsteren Märchen bekannt. Umso erstaunlicher, dass diese „Bedrohung“ noch immer ganz offiziell den Militäreinsatz an der Mauer begründet. Einige verwirrende Berichte aus dem Hauptquartier der Nachtwache in der Schwarzen Festung sprechen in den letzten Monaten von verlustreichen Begegnungen mit diesen „Anderen“. Nach einhelliger Meinung der Experten des königlichen Rates muss es sich dabei allerdings nur um eine ganz andere Gefahr handeln. Die einzig wahre Gefahr, die aus dem Norden droht, sind die „Wildlinge“, die sich selbst als das freie Volk bezeichnen. Diese größtenteils nomadisch lebenden, anarchistischen Kommunen verüben immer wieder einzelne Überfälle auf Erkundungstrupps der Nachtwache. Mehrfach ist es ihnen gelungen, die Mauer zu überwinden und ihre Raubzüge auf die Dörfer in der Grenzregion auszudehnen. Dass sie sich nun unter einem Mann namens Manke Rayder zu einem schlagkräftigen Heer vereint haben, wie jüngst über die Raben-Netzwerke verbreitet wurde, wird südlich von Winterfell weiter ignoriert.

3. Eine „Bruderschaft von Dieben“

Ebenso wie die untoten Feinde gehört auch der Ruf der Nachtwache als unbesiegbare Elitetruppe ins Reich der Legenden – zumindest, wenn man einen der einfachen Bürger von Westeros fragt. Hochqualifizierte Offiziere, motivierte Rekruten, ritterliche Ideale – all dies sucht man in der Nachtwache der Gegenwart zunehmend vergeblich. Zwar zeigen die historischen Aufzeichnungen, dass in früheren Jahrhunderten tatsächlich zahlreiche Adelsfamilien ihre Söhne zum Dienst in der Truppe verpflichteten, die oft gleich eine ganze Entourage gut ausgebildeter Soldaten mitbrachten. Heute ist der Dienst an der Mauer aber nicht mehr hehres Lebensziel, sondern allzu oft ein Gerichtsurteil – die lebenslange Zwangsverpflichtung in der Nachtwache hat sich im Strafrecht für alle möglichen Vergehen durchgesetzt. Statt tapferer Ritter tragen heute also Diebe, Mörder und Vergewaltiger den klassischen schwarzen Umhang. Der Grund dafür ist schnell gefunden: So bietet die Nachtwache selten Gelegenheit zu wahren Heldentaten, statt dessen zermürbende Patrouillen auf einer Wand aus Eis – oft in unzureichender Ausrüstung. Ebenso wenig verlockend: Alle Rekruten sind einem Zölibat unterworfen, verzichten auf Landbesitz und kappen weitgehend alle Verbindungen zu ihrem bisherigen Leben. Ein Zustand, der einer Gefängnisstrafe schon sehr nahe kommt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Nachtwache mit massiven Nachwuchssorgen kämpft und von den ehemals 19 Wachposten entlang der Mauer gerade einmal drei über eine Garnison verfügen.

4. Ein Teenager als Anführer

Wer gerade das Oberkommando über die Nachtwache und ihre drei Orden der Grenzer, Baumeister und Kämmerer hat, ist im Süden nicht immer bekannt – oder von großem Interesse. Nach der Ermordung des Lord Kommandanten Jeor Mormont durch meuternde Kameraden führt Waffenmeister Alliser Thorne offiziell die Truppe im ewigen Eis. Immer größeren Einfluss gewinnt allerdings der junge Jon Schnee, unehelicher Sohn von Eddard Stark von Winterfell. Der Teenager, der von seinem Exil an der Mauer aus den Niedergang seiner privilegierten Familie beobachten musste, hat sich trotz seiner geringen Kampferfahrung bereits die Loyalität großer Teile der Mannschaft gesichert. Es würde nicht überraschen, wenn er bei der nächsten Wahl zum Lord Kommander bereits ein ernstzunehmender Kandidat wäre. Dass Jon Schnee zu den prominentesten Stimmen gehört, die vor einer angeblichen Rückkehr der „Anderen“ warnen, sollte allen Verantwortlichen dabei zu denken geben.

5. Schwarz ist das neue Weiß

„Das Schwarz anlegen“ ist der gängige Euphemismus für den Eintritt in die Nachtwache. Die vollständig schwarze Kleidung der Bruderschaft hat ihren Mitgliedern den Spottnamen „Krähen“ eingebracht. Abgesehen vom unbestreitbar eindrucksvollen Anblick einer ganzen Kompanie schwarzgekleideter Söldner wirft die Farbwahl jedoch zunehmend Fragen auf. Denn mit gerade einmal 1000 Männern, unter ihnen nur ein Drittel Kämpfer, tritt die Nachtwache nicht mehr in großer Zahl und auf dem offenen Schlachtfeld auf. Die kleinen Erkundungstrupps der Grenzer sind vielmehr auf Geheimhaltung angewiesen – und hier erweist sich das traditionelle Schwarz in der schneeweißen Landschaft des Ewigen Eises als nachteilig. Ob in absehbarer Zeit die Vernunft über die Tradition siegt und auch die Nachtwache moderne Schneetarnausrüstung erhält, wollte die Pressestelle aber nicht kommentieren.

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