Sarah Lewis kandidiert als FIS-Präsidentin | Sport | DW | 01.06.2021
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Wintersport

Sarah Lewis kandidiert als FIS-Präsidentin

Der internationale Skiverband FIS wählt am 4. Juni einen neuen Chef. Unter den vier Bewerbern ist eine Frau: Die Britin Sarah Lewis möchte den eher konservativen Verband reformieren.

Eine Britin als Präsidentin des internationalen Skiverbandes? Im ersten Moment schwer vorstellbar? Das Vereinigte Königreich gilt als Diaspora des Schneesports. Realistisch jedoch, wenn man an Sarah Lewis denkt. Als Fünfjährige stand sie zum ersten Mal auf Skiern. Zehn Jahre später startete sie ihre internationale Karriere als alpine Rennläuferin. Ihr Höhepunkt: die Olympia-Teilnahme 1988 in Calgary. Lewis lebte in Frankreich, den USA und mittlerweile seit 30 Jahren in der Schweiz. Nach ihrer aktiven Zeit arbeitete sie in verschiedenen Funktionen in der Skibranche. In den letzten 20 Jahren als Generalsekretärin der FIS.

In dieser Zeit entwickelte sich der Skisport enorm. Die Anzahl der Wettbewerbe bei Olympia stieg von 36 (2002) auf 50 (2018). Auch ein Verdienst der umtriebigen Managerin Sarah Lewis. Ist ihre Kandidatur für das höchste Amt also ein logischer Schritt? "Ja", meint die 56-Jährige, die während des DW-Interviews munter zwischen Englisch und Deutsch wechselt, außerdem noch Französisch, Italienisch und etwas Norwegisch spricht.

Mehr Frauen in Führungspositionen

"Meine Vision ist, dass wir die FIS zu einer globalen Bewegung für den Skisport in der ganzen Welt machen", sagt Lewis. "Die FIS ist mit 132 Mitgliedern schließlich der größte Wintersportverband der Welt. Sie muss künftig in einer veränderten, inklusiveren und anspruchsvolleren Gesellschaft eine Rolle spielen." 

Doch welche Vorhaben will sie im Fall ihrer Wahl konkret angehen? "Als erste Maßnahme will ich einen COVID-19-Unterstützungsfonds für unsere Mitgliedsverbände einrichten", sagt Lewis. "Sehr wichtig ist mir eine Frauenquote für den Vorstand und die einzelnen Kommissionen. Zuerst 20 Prozent. In fünf Jahren sollten wir aber bei 50 Prozent sein."

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Die Anzahl der Frauen-Wettbewerbe im Skisport ist gewachsen

Frauen in führenden Positionen des internationalen Sports muss man nach wie vor mit der Lupe suchen. Von den insgesamt 69 olympischen Sportverbänden werden gegenwärtig nur zwei von Frauen geführt - Curling und Triathlon. Für die FIS wäre die Wahl von Lewis ein Kulturwandel. In den fast 100 Jahren seines Bestehens (gegründet 1924) wurde der Verband von nur vier Männern geführt. Der aktuelle Präsident, der Schweizer Gian-Franco Kasper, scheidet jetzt nach 23 Jahren aus dem Amt. Auch das Council, das Führungsgremium der FIS, besteht ausschließlich aus Männern. Wenn man von der Athletensprecherin, der ehemaligen US-amerikanischen Rennläuferin Hannah Kearney, einmal absieht.

Als Generalsekretärin entlassen - als Präsidentin zurück?

Mit dem "Männerklub" FIS hatte Lewis jüngst ihre ganz speziellen Erfahrungen machen müssen. Im Oktober wurde sie bei einer Council-Sitzung als Generalsekretärin kurzer Hand entlassen. Begründung: kompletter Vertrauensverlust! Das deutsche Vorstandsmitglied Alfons Hörmann erklärte im Nachgang etwas diffus "ein verändertes Rollenverständnis" habe zu dieser Entscheidung geführt. Es gibt jedoch auch Stimmen, die meinen, mit ihren Zielen und Ansichten sei Lewis einigen Herren wohl zu unbequem geworden.

Zurückblicken will Sarah Lewis, die knappe zehn Minuten vom Sitz der FIS in Oberhofen am Thunersee entfernt wohnt, nicht. "Ich will mit meiner Kandidatur ein Signal senden. Weil Frauen bisher nicht ermutigt und nicht dabei unterstützt wurden, für höchste Ämter zu kandidieren. Das muss sich ändern. Frauen müssen aber auch den Willen haben, es ändern zu wollen und dafür kämpfen", formuliert Lewis ihre Ansichten zu diesem Thema.

Der Wintersport muss sich dem Klimawandel stellen

Zu den großen Herausforderungen, vor denen die FIS steht, gehört der Klimawandel. Auch der Wintersport belastet die Umwelt. Lewis will sich neben anderen Aufgaben auch dieser stellen. "Wir müssen eine Kultur der Nachhaltigkeit entwickeln. Ich will ein Gremium von Experten berufen. Vertreter der FIS, aus den nationalen Verbänden und Fachleute von außerhalb unseres Sports sollen nach Lösungen suchen", sagt Lewis.

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"Es geht um die große Zahl von Wettkämpfen, um die vielen Reisen und vieles mehr. Wir werden da sicher heftige Diskussionen haben und harte Entscheidungen treffen müssen. Aber es geht um den Schutz der Natur, jedoch auch darum, dass es in zehn oder 20 Jahren noch Wintersport gibt."

Nur auf eine Frage im Gespräch mit der DW hat Lewis keine klare Antwort parat. Wenn Sie nicht als Präsidentin gewählt werden, was wird dann aus Ihnen? "Meine Pläne reichen wirklich nur bis zum 4. Juni, bis zur Wahl. Darauf bin ich fokussiert." Dass es für Sarah Lewis im internationalen Skisport keine Aufgabe geben sollte, ist allerdings schwer vorstellbar.