Russland warnt USA vor ″furchtbaren tektonischen Verschiebungen″ in Syrien | Aktuell Welt | DW | 02.10.2016
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Syrien

Russland warnt USA vor "furchtbaren tektonischen Verschiebungen" in Syrien

Es mangelt weiter nicht an markigen Worten, mit denen sich Moskau und westliche Regierungen im Syrien-Konflikt gegenseitig attackieren. Doch wird es angesichts der Hölle von Aleppo beim verbalen Schlagabtausch bleiben?

Die Außenminister der USA und Russlands, John Kerry und Sergej Lawrow (Foto: picture-alliance/abaca)

Die Außenminister der USA und Russlands, John Kerry (li.) und Sergej Lawrow

Russland hat die USA vor Angriffen auf die syrische Armee oder die Führung in Damaskus gewarnt. Dies könnte zu "furchtbaren tektonischen Verschiebungen" nicht nur in Syrien, sondern in der gesamten Region führen, zitierte der staatlich kontrollierte russische Nachrichtenanbieter Sputnik die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa.

Kerry telefoniert, telefoniert und telefoniert...

Trotz scharfer Kritik der Vereinten Nationen und des Westens hält Moskau an seinem Bombardement in Aleppo fest, das ganze Straßenzüge in Schutt legte. Am Samstag attackierten Kampfflugzeuge zum zweiten Mal eine der wenigen Kliniken, die im Osten der sterbenden Metropole überhaupt noch im Betrieb sind.

Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete den "systematischen" Beschuss von Gesundheitseinrichtungen als "besonders empörend". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte über Twitter, die Bombardierung von Aleppo müsse "endlich aufhören". "Wir brauchen schnellstmöglich eine Feuerpause", schrieb er in einem weitere Kommentar in dem Kurzbotschaftendienst. US-Außenminister John Kerry drohte bereits mit einem Abbruch seiner Gespräche mit Moskau. Am Samstag telefonierte Kerry nach Angaben Moskaus zum vierten Mal in Folge mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

Zerstörtes Patientenzimmer eines Krankenhauses in Aleppo (Foto: Reuters/A. Ismail)

Zerstörtes Patientenzimmer eines Krankenhauses in Aleppo

Golfstaaten: UN-Sicherheitsrat muss sofort einschreiten 

Die Golfstaaten forderten unterdessen eine Intervention der Vereinten Nationen. Die syrische Regierung verstoße mit ihrer Offensive gegen internationales Recht, teilte der Golf-Kooperationsrat mit. Der UN-Sicherheitsrat müsse sofort einschreiten, um die Aggressionen gegen die Stadt Aleppo zu stoppen und das Leid der syrischen Bevölkerung zu beenden", heißt es in der Erklärung des Zusammenschlusses der Golfstaaten Saudi Arabien, Katar, Bahrain, Kuwait, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

"Rennen gegen die Zeit"

Die Luftangriffe auf Krankenhäuser im syrischen Aleppo bringen laut UN die medizinische Versorgung der Bevölkerung an den Rand des totalen Zusammenbruchs. Patienten müssten abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten, sagte der Koordinator des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Stephen O'Brien in Genf. "Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit." Er wiederholte die Forderungen nach Einstellung der Angriffe. Das Mindeste wäre eine 48-stündige Feuerpause pro Woche, um die Kranken und Verletzten aus der Stadt bringen zu können.

Russland unterstützt seit einem Jahr mit Luftangriffen die syrischen Truppen in ihrem Kampf gegen moderate Rebellen und Dschihadisten-Milizen. Eine vor zwei Wochen zwischen Moskau und Washington ausgehandelte Waffenruhe war nach wenigen Tagen wieder zerbrochen. Seitdem fliegen syrische und russische Kampfflugzeuge massive Luftangriffe gegen den von Rebellen kontrollierten Ostteil Aleppos, sie wollen die gesamte ehemalige Wirtschaftsmetropole im Norden des Landes wieder vollständig unter ihre Kontrolle bekommen. In dieser Zeit sind nach UN-Erkenntnissen in Aleppo wieder Hunderte Menschen getötet worden.

sti/qu (afp, ap, rtr)