Russland verlangt von Türkei härteres Vorgehen in Idlib | Aktuell Europa | DW | 23.01.2019
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Syrien

Russland verlangt von Türkei härteres Vorgehen in Idlib

In einem Punkt sind sich die Präsidenten Putin und Erdogan einig: Sie wollen die syrische Rebellenregion Idlib stabilisieren. Über den Weg zu diesem Ziel scheint es bei ihrem Treffen in Moskau aber Differenzen zu geben.

"Wir sehen, dass die türkischen Partner viel tun, um die von Idlib ausgehende Terrorgefahr zu verringern", sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan in Moskau. Nötig seien gemeinsame Anstrengungen, um die Gefahr endgültig zu beseitigen. Die vereinbarte entmilitarisierte Zone dürfe kein Grund sein, im Kampf gegen Terroristen nachzulassen. Die Türkei müsse gegen Terrorgruppen in der nordsyrischen Provinz härter vorgehen.

Die Türkei hatte im vergangenen Herbst die entmilitarisierte Zone in Idlib durchgesetzt. So wurde ein syrischer und russischer Angriff auf das Gebiet abgewendet, in dem es neben bewaffneten Oppositionellen auch Millionen Zivilisten gibt. In den vergangenen Wochen hat aber die Terrorgruppe HTS Geländegewinne in Idlib erzielt.

Putin und Erdogan begrüßten den angekündigten Abzug der US-Truppen aus dem Osten und Süden Syriens. Erdogan stellte aber klar, dass die ostsyrischen Kurdenverbände, bisher Verbündete der USA, für ihn ein Gegner seien. Die Türkei will einen kurdischen Machtbereich an ihrer Grenze verhindern. Russland möchte, dass dieses Gebiet wieder unter Kontrolle der syrischen Regierung kommt. Hauptaufgabe für die Türkei in Syrien sei der Kampf gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) und die syrische Kurdenmiliz YPG, unterstrich Erdogan. Ankara betrachtet die YPG als Ableger der Kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei, die dort als Terrororganisation eingestuft ist.

Video ansehen 02:18

Türkei: Kein Schutz für syrische Kurden

Letzte IS-Bastion in Ostsyrien erobert

Derweil hat ein kurdisch-arabisches Bündnis nach Berichten von Aktivisten die letzte Bastion des "Islamischer Staates" in Ostsyrien erobert. Die Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gehen seit September mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition gegen die letzten IS-Bastionen an der irakischen Grenze vor. Trotz des erbitterten Widerstands der Dschihadisten eroberte das kurdisch-arabische Bündnis weite Teile der IS-Enklave. Mit Baghus nahmen sie nun auch "das letzte Dorf" unter Kontrolle der Dschihadisten ein, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Fast 5000 Menschen geflohen

Nach Angaben der oppositionsnahen Organisation waren zuvor rund 4900 Menschen aus den IS-Gebieten geflohen, darunter 470 IS-Kämpfer. Allein am Dienstag hätten sich 3500 Menschen den SDF-Einheiten ergeben. Sie seien anschließend in Lastwagen der SDF fortgebracht worden, erklärte die Beobachtungsstelle. 

"Die Operationen zur Suche nach versteckten IS-Kämpfern in Baghus dauern an", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Anschließend würden die SDF die letzten IS-Kämpfer im Umland von Baghus ins Visier nehmen. Dort kontrollieren sie noch zwei kleine Siedlungen. Außerdem hält die IS-Miliz noch Teile der weitläufigen Badija-Wüste. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Informanten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

kle/rk (dpa, rtre, afp)

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