Russische Geheimdienste sollen die Skripals seit Jahren im Visier gehabt haben | Aktuell Europa | DW | 13.04.2018
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Nervengas

Russische Geheimdienste sollen die Skripals seit Jahren im Visier gehabt haben

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal präsentiert Großbritannien immer neue Indizien, die eine russische Täterschaft beweisen sollen. Der Vertreter Moskaus gibt sich "überrascht".

Nach dem Anschlag in Salisbury (picture-alliance/dpa/AP/F. Augstein)

Polizistinnen schieben Wache vor dem Haus des Ex-Doppelagenten Skripal in Salisbury

Moskauer Geheimdienste haben den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia nach britischer Darstellung vor dem Giftanschlag von Salisbury mindestens fünf Jahre lang ausspioniert. Mark Sedwill, der Sicherheitsberater von Premierministerin Theresa May, schrieb in einem am Freitag veröffentlichten Brief an NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, das Interesse der russischen Geheimdienste an den Skripals reiche "bis mindestens in das Jahr 2013 zurück".

 

So hätten Cyberspezialisten des Militärgeheimdienstes GRU Julia Skripals E-Mail-Konten ins Visier genommen. Zudem sei es sehr wahrscheinlich, dass russische Spione zumindest manche Überläufer als legitime Attentatsziele betrachteten.

Codewort FOLIANT

Die Russen verfügten über die "technischen Mittel, die Einsatzerfahrung und ein Motiv für den Angriff auf die Skripals" zitiert die britische Nachrichtenagentur Press Association aus Sedwills Brief.  Es sei "höchst wahrscheinlich", dass der russische Staat für den Anschlag verantwortlich sei. Laut glaubwürdigen offenen und Geheimdienstquellen habe die Sowjetunion in den achtziger Jahren Gifte der Nowitschok-Gruppe auf einem Stützpunkt bei Wolgograd entwickelt. Sedwill: "Das Codewort für das offensive Chemiewaffenprogramm (zu dem Nowitschok zählte) war FOLIANT". Für Regierungschefin May sollen diese Indizien eine große Rolle gespielt haben bei ihrer Entscheidung, im Fall Skripal Sanktionen gegen Moskau zu verhängen.    

Botschafter Moskaus: Auch das ist kein Beweis

Der russische Botschafter in London nannte die jüngsten britischen Darstellungen eine "große Überraschung". "Wenn wirklich jemand spionierte, warum haben sich die britischen Dienste nicht darüber beschwert?", fragte Alexander Jakowenko vor der Presse in London. Wie sein Außenministerium erklärte auch Jakowenko, es gebe nach wie vor keinerlei Beweise für eine russische Täterschaft.  

Doppelagent Sergei Skripal und Tochter (picture-alliance/Globallookpress)

Eine Szene aus glücklicheren Tagen: Julia und Sergej Skripal im März in einem Restaurant

Botschafter der EU zurück   

Der frühere russische Agent Skripal lebt seit 2010 in Großbritannien, seine Tochter war erst vor einigen Wochen zu Besuch gekommen. Die beiden waren am 4. März im südenglischen  Salisbury vergiftet worden. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass ein Nowitschok-Nervengift verwendet wurde und die russische Regierung hinter dem Anschlag steht.  

Der Fall hat eine tiefe diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten ausgelöst. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte.

Die EU schickte jetzt ihren Russland-Botschafter Markus Ederer zurück nach Moskau. Der wegen des Giftanschlags nach Brüssel vorübergehend zurückbeorderte deutsche Diplomat sei seit Donnerstag wieder an seinem Dienstort in der russischen Hauptstadt, teilte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini mit. 

SC/haz (APE, afp, rtr)