Agententochter Julia Skripal schottet sich ab | Europa aktuell | DW | 11.04.2018
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Der Giftanschlag von Salisbury

Agententochter Julia Skripal schottet sich ab

Zwei Tage nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus meldet sich die vergiftete Julia Skripal über Scotland Yard zu Wort. Ihre Ansagen sind deutlich: Sie will weder Hilfe aus Russland, noch Kontakt zu ihrer Cousine.

Vor fast sechs Wochen war Julia Skripal zusammen mit ihrem Vater, dem russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal, vergiftet worden. Am Montag hatte sich ihr Zustand soweit verbessert, dass sie das Krankenhaus verlassen konnte. Britische Medien berichteten, die junge Russin sei an einen sicheren Ort gebracht worden. Seitdem herrschte Funkstille. Jetzt wendet sich die 33-Jährige in einer über Scotland Yard verbreiteten Stellungnahme an die Öffentlichkeit und bestätigt, dass sie sich in Sicherheit befinde.

Klare Abgrenzung von russischer Verwandschaft

In ihrer Mitteilung lehnt sie die von der russischen Botschaft in London angebotene Hilfe ab. "Im Moment möchte ich von deren Leistungen nicht Gebrauch machen. Aber wenn ich meine Meinung ändere, lasse ich sie es wissen", teilte Julia Skripal mit.

Und auch zu ihrer in Moskau lebenden Cousine Viktoria Skripal möchte sie keinen Kontakt haben. "Ihre Meinungen und Behauptungen sind nicht meine und die meines Vaters." Die Cousine spielte in den vergangenen Wochen eine undurchsichtige Rolle. Die Regierung in London fürchtet nach einem BBC-Bericht, dass sie vom Kreml instrumentalisiert wird. Viktoria Skripal gab russischen und britischen Medien Interviews, in denen sie die Angaben Großbritanniens zum Anschlag anzweifelte. Sie behauptete unter anderem, dass ihre Verwandten Opfer einer Fischvergiftung geworden seien. Das russische Staatsfernsehen veröffentlichte einen Mitschnitt eines angeblichen Telefonats zwischen ihr und Julia Skripal. Die Echtheit ist nicht geklärt.

Diplomatischer Streit um die Vergifteten

Julia Skripal und ihr Vater waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Nach Angaben britischer Experten wurden sie mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Das Nervengift wurde einst von der Sowjetunion entwickelt und hergestellt. Am vergangenen Donnerstag hatte sich die 33-Jährige erstmals seit dem Attentat in einer Mitteilung öffentlich zu Wort gemeldet und von Fortschritten bei der Genesung berichtet. Ihr Vater liegt weiter im Krankenhaus. Toxikologen halten bei beiden Spätfolgen wie etwa Organschäden für nicht ausgeschlossen.

Doppelagent Sergei Skripal und Tochter (picture-alliance/Globallookpress)

Die beiden Skripals kurz vor der Giftattacke in einem Restaurant in Salisbury

Die Regierung in London bezichtigt die politische Führung in Moskau, Drahtzieher des Anschlags zu sein. Der Kreml weist dies vehement zurück. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Russland und dem Westen aus.

Der 66-jährige Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf und wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. 2010 fand er dann in Großbritannien Zuflucht, nachdem er im Austausch gegen russische Spione auf freien Fuß kam. Seitdem lebte er in Salisbury.

qu/fab (dpa, rtre, afpe, APE)

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