Ruanda gedenkt der Opfer des Völkermordes vor 25 Jahren | Aktuell Afrika | DW | 07.04.2019
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Afrika

Ruanda gedenkt der Opfer des Völkermordes vor 25 Jahren

Damals ermordeten Angehörige der Hutu-Mehrheit bis zu eine Million Menschen. In der Hauptstadt Kigali gedachten führende Politiker der Opfer. Frankreich will dem Völkermord einen eigenen Gedenktag widmen.

Ruanda 25. Jahrestag Völkermord | Zeremonie in Kigali (Getty Images/AFP/Y. Chiba)

Präsident Kagame (2.v.l.), seine Frau, der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, Moussa Faki, und EU-Kommissionschef Juncker entzünden eine Flamme zu Ehren der Opfer

Mit einer bewegenden Zeremonie hat Ruanda an das beispiellose Blutvergießen vor 25 Jahren erinnert. Präsident Paul Kagame entzündete am Völkermord-Denkmal in der Hauptstadt Kigali eine Kerze für die Hunderttausenden Opfer und markierte damit den Beginn für 100 Tage Staatstrauer.

Begleitet wurde er dabei vom Kommissionspräsidenten der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahamat, sowie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Das Gedenken an die Opfer habe ihn zutiefst berührt, sagte Juncker, "Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern."

Nach dem Genozid habe es "keine Hoffnung gegeben, aber die Arme unserer Menschen haben geholfen, die Nation wieder aufzubauen", sagte Kagame dann bei der offiziellen Gedenkveranstaltung im Nationalstadion. Dorthin hatten sich während des Völkermords 1994 Tausende Menschen mit Hilfe der UN in Sicherheit gebracht.

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Ruanda: Gedenken an den Völkermord vor 25 Jahren

Der Staatschef lobte, wie weit Ruanda nach dem Völkermord gekommen sei. "25 Jahre später sind wir hier, alle zusammen. Verletzt und mit gebrochenen Herzen, aber unbesiegt." Auch warnte er jegliche Gegner im In- und Ausland: "Niemand hat die Macht, die Ruander jemals wieder gegeneinander aufzubringen." Zu der Feier sind zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs und Gäste aus aller Welt angereist. Deutschland wird durch Altbundespräsident Horst Köhler vertreten.

Bald eigener Gedenktag in Frankreich

Frankreich lässt sich von dem Parlamentsabgeordneten Hervé Berville vertreten, der aus einer Tutsi-Familie stammt. Darüber hinaus will die französische Regierung dem Massaker einen eigenen Gedenktag, ebenfalls am 7. April, widmen, wie der Élyséepalast mitteilte. Wenige Tage zuvor hatte Staatschef Emmanuel Macron eine Kommission berufen, um die Rolle Frankreichs bei dem Völkermord untersuchen zu lassen.

Denn dem EU-Land wird - auch von Kagame - immer wieder vorgeworfen, in die Vorbereitung und Ausführung involviert gewesen zu sein. Die französische Armee soll den Völkermördern freies Geleit in den Kongo gewährt haben. Paris und Kigali hatten in der Vergangenheit zwischenzeitlich ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen.

Weltgemeinschaft schaute weitgehend weg

Auslöser des Völkermords in der früheren deutschen und belgischen Kolonie Ruanda war der bis heute ungeklärte Abschuss des Flugzeugs des autoritären Präsidenten Juvénal Habyarimana am 6. April 1994. Noch in derselben Nacht begann das Morden. Vertreter der Hutu-Mehrheit töteten bis zu einer Million Menschen, die meisten davon Angehörige der Tutsi-Minderheit, aber auch gemäßigte Hutu. Die Massaker wurden erst nach rund 100 Tagen beendet, als die im Exil von Tutsi gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) mit Paul Kagame an der Spitze aus Uganda einmarschierte.

Die internationale Gemeinschaft ignorierte die Krise lange, obwohl der Kommandeur der UN-Truppen vor einem drohenden Genozid gewarnt hatte.Die 2500 Blauhelme vor Ort durften nicht eingreifen, weil der UN-Sicherheitsrat ihnen ein robustes Mandat versagte. 

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas erinnerte am Samstagabend in Berlin an die mehr als 800.000 Toten und ihre Angehörigen. Ein solches "Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes" müsse "eine Mahnung für zukünftige Generationen sein". "Im Frühjahr 1994 hat die Weltgemeinschaft die Warnzeichen des bevorstehenden Völkermords nicht rechtzeitig wahrgenommen", so Maas. Heute habe sich das Instrumentarium der Krisenfrüherkennung und der Krisenprävention deutlich fortentwickelt. 

Kagame regiert seit 1994 durch

Nach der Beendung des Massakers und dem Sieg über die Hutu-Extremisten übernahm RPF-Chef Paul Kagame die Macht in Ruanda. Er regiert bis heute. Kagame verordnete einen Versöhnungskurs. Täter mussten sich in Dorfgerichten, den sogenannten Gacaca, verantworten. Drahtzieher des Völkermords wurden vor das internationale Tribunal im tansanischen Arusha gestellt.

Kagame ließ 2015 die Verfassung ändern, um weiterregieren zu können. 2017 wurde er mit mehr als 98 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Sein Regierungsstil ist autoritär, es gibt kaum Opposition oder kritische Medien. Der Präsident wird wegen wirtschaftlicher Erfolge gelobt, aber wegen der Unterstützung von Rebellen im Ostkongo kritisiert.

Ruanda gehört mit mehr als 450 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas. Von den rund 13 Millionen Einwohnern sind geschätzte 80 bis 85 Prozent Hutu, 10 Prozent Tutsi. Offiziell werden die Volksgruppen nicht mehr unterschieden.

ie/stu (epd, dpa, afp)

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