Rotes Kreuz: Klimawandel gefährlicher als Corona | Aktuell Welt | DW | 17.11.2020
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Klimakrise

Rotes Kreuz: Klimawandel gefährlicher als Corona

Leider gebe es keinen Impfstoff gegen den Klimawandel, sagt das Rote Kreuz. Es fordert die Internationale Gemeinschaft auf, mit derselben Dringlichkeit auf die Klimakrise zu reagieren wie auf die Corona-Pandemie.

Die globale Erwärmung sei eine größere Bedrohung als das neuartige Coronavirus, heißt es in einem Bericht der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC). Während die Pandemie wüte, habe der Klimawandel weiterhin verheerende Schäden angerichtet.

Aus dem Bericht über globale Katastrophen seit den 1960er Jahren geht hervor, dass die Welt seit Ausrufung der Corona-Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März von mehr als hundert Naturkatastrophen getroffen wurde, von denen viele im Zusammenhang mit dem Klimawandel stünden. Mehr als 50 Millionen Menschen seien von diesen Katastrophen betroffen gewesen.

Die Welt steht vor einer "ernsten Krise"

Natürlich gebe es Corona, "es ist direkt vor uns, es betrifft unsere Familien, unsere Freunde, unsere Verwandten", sagte IFRC-Generalsekretär Jagan Chapagain bei einer virtuellen Pressekonferenz. Die Welt stehe vor einer "sehr, sehr ernsten Krise", sagte er mit Blick auf die Pandemie, durch die bereits mehr als 1,3 Millionen Menschen starben.

Doch das IFRC erwarte, "dass der Klimawandel mittel- und langfristig einen stärkeren Einfluss auf das menschliche Leben und auf die Erde haben wird", warnte er. Während es immer wahrscheinlicher werde, dass in Kürze ein oder mehrere Impfstoffe gegen das Coronavirus erhältlich seien, "gibt es leider keinen Impfstoff gegen den Klimawandel", hob Chapagain hervor.

Philippinen Taifun Vamco

Taifun Vamco auf den Philippinen: 77 Prozent der Naturkatastrophen gehen auf den Klimawandel zurück, sagt das IFRC

Schon in den vergangenen Jahrzehnten hätten die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen und klimabedingten Ereignissen beträchtlich zugenommen. Allein 2019 sei die Welt von 308 Naturkatastrophen getroffen worden, von denen 77 Prozent klima- oder wetterbedingt gewesen seien. Rund 24.400 Menschen seien dadurch gestorben. Seit den 1960er Jahren habe die Zahl der wetter- oder klimabedingten Katastrophen stetig zugenommen und sei nun 35 Prozent höher als in den 1990er Jahren.

Entwicklungsländer brauchen Geld

Mehr als 410.000 Menschen seien im vergangenen Jahrzehnt dadurch gestorben, die meisten von ihnen in ärmeren Ländern. Hitzeperioden und Stürme hätten die meisten Toten zur Folge gehabt. Insgesamt seien rund 1,7 Milliarden Menschen in Mitleidenschaft gezogen worden, viele davon mehrfach. 

Angesichts der Gefahr, die "buchstäblich unser langfristiges Überleben bedroht", rufe das IFRC die internationale Gemeinschaft auf, mit der gebotenen Dringlichkeit zu handeln. So seien in den kommenden zehn Jahren rund 50 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 42 Milliarden Euro, erforderlich, um den 50 Entwicklungsländern dabei zu helfen, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. Das sei wenig im Vergleich etwa mit dem Corona-Aufbauplan der EU im Umfang von 750 Milliarden Euro.

nob/ww (afp, kna, dpa)

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