Revolutionäres Vorbild: Zum 200. Geburtstag von Susan B. Anthony | Kultur | DW | 15.02.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Frauenrechte

Revolutionäres Vorbild: Zum 200. Geburtstag von Susan B. Anthony

"Kein Mann ist genug, um eine Frau ohne ihre Zustimmung zu regieren" - diesen Satz prägte Susan B. Anthony. Vor 200 Jahren wurde die Vorreiterin der amerikanischen Frauenbewegung geboren.

Jede politische Bewegung hat ihre Urahnen, jede Forderung nach Rechten ihre Vorkämpfer. Vor 200 Jahren, am 15. Februar 1820, kam in einem kleinen Ort in Massachusetts eine spätere Galionsfigur der Frauenbewegung zur Welt. Als zweites von sieben Kindern wurde Susan Brownell Anthony in eine Quäker-Familie geboren. In der Weltanschauung der Quäker wohnt jedem Menschen das Licht Gottes inne - und deshalb setzen sie sich vehement gegen jede Form der Diskriminierung ein. So sammelte Susan schon im Alter von 17 Jahren Unterschriften für die "Anti-Sklaverei-Bewegung". 

1826 war die Familie in den Bundesstaat New York umgesiedelt. Die Eltern erzogen ihre Kinder früh zur Selbstständigkeit, auch über damals geltende gesellschaftliche und familiäre Gepflogenheiten hinaus. Susan wurde Lehrerin und begann sich für Sozialreformen zu interessieren, nachdem sie im Alter von 26 Jahren festgestellt hatte, dass ihr Lohn deutlich niedriger war als der von Männern in gleicher Position.

1848 fand in Seneca Falls im Bundesstaat New York der erste Nationale Kongress für Frauenrechte in den Vereinigten Staaten statt. Das Ergebnis war ein Manifest, das in 18 Punkten die Ungerechtigkeiten gegen Frauen darlegte und die Forderung stellte, Frauen alle Rechte und Privilegien zu gewähren, die die Männer besaßen - Wahlrecht inklusive.

Eine der Initiatorinnen dieses ersten Kongresses war Elizabeth Cady Stanton. Sie und Susan B. Anthony lernten sich 1851 kennen, wurden enge Freundinnen und Weggefährtinnen im Kampf um die Frauenrechte. 

Susan B. Anthony und Elizabeth Cady Stanton sitzen nebeneinander und schreiben etwas. (Imago/United Archives International)

"Blitze schmieden und feuern": Susan B. Anthony (links) neben ihrer Freundin und Weggefährtin Elizabeth Cady Stanton

Kampf gegen Alkohol

Abstinenz von Alkohol war ein großes Thema der Frauenrechtsbewegung, denn die Droge hatte sich in den Städten zu einem Problem entwickelt. Alkoholiker waren unzuverlässig - sowohl als Ehemänner wie auch als Arbeiter. Weil die wenigsten Frauen arbeiten durften, drohte der Alkoholismus der Männer viele Familien in den Ruin zu stürzen.

Als Anthony 1853 auf einer Veranstaltung der Temperenzler, eine Bewegung, die sich gegen den Genuss von Alkohol richtet, auftreten wollte, bekam sie von den Männern ein Redeverbot auferlegt. Frauen sollten lediglich zuhören und lernen. Jahre später hielt sie fest, dass Frauen für nichts, auch nicht für ihren Anspruch aufs Wahlrecht, so erbittert bekämpft worden seien wie für ihre Forderung nach öffentlicher, freier Rede.

Als Reaktion auf das Redeverbot gründete Susan B. Anthony mit Elizabeth Cady Stanton eine weibliche Temperenzler-Gesellschaft. Die "Daughters of Temperance" brachten eine Petition für ein Gesetz ein, das den Verkauf von Alkohol im Staat New York beschränken sollte. Das zuständige Gremium weigerte sich jedoch, das Dokument zu prüfen, weil die meisten der 28.000 Stimmen von Frauen stammten.

Anthony hatte ein Talent fürs Organisieren, Stanton ein Gespür für eindrucksvolle Reden: "Ich schmiedete die Blitze, sie feuerte sie ab", sagte Stanton später. Anthony organisierte mehrere Kongresse, darunter die Women's Rights Convention und die Anti-Slavery Convention, unterstützte Sklaven auf der Flucht aus den Südstaaten in den für sie sicheren Norden. 1863 gründete sie mit der "Women's Loyal National League" die erste nationale politische Frauenorganisation in den Vereinigten Staaten, deren Ziel ein Zusatzartikel zur Abschaffung der Sklaverei war.

Suffragetten werden von britischen Polizisten abgeführt. (picture-alliance/dpa/Bildarchiv)

In ihrem Kampf für politische Mitbestimmung stießen Frauen weltweit auf Widerstand - auch bei der Staatsmacht, wie hier bei einem Protest der Suffragetten in Großbritannien

Verhaftung und Prozess

1869 kam es zur Spaltung der Frauenbewegung. Die Gruppe um Anthony und Stanton forderte, dass Frauen und Afroamerikaner das Wahlrecht zum gleichen Zeitpunkt erhalten sollten, während eine andere Gruppe die Ansicht vertrat, das Wahlrecht für Frauen sei wichtiger.

Bei der Präsidentschaftswahl im November 1872 warf Anthony einen Stimmzettel in die Wahlurne. Sie wurde verhaftet und angeklagt, weil sie gegen ein staatliches Gesetz verstoßen hatte, und schließlich zu einem Bußgeld verurteilt, das sie jedoch nie zahlte.

Immerhin: Der Prozess verschaffte Anthony die nötige Öffentlichkeit, um den Forderungen der Frauenbewegung Gehör zu verleihen. Die zeitlebens alleinstehende Anthony arbeitete an Kampagnen für einen Verfassungszusatz, der das Wahlrecht für Frauen garantieren sollte und gründete die National Woman Suffrage Association. Sie reiste durchs Land, hielt 100 Reden im Jahr und gab mit Elizabeth Cady Stanton ein Wochenblatt für Frauenrechte heraus: "The Revolution". 1904 reiste sie nach Berlin, um dort mit Mitstreiterinnen den Weltbund für Frauenstimmrecht (International Suffrage Alliance - IWSA) zu gründen. Die internationalen Tagungen vernetzten die Aktivistinnen weltweit. 

1920 schließlich wurde den Frauen in den Vereinigten Staaten das Wahlrecht garantiert, der Verfassungszusatz wird als "Susan-B.-Anthony-Amendment" bezeichnet. Die engagierte Amerikanerin erlebte diesen Tag allerdings nicht mehr, sie starb am 13. März 1906. 

Die Redaktion empfiehlt