Rettungsschiff ″Alan Kurdi″ darf vorerst nicht mehr auslaufen | Aktuell Europa | DW | 06.05.2020
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Seenotrettung

Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf vorerst nicht mehr auslaufen

Das Schiff "Alan Kurdi" wird wohl im Mai keine Seenotrettungen mehr durchführen können. Denn italienische Behörden bescheinigten dem Schiff, nicht mehr seetüchtig zu sein. Die Organisation Sea-Eye vermutet Schikane.

Das deutsche Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi" darf den Hafen von Palermo bis auf weiteres nicht verlassen. Das entschied die italienische Küstenwache nach einer Inspektion am Dienstagabend. Dabei seien "technische und betriebliche Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden. Die Sicherheit der an Bord befindlichen Personen sei daher nicht gewährleistet. Zudem stellten die Beamten Verstöße gegen Umweltschutzvorschriften fest. Vor einer Weiterfahrt müssten die Mängel zuerst behoben werden, hieß es. Man sei darüber auch mit dem Flaggenstaat Deutschland im Gespräch.

Sea-Eye übt heftige Kritik

Sea-Eye kritisierte die italienischen Behörden scharf. Das Schiff habe in den vergangenen 16 Monaten vier Überprüfungen in Italien und Spanien bestanden. Üblich sei eine Kontrolle pro Jahr. Zudem hätten die Kontrolleure "keine Glühbirne in der Fassung" gelassen und die Eignung des Schiffs zur Seenotrettung grundsätzlich in Frage gestellt. "Zu argumentieren, dass dieses Schiff ungeeignet sei, während geeignetere von staatlichen Akteuren keine Seenotrettung mehr durchführen, ist nicht nur grotesk, sondern rechtlich unhaltbar", so Sea-Eye. 

Die Organisation sicherte zu, die berechtigten Beanstandungen zu beheben und das Schiff auf seinen nächsten Einsatz vorzubereiten. Nach Angaben von Sea-Eye-Sprecher Gordon Islers sind die Beanstandungen “technisch lösbare Aufgaben“. Die "Alan Kurdi" könne im Mai nun allerdings voraussichtlich keinen Einsatz mehr beginnen.

Schiff hat fast 700 Menschen das Leben gerettet

Es sei zudem zynisch, die Geretteten an Bord zunächst tagelang festzuhalten, um dann dem Schiff zu attestieren, dass es für ihre Versorgung ungeeignet sei. "Tatsache ist, dass die Crews der “Alan Kurdi“ insgesamt 688 Menschen das Leben retteten, ohne dass einem Crewmitglied oder einem Geretteten etwas zugestoßen wäre. Viele dieser Menschen hätten ohne die 'Alan Kurdi' nicht überlebt."

Am 6. März hatte die Crew 146 Migranten aus Seenot geborgen. Zusammen mit 34 Geretteten von einem spanischen Boot waren sie im Anschluss auf eine italienische Fähre vor Palermo verlegt worden, wo sie vom Roten Kreuz versorgt und auf eine mögliche Corona-Infektion überprüft wurden. Ihre Verteilung auf mehrere Staaten Europas galt als noch nicht geklärt. Das Schiff “Alan Kurdi“ der Hilfsorganisation mit Sitz in Regensburg in Bayern durfte am Wochenende in Palermo einlaufen.

Unterdessen wartet ein Handelsschiff einer schleswig-holsteinischen Reederei im Mittelmeer auf Zuweisung eines EU-Hafens. Die "MV Marina" war am Wochenende auf dem Weg von Tunesien nach Malta, als es von den maltesischen Behörden den Auftrag bekam, sich an einer Rettungsaktion zu beteiligen. Das Schiff nahm Medienberichten zufolge mindestens 77 Bootsmigranten auf.

as/sti (dpa, kna)

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