Reaktionen nach Angriffen auf Raffinerien | Aktuell Nahost | DW | 14.09.2019
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Saudi-Arabien

Reaktionen nach Angriffen auf Raffinerien

Weltweit wächst nach den Drohnenangriffen jemenitischer Huthi-Rebellen auf die weltgrößte Ölraffinerie in Saudi-Arabien die Sorge vor den wirtschaftlichen und politischen Folgen. Die USA beziehen schon mal klar Stellung.

Saudi-Arabien Feuer in der Aramco-Ölaufbereitungsanlage in Abkaik (Reuters/Stringer)

Feuer in der Aramco-Ölaufbereitungsanlage in Abkaik, Saudi-Arabien

Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, äußerte sich "extrem besorgt" über die Entwicklungen nach dem jüngsten Drohnenangriff auf die saudischen Ölverarbeitungsanlagen. Solche Zwischenfälle stellten eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der regionalen Sicherheit dar und würden den von den Vereinten Nationen geleiteten politischen Prozess gefährden.

Vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen hatten am Samstag unter anderem den weltgrößten Betrieb zur Öl-Verarbeitung im saudi-arabischen Abkaik beschossen. Auf Fernsehbildern waren in Flammen stehende Anlagen und weithin sichtbare Rauchsäulen zu sehen. Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken zeigten, wie an mehreren Stellen einer Raffinerie hohe Flammen aus den Gebäuden schlugen. Satellitenbilder zeigten Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit ausbreiteten.

Gefahr für die weltweite Ölversorgung

Durch die Anschläge ist nach Ansicht von Experten die Förderung von fünf Millionen Barrel Rohöl pro Tag betroffen. Diese Zahl bestätigte der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman. In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur verbreiteten Mitteilung kündigte er an, dass die Produktion auf den Anlagen Abkaik und Churais vorübergehend eingestellt worden sei, was zu einem Ausfall von circa 5,7 Millionen Barrel Rohöl geführt habe. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Produktion des weltgrößten Ölexporteurs - und fünf Prozent der weltweiten täglichen Nachfrage.

Jemen Yahya Sarea in Sanaa (Reuters)

Huthi-Militärsprecher Jahia Saria

Sollte die Unterbrechung für mehr als einen oder zwei Tage anhalten, sei es "sehr wahrscheinlich", dass der Ölpreis steige, sagte Josh Young vom Energie-Investment-Unternehmen Bison Interests: "Wenn es darüber hinaus geht, sind Ölpreise von mehr als 80 Dollar in der nächsten Zeit nicht unrealistisch." Am Freitag hatte US-Leichtöl 55 Dollar ro Barrel gekostet, Brent-Öl aus der Nordsee rund 60 Dollar pro Barrel.

USA beschuldigen den Iran

US-Außenminister Mike Pompeo machte den Iran direkt verantwortlich und erklärte, die Führung in Teheran habe trotz aller Aufrufe zur Mäßigung einen Angriff auf die weltweite Ölversorgung gestartet. Alle anderen Länder müssten die Attacken ebenfalls verurteilen. US-Präsident Donald Trump habe nur Stunden nach den Angriffen mit dem saudischen Kronprinzen telefoniert und dem Land Hilfe für die Selbstverteidigung angeboten.

Darüber hinaus sind die USA sind zur Freigabe von Ölreserven bereit, sollte es nach den Drohnenangriffen zu Engpässen kommen. Energieminister Rick Perry habe zudem Führungskräfte seines Ministeriums angewiesen, zusammen mit der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur IEA mögliche gemeinsame weltweite Maßnahmen auszuloten, sagte Ministeriumssprecherin Shaylyn Hynes. Die IEA hatte zuvor erklärte, mit Saudi-Arabien in Kontakt zu stehen. Die weltweiten Öl-Märkte seien derzeit gut versorgt, es gebe ausreichend Lagerbestände.

"Die nächste Operation wird schmerzhafter"

Zu den Angriffen auf die beiden Raffinerien des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Abkaik und Churais hatten sich die Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen bekannt. Die Offensive mit zehn Drohnen sei eine "legitime Antwort" auf die anhaltende Militärkampagne Saudi-Arabiens im Jemen. "Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird", sagte Militärsprecher Jahia Saria.

Saudi-Arabien führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Huthis kämpft. Diese werden wiederum vom Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle. In den vergangenen Monaten hatten die Huthis bereits mehrere Angriffe mit Drohnen auf Flughäfen und Ölpipelines in Saudi-Arabien durchgeführt.

mak/cgn (dpa, rtr)

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