Rashford wehrt sich gegen rassistische Beleidigungen | Sport | DW | 12.07.2021
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EURO 2020

Rashford wehrt sich gegen rassistische Beleidigungen

Nach den verschossenen Elfmetern im EM-Finale hat es rassistische Beleidigungen gegen die drei englischen Fehlschützen gegeben. Der organisierte Fußball, die Politik und die Gesellschaft verurteilten das aufs Schärfste.

Der englische Fußball-Nationalspieler Marcus Rashford hat auf die rassistischen Beleidigungen reagiert, die er und weitere Spieler seit dem verlorenen EM-Finale erdulden müssen. "Ich kann mir Kritik an meiner Leistung den ganzen Tag lang anhören, mein Elfmeter war nicht gut genug, er hätte reingehen sollen", schrieb Rashford in sozialen Netzwerken. "Aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und wo ich herkomme."

Rashford gab an, wegen seines Fehlschusses fühle er sich, als habe er seine Teamkollegen im Stich gelassen und frage sich seitdem immer wieder, warum er nicht getroffen habe.

Neben Rashford hatten auch Jadon Sancho, der  von Borussia Dortmund zu Manchester United wechselt, und Bukayo Saka vom FC Arsenal im Elfmeterschießen vergeben und so Italiens EM-Titel besiegelt. Alle drei erhielten viele aufmunternde Worte, aber eben auch rassistische Beleidigungen.

Johnson und Prinz William empört  

"Dieses England-Team verdient es, als Helden verehrt und nicht rassistisch beschimpft zu werden", twitterte Premierminister Boris Johnson. "Die Verantwortlichen für diese entsetzlichen Beschimpfungen sollten sich schämen."

Prinz William, der das Finale im Stadion verfolgt hatte, bezeichnete die Vorkommnisse als "abscheuliches Verhalten". "Es muss jetzt aufhören, und alle Beteiligten sollten zur Rechenschaft gezogen werden." Die Metropolitan Police hat Ermittlungen aufgenommen und angekündigt, die Beleidigungen würden "nicht toleriert" werden.

Sportwelt zeigt sich erschüttert

Der britische Sportminister Oliver Dowden twitterte, er teile die Wut auf die "erschreckenden rassistischen Beschimpfungen auf die heldenhaften Spieler". Er kündigte an, die Social-Media-Netzwerke in die Pflicht nehmen zu wollen, solche Äußerungen nicht zu verbreiten. Facebook will Untersuchungen auf seiner Plattform Instagram einleiten. Manche der Kommentare kamen offenbar auch von ausländischen Trollen und Bots.

Auch der englische Fußballverband reagierte erschüttert und kündigte die "schärfst möglichen Strafen" an.

Die UEFA verurteilte die "widerlichen rassistischen Beschimpfungen, die nach dem EM-Finale in den sozialen Medien gegen mehrere englische Spieler gerichtet wurden und die weder im Fußball noch in der Gesellschaft einen Platz haben." Die UEFA stehe "an der Seite der Spieler" und unterstütze die Forderung des englischen Verbandes. 

Die hoch talentierten Spieler Rashford und Sancho hatten zuvor während des Turniers kaum eine Rolle unter Trainer Gareth Southgate gespielt und waren im Finale erst Sekunden vor Ende der Verlängerung eingewechselt worden. Die größte Verantwortung sollte dann bei dem letzten englischen Elfmeter Saka übernehmen - also der mit 19 Jahren jüngste englische Spieler auf dem Platz.

Rassismus bis zum Schluss Thema bei EM

Dabei waren es allen voran die englischen Spieler gewesen, die mit ihrer Kniefall-Geste vor dem Anpfiff ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung gesetzt hatten. Im Finale hatten sich auch die Italiener dieser Geste angeschlossen. 

Fußball EURO 20202 | England vs Tschechien | Knien

Die englischen Spieler demonstrieren während der EM ihre Unterstützung für die Black-Lives-Matter-Bewegung

Der konservative Politiker Johnson und seine Innenministerin Priti Patel hatten jedoch zuvor durchaus immer wieder Verständnis für Menschen gezeigt, die ihren Unmut über das Knien der Spieler gegen Rassismus sowie die Bewegung "Black Lives Matter" äußerten.

Ex-Profi Gary Neville machte Johnson daher persönlich für die rassistischen Beleidigungen verantwortlich: "Der Premierminister hat gesagt, es sei in Ordnung für die Bevölkerung des Landes, Spieler auszubuhen, die versuchen, Gleichberechtigung zu fördern und Rassismus zu verteidigen", sagte der TV-Kommentator dem Sender Sky News. "Es fängt ganz oben an."

ehl/og/ck (sid, dpa)