Raffael: Sand im Getriebe | Fußball | DW | 09.12.2017
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Bundesliga

Raffael: Sand im Getriebe

Der Brasilianer Raffael ist eigentlich Herz und Motor des Gladbacher Offensivspiels. Doch der 32-Jährige sucht gegen Schalke 04 vergeblich nach den Zwischenräumen - wieder einmal.

So still und unauffällig er auf dem Fußballfeld agierte, so klammheimlich verschwand er nach Abpfiff auch in der Umkleidekabine. Es gab schon Fußballspiele, in denen Raffael seine besonderen Fußballkünste für seine Mannschaft eindrucksvoller unter Beweis stellen konnte als beim 1:1 (1:0) seiner Gladbacher Borussia gegen den FC Schalke 04. Der 32-Jährige hatte zwar viel versucht gegen den Revierklub. Er war - wie eigentlich immer - auf der ständigen Suche nach den Zwischenräumen in der Schalker Abwehr. In diesen Bereichen, in denen er seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten voll ausspielen kann. Dort, wo er den Ball annehmen, sich drehen und seine millimetergenauen Pässe in die Spitze spielen kann. Am liebsten zu Lars Stindl, seinem kongenialen Partner. Das Duo Raffael/Stindl zeichnet sich durch seine Beweglichkeit und durch das für den Gegner kaum zu dechiffrierende Kurzpassspiel aus. Dadurch verschaffen sich die Borussen häufig die Freiräume, die sie benötigen, um Tore zu erzielen. Gegen die Schalker war aber häufig Sand im Getriebe des Gladbacher Motors.

Raffael weit entfernt von einem Treffer

Raffael ist zumeist die entscheidende Anspielstation der Gladbacher. Gegen die Schalker hatte der Brasilianer allerdings lediglich 49 Ballkontakte, für ihn ein niedriger Wert (Stindl 63). Die Wahrnehmung der gegnerischen Teams ist oft jene, die Schalke-Coach Domenico Tedesco nach dem Abpfiff schilderte. "Die Qualität der Gladbacher in der Offensive ist sehr gut. Die spielen One-Touch-Fußball und gefühlt hat man schon immer ein Gegentor kassiert", sagte der 32-Jährige. Doch an diesem Tag war die Furcht vor den Gladbacher Offensivkräften zumeist unbegründet.

Schalkes Meyer behauptet den Ball gegen Raffael. Foto: Getty Images

Gegen die Schalker, wie hier Max Meyer (l.), war Raffael häufig nur zweiter Sieger

"Wir hatten ein paar sehr gute Angriffe, haben die aber wie häufig nicht bis zu Ende gespielt", erkannte Gladbachs Trainer Dieter Hecking. Ein Problem, dass sich durch die gesamte Saison zieht. Gemeint hatte er damit auch Raffael, der zwar vier Treffer in 13 Einsätzen erzielt hat - jeweils einen Doppelpack gegen den VfB Stuttgart und Hertha BSC. Aber nicht nur an diesem Samstagabend war er weit entfernt von einem weiteren Erfolgserlebnis. Es fehlte seinen Pässen an Timing und Genauigkeit. Eigentlich die Stärke des Brasilianers. 

Das ist kein Umstand, der sich erst in dieser Partie gezeigt hat. Raffael fehlt es seit Saisonbeginn zu häufig an der Durchsetzungskraft, die ihn in den vergangenen Jahren so außergewöhnlich erscheinen ließ. Eine direkte Torvorlage hat er in der aktuellen Bundesliga-Spielzeit noch nicht zu Buche stehen.

Viel Einsatz, wenig Ertrag

Dieser Eindruck spiegelte sich auch gegen die Schalker wider. Lediglich ein Torschuss und drei Torschussvorlagen sind keine gute Quote für einen Angreifer, an dessen Leistung sich oft die gesamte Gladbacher Mannschaft orientiert. Es war nicht so, dass Raffael nicht genug Einsatz gezeigt hätte. 10,8 Kilometer spulte er ab, zog 20 Sprints an. Und das, obwohl er häufig seinen Mitspielern die Defensivarbeit überlässt und als einsame Spitze darauf wartet, als so genannter "Wandspieler" (einer, der einen Pass so weiterleitet, als ob der Ball von einer Wand zurückprallen würde) die Konter der Gladbacher einzuleiten. Doch gegen Schalkes Innenverteidiger Naldo und auch Matija Nastasic hatte Raffael einen sehr schweren Stand und konnte sich selten in Szene setzen.

Lediglich 36 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind kaum genug, um die Geschicke eines gesamten Teams zu beeinflussen. "Wir haben gut gegen diese Offensive verteidigt, wir können mit einem guten Gefühl nach Gelsenkirchen fahren", freute sich Gästetrainer Tedesco. Die Schalker hatten der Borussia durch die enge und nachhaltige Bewachung Raffaels den Zahn gezogen. Die Gladbacher können nur darauf hoffen, dass Raffael schnell zu alter Stärke zurückfindet - und die gegnerischen Teams wieder aus gutem Grund Angst vor der Offensive der "Fohlen" haben müssen. 

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