Rackete: Flüchtlinge ″sofort raus″ aus Libyen | Aktuell Europa | DW | 15.07.2019
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Migration

Rackete: Flüchtlinge "sofort raus" aus Libyen

Für manche ist Carola Rackete eine Heldin, für andere eine Gesetzesbrecherin. Mit ihrer jüngsten Forderung dürfte die Kapitänin des Seenot-Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" weiter polarisieren.

Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme von Migranten aufgefordert, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. "Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land!", sagte die "Sea Watch 3"-Kapitänin der "Bild"-Zeitung (Montag). Ihnen müsse sofort bei einer sicheren Überfahrt nach Europa geholfen werden.

"Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich in diese Richtung geäußert, betonte die 31-Jährige. Aber die Kanzlerin sage nicht, "wie das passieren soll, das ist das Problem".

"Historische Verantwortung"

Europa stehe in einem besonderen Verhältnis zu Afrika, so Rackete weiter. "Deutschland und andere europäische Staaten haben eine historische Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit. Die heutigen Machtverhältnisse sind durch Europa bestimmt worden. Europa beutet Afrika aus - und hier entsteht die Spirale, die zur Flucht führt."

Libyen Europa Migration Zustände in Flüchtlingslagern (Getty Images/AFP/T. Jawashi)

Flüchtlingslager in Libyen: Es mangelt laut UN an Toiletten, Duschen, Essen und Trinken

Der von den Industrienationen angeheizte Klimawandel werde den Migrationsdruck auf ärmere Staaten weiter erhöhen, meinte Rackete. "In der Debatte soll immer unterschieden werden zwischen Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten, aber wir kommen jetzt zu einem Punkt, wo es 'forced migration' gibt, also eine durch äußere Umstände wie Klima gezwungene Migration. Und da haben wir dann keine Wahl mehr und können nicht einfach sagen, dass wir die Menschen nicht wollen."

Rackete düpierte Salvini

Ende Juni hatte Rackete das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit mehreren Dutzend Migranten an Bord in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gesteuert - gegen das ausdrückliche Verbot von Innenminister Matteo Salvini. Die Kapitänin wurde festgenommen und vorübergehend unter Hausarrest gestellt. Gegen Rackete wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

wa/nob (dpa, kna)

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