Rätseln über russische Militärs in Venezuela | Europa | DW | 25.03.2019
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Staatskrise

Rätseln über russische Militärs in Venezuela

Russland schickt militärische Transportflugzeuge samt Soldaten und LKWs nach Venezuela. Bereitet Moskau ein militärisches Eingreifen auf der Seite Nicolás Maduros vor?

Flugzeug mit russischer Flagge am Heck auf dem Simon Bolivar International Airport in Caracas

Flugzeug mit russischer Flagge am Heck auf dem Simon Bolivar International Airport in Caracas

Nicht wenige dachten wohl, Moskau bereite eine militärische Einmischung in den Machtkampf in Venezuela vor, als am Samstag zwei russische Militärtransporter auf dem Flughafen in Caracas landeten. Medienberichten zufolge brachten die Maschinen rund 100 uniformierte Soldaten und 35 Tonnen Güter nach Venezuela, darunter schwere LKWs. Auch Generaloberst Wassilij Tonkoschkurow, Stabschef der russischen Landtruppen, soll dabei sein.

Beide Flugzeuge sollen auf dem Weg nach Caracas in Syrien zwischengelandet sein, wo sich Russland seit 2015 militärisch auf der Seite des Machthabers Baschar al-Assad engagiert. Will der Kreml mit seinen Streitkräften nun tatsächlich auch dem angeschlagenen Machthaber Nicolás Maduro unter die Arme greifen?

Das bisherige Ausmaß der Aktion im lateinamerikanischen Land spricht gegen einen Vergleich mit dem russischen Einsatz in Syrien, geschweige denn mit dem sowjetischen in Afghanistan. Über die wahren Hintergründe könne man nur spekulieren, sagte der russische Militärexperte Alexander Golts der DW: "Vielleicht bereiten die russischen Truppen eine Evakuierung Maduros vor, viellicht wollen sie Gold ausfliegen, oder sie schicken Verstärkung, um Maduro zu verteidigen." Ausschließen, so Golts, könne man nichts.

Russland liefert Venezuela Waffen von Milliardenwert

Die zuständigen Behörden in Moskau halten sich derzeit bedeckt. Auch in russischen Medien ist die Ankunft zweier Transportflugzeuge in Venezuela ein Randthema. Die Militärs seien für Beratungen im Zusammenhang mit früheren Waffenlieferverträgen nach Venezuela gereist, hieß es am Montag in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur RIA-Novosti mit Verweis auf einen russischen Diplomaten in Caracas. Es sei "nichts Geheimnisvolles" dabei.

Venezuela Airport Maiquetia russische Präsenz (Getty Images/AFP/F. Parra)

Venezuelas Außenminister Vladimir Padrino (2.v.l.) empfängt im Dezember 2018 russische Militärs zu einer Übung

Russland liefert seit Jahren Waffen im geschätzten Wert von mehr als zehn Milliarden US-Dollar nach Venezuela, darunter Kampfflugzeuge, Helikopter, Flugabwehrsysteme und Panzer. Bald soll es eine Fabrik für Maschinengewehre vom Typ "Kalaschnikow" sowie eine Patronenfabrik geben. Diese Waffenlieferungen zusammen mit Investitionen in die venezolanische Ölindustrie sind die zwei Hauptinteressen Russlandsdem krisengeschüttelten Land in Südamerika.

Warum sich Moskau militärisch zurückhält

In den vergangenen Monaten hat der Kreml Berichte über mögliche militärische Präsenz Russlands in Venezuela als Gerüchte zurückgewiesen. Spekuliert wurde unter anderem über russische Söldner der sogenannten "Wagner-Truppe" mit Kampferfahrung in der Ostukraine und Syrien. Ende Januar hatten der venezolanische Staatschef Maduro und Russlands Präsident Wladimir Putin miteinander telefoniert. Doch in dem Telefonat habe Maduro nicht um militärische Hilfe gebeten, sagte der Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow damals.

Bisher zeigte Russland seine Bereitschaft, Venezuela militärisch zu helfen, eher symbolisch. So ließ Moskau im Dezember 2018 zwei Langstrecken-Atombomber vom Typ Tupolew-160 nach Caracas fliegen und an einer gemeinsamen Übung mit der venezolanischen Luftwaffe teilnehmen. Kleines Detail: Damals wurden die Bomber von den gleichen Maschinen begleitet, die jetzt in Caracas gelandet sind, einer Illjuschin-62 und einer Antonov-124. Das war jedoch, bevor sich die Krise zuspitzte, nachdem sich Oppositionspolitiker Juan Guaidó zum Interimspräsidenten erklärt hatte und von vielen westlichen Ländern anerkannt worden war. 

In russischen Medien werden zwei mögliche Gründe genannt, warum sich Moskau bisher militärisch zurückgehalten hat in Venezuela. Zum einen sei die Regierungsarmee dort deutlich stärker als etwa in Syrien vor dem russischen Einsatz. Zum anderen sei die Entfernung deutlich größer und die logistische Unterstützung der Truppen schwieriger. In sozialen Netzwerken wird darüber spekuliert, dass Russland vor allem die USA vor einer militärischen Intervention in Venezuela abschrecken möchte.

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