Putin-Freund Wladimir Jakunin bekommt Arbeitsvisum für Deutschland | Aktuell Europa | DW | 23.08.2018
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Europa

Putin-Freund Wladimir Jakunin bekommt Arbeitsvisum für Deutschland

Wladimir Jakunin steht auf einer US-Sanktionsliste. Der ehemalige Eisenbahnmanager gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten. Nun bekommt er wohl eine uneingeschränkte Aufenthaltserlaubnis für Deutschland.

Am Anfang stand der Facebook-Eintrag eines Moskauer Lokalpolitikers: Dmitri Klochkow hatte am Montag auf seiner Seite ein Foto von Wladimir Jakunin veröffentlicht. Es zeigte ihn beim Verlassen der Visaabteilung der deutschen Botschaft in Moskau. Das Bild wurde in Russland vielfach geteilt. Klochkow schrieb dazu: "Ein Freund hat mir das Foto direkt aus der Botschaft geschickt." Dieser habe gehört, wie Jakunin eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland bekommen habe. "Wir gewähren Ihnen ein Visum für sechs Monate, weil es der Ausländerbehörde in Berlin an Kapazitäten fehlt', gibt Klochkow den Freund wieder. Deutsche Visa gelten in der Regel nur für drei Monate.

Visum für sechs Monate

Informierte Kreise bestätigten nun der DW, dass Jakunin ein solches Visum erhalten habe. Dieses erlaube ihm auch, eine europäische Blue Card zu beantragen. Die Blue Card ermöglicht eine uneingeschränkte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis im EU-Raum. 

Vladimir Yakunin Chef der russischen Eisenbahn (picture-alliance/dpa)

Wladimir Yakunin war bis zu seinem Ruhestand Chef der russischen Eisenbahn - hier ein Foto aus dem Jahr 2013

Der Oppositionspolitiker und Kreml-Kritiker Dmitrij Gudkow teilte Klochkows Post auf seiner eigenen Facebook-Seite mit dem ironischen Kommentar: "Es scheint, als würden wir ihn [Jakunin] verlieren."

Wer ist Wladimir Jakunin?

Der 70-jährige Jakunin gilt als einer von Putins engsten Vertrauten. Beide haben während der Sowjetzeit für den KGB gearbeitet. Sie freundeten sich in den 1990er-Jahren an, als Putin im Sankt Petersburger Rathaus arbeitete. Jakunin und Putin zählen beide zudem zu den Gründern der sogenannten Datschenkooperative "Osero". Der elitäre Bund hatte sich an einem See nördlich von Sankt Petersburg formiert. Viele der Mitbegründer der Kooperative haben erfolgreiche Karrieren in Wirtschaft und Regierung eingeschlagen. Unter ihnen sind auch der Bankier Juri Kowaltschuk und der frühere Bildungsminister Andrej Fursenko.

Jakunin war zehn Jahre lang Chef der russischen Bahn, bevor er 2015 in Rente ging. Der prominente Oppositionsführer Alexei Nawalny beschäftigte sich in einer Korruptionsuntersuchung mit dem Bahn-Chef. 2013 veröffentlichte Nawalny Fotos von Jakunins 2000-Quadratmeter-Anwesen bei Moskau. Das Grundstück verfügte demnach unter anderem über einen eigenen Lagerraum für Pelzmäntel.

Jakunin bestritt damals zwar die Existenz des Raums, erntete aber dennoch starke Kritik in den Sozialen Medien. 2014 gab er an, das Haus verkauft zu haben.

Jakunins vermeintlich enge Verbindungen zu Putin sorgten dafür, dass Australien und die USA ihn 2014 auf ihre Sanktionslisten nahmen - eine Reaktion auf die russische Annektierung der Krim. Von entsprechenden Sanktionen der EU ist Jakunin allerdings nicht betroffen.

Jakunins Berliner Denkfarik

Jakunin ist loyaler Unterstützer der orthodoxen Kirche und bekannt für seine harsche Kritik am Westen. Auch hat er sich mehrfach öffentlich homophob geäußert.

Wladimir Putin und Wladimir Jakunin (Imago/Itar-Tass)

Jakunin (rechts) gilt als enger Vertrauter von Wladimir Putin - hier bei der Eröffnung eines neuen Bahnhofs

2016 gründete Jakunin in Berlin die Denkfabrik "Dialog der Zivilisationen", die sich mit internationalen Beziehungen und Konfliktbewältigung beschäftigt. Die Organisation versuchte auch, prominente deutsche Fachleute für sich zu gewinnen. Einige der Experten, an die das Institut herangetreten ist, wie der Russlandspezialist Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), sagten der Deutschen Welle, sie hätten das Angebot ausgeschlagen, nachdem sie erfahren hätten, dass Jakunin hinter dem Institut steckt.

Grigory Lewtschenko, ein Sprecher seiner Denkfabrik, betonte, es gäbe "keine Verschwörungstheorie" in Bezug auf Jakunins deutsches Visum. Es sei "ein gewöhnlicher Arbeitsvorgang, ein Visum zu erhalten, dass es erlaubt, in dem Land zu arbeiten, in dem sich der Hauptsitz der eigenen Organisation befindet", schriebt er auf Facebook. Deutschland sei da "keine Ausnahme".

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