Putin: ″Britische Vorwürfe sind Blödsinn″ | Aktuell Europa | DW | 18.03.2018
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Der Giftanschlag von Salisbury

Putin: "Britische Vorwürfe sind Blödsinn"

Als die britisch-russische Diplomatie im Zuge des Giftanschlags von Salisbury rasend schnell in eine neue Eiszeit stürzte, blieb der starke Mann im Kreml auffallend still. Bis zu seiner fulminanten Wiederwahl.

Russlands wiedergewählter Präsident Wladimir Putin hat die britischen Vorwürfe im Fall Skripal als "Unsinn" und "Blödsinn" zurückgewiesen. Es sei "Quatsch" zu denken, dass sich irgendjemand in Russland vor der Wahl und vor der Fußball-Weltmeisterschaft einen Nervengift-Anschlag in Großbritannien erlaubt hätte. Es ist das erste Mal, dass Putin zu dem Fall Stellung bezog.

Russland besitze das militärische Nervengift nicht, das nach britischen Angaben bei dem Anschlag verwendet worden sei. "Wir haben alle unsere chemischen Waffen unter Kontrolle internationaler Beobachter vernichtet", sagte Putin. Außerdem hätte es mehr Opfer gegeben, wenn dieses Gift verwendet worden wäre. Er sei bereit, mit den britischen Behörden bei den Ermittlungen zu dem Anschlag zusammenzuarbeiten, kündigte der Präsident am Wahlabend an. Die britische Regierung geht davon aus, dass bei dem Mordanschlag ein chemischer Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag wird als unabhängige Instanz das Gift ab diesen Montag untersuchen.

"Wenn Russland beschuldigt wird, schließt sich das Volk zusammen"

Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden, sie schweben weiterhin in Lebensgefahr. Großbritannien wie auch Deutschland, Frankreich und die USA machen Russland für die Tat verantwortlich. Der Fall hat eine schwere Krise in den Beziehungen zwischen London und Moskau ausgelöst. Nachdem Großbritannien die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet hatte, reagierte Russland mit einem entsprechenden Schritt.

Der Streit mit Großbritannien hat nach Einschätzung eines Wahlkampf-Mitarbeiters von Putin die Beteiligung an der russischen Präsidentenwahl hochgetrieben. "Zum wiederholten Mal hat man uns genau dann unter Druck gesetzt, als wir mobilisieren mussten", sagte der Sprecher des Wahlkampf-Stabes, Andrej Kondraschow, am Sonntagabend in Moskau. Er schloss einen ironischen Dank an die britische Regierung an, die Russland des Giftanschlags auf den Ex-Agenten Sergej Skripal bezichtigt hat. London kenne wohl die russische Mentalität. "Immer wenn Russland laut und ohne Beweise beschuldigt wird: Was macht das russische Volk? Es schließt sich um das Zentrum der Macht zusammen", sagte Kondraschow der Agentur Interfax zufolge. Der Streit habe die Wahlbeteiligung um acht bis zehn Prozentpunkte hochgetrieben. Putin hat die Wahl mit rund 75 Prozent der Stimmen gewonnen.

rb/ust (afp, ap, dpa, rtr)

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