Experten sollen Gift im Fall Skripal untersuchen | Aktuell Welt | DW | 18.03.2018
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Giftanschlag in Salisbury

Experten sollen Gift im Fall Skripal untersuchen

Der Nervengift-Anschlag auf den ehemaligen Doppelangenten Skripal und seine Tochter wirft Rätsel auf. Russland und Großbritannien beschuldigen sich gegenseitig. Jetzt soll eine unabhängige Instanz das Gift untersuchen.

OPCW Hauptsitz in Den Haag (picture-alliance/dpa)

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen hat ihren Sitz in Den Haag

Proben des bei dem Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verwendeten Gifts werden von unabhängigen Experten untersucht. Vertreter der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag werden bereits an diesem Montag in Großbritannien erwartet, wie das Außenministerium in London mitteilte. Die OPCW lasse die Proben in internationalen Labors untersuchen. Dies werde mindestens zwei Wochen dauern.

Großbritannien beschuldigt Putin persönlich

Sergej Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) befinden sich auch zwei Wochen nach dem Attentat in einem kritischen Zustand. Sie waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury aufgefunden worden. Die beiden wurden nach britischen Angaben mit der Substanz Nowitschok vergiftet, die in der früheren Sowjetunion hergestellt wurde. Daher beschuldigt Großbritannien den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Drahtzieher. Der Streit entwickelte sich zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen beiden Ländern.

Münchner Sicherheitskonferenz (REuters/M. Dalder)

Außenminister Boris Johnson erhebt bei der BBC schwere Vorwürfe gegen Russland

Johnson: Russland hortet heimlich Nervengift-Vorräte

Russland hat nach den Worten des britischen Außenministers Boris Johnson heimlich Vorräte des Nervengifts aufgebaut, das beim Anschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal eingesetzt worden sein soll. In den vergangenen zehn Jahren habe Russland zudem untersucht, wie das Gift Nowitschok bei Attentaten eingesetzt werden könne, sagte Johnson der BBC. Es gebe Beweise, dass Moskau das Nervengift Nowitschok hergestellt und gelagert habe. "Das ist ein Bruch der Chemiewaffenkonvention." Johnson kündigte zudem an, am Montag die EU-Außenminister über den Fall zu informieren und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu treffen.

Der russische EU-Botschafter, Wladimir Tschischow, sagte der BBC dagegen, das Gift könne aus einem britischen Forschungslabor stammen. Russlands Vertreter bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Alexander Schulgin, behauptete, dass auch der Westen Zugriff auf das Gift gehabt haben könnte. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit" könne angenommen werden, dass der in Salisbury verwendete Stoff aus einem westlichen Labor stamme. Er nannte ausdrücklich Großbritannien und die USA. Westliche Geheimdienste hätten in den 1990er Jahren russische Chemiker, die Wissen über Arbeiten aus der Sowjetunion hatten, angeworben und mit diesen Informationen aktiv gearbeitet. 

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, zählte im Nachrichtensender Rossija 24 neben Großbritannien und den USA auch Tschechien, die Slowakei und Schweden als mögliche Herkunftsländer des Nervengiftes auf. Die Regierungen in Prag und Bratislava wiesen dies umgehend und vehement zurück. 

Das Nervengift Nowitschok führt meist binnen weniger Stunden zum Erstickungstod. Das Gift, das in etwa 100 Varianten vorkommen soll, ist nur schwer nachzuweisen. Die Überlebenschancen sind gering.

as/haz (dpa, afpe, rtr, ape)

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