Pussy Riot-Sängerin beendet Hungerstreik | Aktuell Europa | DW | 01.10.2013
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Aktuell Europa

Pussy Riot-Sängerin beendet Hungerstreik

Nadeschda Tolokonnikowa von der kremlkritischen Band Pussy Riot hat ihren Hungerstreik nach gut einer Woche beendet. Die Musikerin wollte mit ihrer Aktion auf die "schrecklichen Haftbedingungen" aufmerksam machen.

Die Gefangene habe "am Dienstag um 11.00 Uhr zu essen begonnen", teilte die russische Strafvollzugsbehörde mit. "Tolokonnikowas Gesundheitszustand ist derzeit stabil".

Die Angaben wurden vom Abgeordneten Ilja Ponomarew und dem Menschenrechtsbeauftragten des Kreml, Wladimir Lukin, bestätigt, die mit Tolokonnikowa in Kontakt standen. Lukin sagte der Agentur Interfax, die 23-Jährige werde nach ihrer Beschwerde über die Haftbedingungen in ein anderes Straflager verlegt.

Die zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilte Musikerin und Aktivistin der Punk-Band Pussy Riot war am 23. September in den Hungerstreik getreten, nachdem sie in einem offenen Brief verheerende Bedingungen in der Haft kritisiert hatte. Die Künstlerin hatte geklagt, die Insassen müssten täglich bis zu 17 Stunden arbeiten und bekämen kaum Schlaf. Ihr Protest richtete sich zudem gegen angebliche Morddrohungen der Gefängnisleitung.

Seit Sonntag wird Tolokonnikowa in einem Krankenhaus der Stadt Baraschewo in der Republik Mordowien behandelt. Die Klinik gehört zum russischen Strafvollzugssystem, befindet sich aber außerhalb der Strafkolonie, in der Tolokonnikowa ihre Haft verbüßt.

Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin

Wegen "Rowdytums" und "Anstachelung zu religiösem Hass" war Tolokonnikowa zusammen mit ihrer Bandkollegin Maria Alechina im August 2012 zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Die dritte Sängerin der Band, Jekaterina Samuzewitsch, wurde später auf Bewährung freigelassen. Die Punkband hatte im Februar 2012 in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche Moskaus ein sogenanntes "musikalisches Punk-Gebet" mit dem Titel "Lieber Gott, erlöse uns von Putin" abgehalten. Das Gerichtsverfahren und das Urteil hatten international für Proteste gesorgt.

qu/kle (dpa, afp, kna)