″Die Situation ist beschissen″ | Aktuell Deutschland | DW | 12.07.2020
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Prostitution

"Die Situation ist beschissen"

In ganz Deutschland sind die Bordelle mittlerweile seit fast vier Monaten geschlossen - Corona-bedingt. Prostituierte und Bordell-BetreiberInnen haben dafür kein Verständnis mehr.

Es muss endlich wieder Leben in die Bordelle kommen - mit dieser Forderung sind am Samstagabend mehrere Hundert Prostituierte und Bordell-BetreiberInnen aus ganz Deutschland auf der Reeperbahn in Hamburg auf die Straße gegangen. "Wir sind Hygieneprofis" und "Sexarbeit darf nicht durch Corona in die Illegalität abrutschen", war auf ihren Plakaten zu lesen.

"Dass sich die jungen Leute in dieser Sache politisch engagieren, ist toll und es zeigt die Brisanz der Lage", sagte Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen. Die Sexarbeiterinnen und -arbeiter, von denen viele in existenzielle Not geraten sind, hätten sehr lange viel Verständnis für die Corona-Beschränkungen aufgebracht, doch so langsam schwinde die Geduld. Das habe auch damit zu tun, dass in Nachbarländern erotische und sexuelle Dienste bereits wieder gestattet seien.

Sex mit Maske

"In der Schweiz ist Prostitution seit vier Wochen wieder erlaubt und es hat seitdem keine Corona-Fälle im Zusammenhang mit Bordell-Besuchen dort gegeben", betonte Weber. In den Niederlanden sind Bordelle seit Anfang Juli wieder geöffnet. Auch Österreich gestattet Sexarbeit inzwischen wieder - allerdings mit Maskenpflicht.

"Die Situation ist beschissen", schilderte eine Frau, die nach eigenen Angaben seit zwei Jahren in der Hamburger Herbertstraße als Prostituierte arbeitet. Ihren Namen wollte sie nicht nennen.

Dass es in Deutschland keine Lockerungen gebe, ist für den Berufsverband und die BordellbetreiberInnen "unverständlich". Denn andere Branchen mit körpernahen Dienstleistungen wie Massagesalons, Tantra-Institute, Tattooläden oder Saunen dürften wieder öffnen. Auch für die Sexarbeit seien in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern bereits Hygienekonzepte erarbeitet worden, heißt es.

In Deutschland gibt es aktuell rund 33.000 behördlich registrierte Prostituierte, insgesamt sollen es bis zu 400.000 sein. Viele von ihnen stammen aus Osteuropa.

wa/ack (dpa, afp)

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