Professor gegen Medienmogul bei Präsidenten-Stichwahl in Tunesien | Aktuell Afrika | DW | 17.09.2019
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Nordafrika

Professor gegen Medienmogul bei Präsidenten-Stichwahl in Tunesien

Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Tunesien geht an den Dozenten Kais Saied. In der Stichwahl tritt der 61-jährige unabhängige Kandidat nun gegen den Medienmogul Nabil Karoui an. Der sitzt allerdings in Haft.

Tunesien Präsidentschaftswahlen Kais Saied (picture-alliance/AA/N. Talel)

Hat im ersten Wahlgang die meisten Stimmen verbucht: Kais Saied

Nabil Karoui war nur wenige Tage vor Wahlkampfbeginn wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft genommen worden. Seine Kandidatur bleibt jedoch gültig, solange kein letztinstanzliches Urteil gegen ihn gefällt wird.

Nachdem sich am Sonntag bereits abzeichnete, dass beide Kandidaten die meisten Stimmen auf sich vereinen werden, verkündete die Wahlbehörde nun die Stichwahl. So erhielt Saied mit 18,4 Prozent die meisten Stimmen. Karoui kam auf 15,6 Prozent.

Tunesien Tunis | Medienmogul Nabil Karoui (Getty Images/AFP/Hasna)

Zurzeit in Haft: Nabil Karoui

Sieg der Außenseiter

Damit hat Abdelfattah Mourou, Kandidat der muslimisch-konservativen Partei Ennahdha, mit 12,9 Prozent den Einzug in die Stichwahl verpasst, ebenso wie der amtierende Regierungschef Youssef Chahed der Partei Tahya Tounes ("Es lebe Tunesien") und der parteilose Verteidigungsminister Abdelkrim Zbidi. Allesamt waren sie mit Ambitionen ins Rennen gegangen und wurden nun von zwei Außenseitern abgehängt.

Tunesien Tunis | Tunesiens Premierminister kandidiert als Präsident - Youssef Chahed (picture-alliance/dpa/K. Nasraoui)

Gescheitert: Tunesiens derzeitiger Premierminister Youssef Chahed

Hochschullehrer Kais Saied hatte sich im Wahlkampf bewusst von allen Parteien distanziert und auf einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf gesetzt. Karoui wiederum hatte sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als Wohltäter aufgebaut, indem er vor den Kameras seines Senders Nessma TV Elektrogeräte oder Nahrungsmittel an Arme verteilte.

Schlechte Wirtschaftslage

Rund 7,2 Millionen registrierte Wähler waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag mit 45 Prozent weit unter dem Wert der vorangegangenen Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren. Damals gaben knapp 63 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimmen ab. Trotz umfassender demokratischer Reformen nach den arabischen Aufständen 2011 sind viele Tunesier unzufrieden und hadern vor allem mit der schlechten Wirtschaftslage. 

Das Datum des zweiten Wahlgangs hängt davon ab, ob Kandidaten gegen das vorläufige Ergebnis Einsprüche einheben. Die Stichwahl wird an einem Sonntag, frühestens am 29. September, spätestens am 13. Oktober stattfinden, erklärte die Wahlbehörde. Am 6. Oktober finden außerdem Parlamentswahlen statt.

cgn/sti (afp, dpa, epd)

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