Tunesier zeigen wenig Wahl-Interesse | Aktuell Afrika | DW | 16.09.2019
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Präsidentenwahl

Tunesier zeigen wenig Wahl-Interesse

Bei der Präsidentenwahl in Tunesien traten gut zwei Dutzend Kandidaten an. Zwei von ihnen sehen sich auf Basis von Prognosen vorne - und damit in der Stichwahl. Die Wahlbeteiligung blieb niedrig.

Der Jura-Professor Kais Saied und der Medienmogul Nabil Karoui sind nach eigenen Angaben in die Stichwahl um das Amt des Staatsoberhaupts von Tunesien eingezogen. Die Lager beider Kandidaten stützen sich auf zwei gleichlautende Prognosen, die nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend veröffentlicht wurden. Inzwischen sind knapp die Hälfte der Stimmen ausgezählt. Demnach kommt Saied auf knapp 19 Prozent, Karoui auf rund 15 Prozent, dicht gefolgt von Abdelfattah Mourou, dem Kandidaten der muslimisch-konservativen Ennahdha-Partei. Wann das offizielle Ergebnis verkündet werden soll, ist noch unklar. Die Stichwahl soll jedenfalls bis zum 23. Oktober stattfinden.

Er sei "der Erste im ersten Durchgang", betonte Saied, der als unabhängiger Kandidat angetreten war. Der 61-Jährige hatte sich im Wahlkampf bewusst von allen Parteien distanziert und setzte auf einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf.

Tunesien Präsidentschaftswahlen Kais Saied (picture-alliance/AA/N. Talel)

Unabhängig und mit Liebe zum Vaterland: Kais Saied

Vom Gefängnis in den Präsidentenpalast?

(Auch) "Nabil Karoui ist in der zweiten Runde", erklärte ein Vertreter seiner Partei. Der 56-Jährige galt im Vorfeld als einer der Favoriten. Er sitzt in Haft, durfte aber trotzdem bei der Wahl antreten.

Gegen Karoui, der nur wenige Tage vor Wahlkampfbeginn verhaftet worden war, wird wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung ermittelt. Die Vorwürfe sind allerdings bereits drei Jahre alt. Die Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union hatte Karouis Inhaftierung scharf kritisiert.

Tunesien Tunis | Medienmogul Nabil Karoui (Getty Images/AFP/Hasna)

Galt schon vor der Wahl als Favorit: Nabil Karoui

Es ist das zweite Mal, dass die Tunesier nach dem "Arabischen Frühling" von 2011 in freier Wahl ihren Präsidenten bestimmen können. Doch das Interesse der Bevölkerung hielt sich in Grenzen. Lediglich 45 Prozent der registrierten Wähler gaben ihre Stimme ab, wie die Unabhängige Wahlkommission ISIE in Tunis mitteilte. Bei der Wahl vor fünf Jahren waren es im ersten Durchgang noch 64 Prozent.

Die Präsidentschaftswahl war eigentlich für November geplant, musste aber wegen des Todes des 92 Jahre alten Präsidenten Beji Caid Essebsi vorgezogen werden. Am Wahltag starb auch die frühere First Lady Chadlia Farhat (83), wie die tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete.

wa/ust (afp, dpa)

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