Peking feuert Raketen ins Südchinesische Meer | Aktuell Asien | DW | 26.08.2020
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Konflikt um Seegebiet

Peking feuert Raketen ins Südchinesische Meer

Die Demonstration militärischer Stärke folgte auf einen Zwischenfall mit einem US-Flugzeug, den China als "schwere Provokation" wertete. Washington wiederum ahndet Pekings Aktivitäten in dem Seegebiet mit Strafmaßnahmen.

Das für einen Flughafen von den Chinesen aufgeschüttete Subi-Riff auf den Spratly-Inseln (Foto: picture-alliance/AP Photo/B. Marquez)

Das für einen Flughafen von den Chinesen aufgeschüttete Subi-Riff auf den Spratly-Inseln

Zwei Mittelstreckenraketen seien von den Provinzen Qinghai und Zhejiang abgefeuert worden und in einem Seegebiet gelandet, das von Montag bis Samstag für Manöver gesperrt worden sei, berichtete eine Quelle, die dem chinesischen Militär nahe steht, der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Es war von einer "Warnung an die USA" die Rede. Es habe sich um eine nuklear bestückbare Mittelstreckenrakete vom Typ DF-26B (Dongfeng, Ostwind) mit einer Reichweite von 4000 Kilometer und eine Anti-Schiffs-Rakete vom Typ DF-21D mit einer Reichweite von 1800 Kilometern gehandelt, berichtete die Quelle dem Blatt, das über gute Kontakte verfügt. Beide Raketen landeten nach diesen Angaben in einem Gebiet südöstlich der chinesischen Insel Hainan sowie der Paracel-Inseln.

Präsentation von DF-26-Raketen bei einer Militärparade 2015 in Peking (Foto: picture-alliance/dpa/A. Wong)

Präsentation von DF-26-Raketen bei einer Militärparade 2015 in Peking

China erhebt Territorialansprüche auf weite Teile des Südchinesischen Meeres, durch das wichtige Schifffahrtsstraßen verlaufen und in dem viele Rohstoffe zu finden sind. Der Internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag wies die Gebietsansprüche 2016 zurück, doch ignoriert die Volksrepublik das Urteil. Die US-Regierung lehnt die chinesischen Ansprüche seit Mitte Juli auch formell ab. Das Seegebiet liegt zwischen China, Vietnam, Malaysia und den Philippinen.

US-Flugzeug in chinesischer Flugverbotszone?

Die Raketenabschüsse folgten auf Klagen Chinas, wonach ein US-Aufklärungsflugzeug in eine Flugverbotszone für Schießübungen der chinesischen Streitkräfte eingedrungen sei. Das U2-Flugzeug habe die regulären Manöver "schwer gestört", beklagte ein Außenamtssprecher in Peking. "Dies ist eine schwere Provokation." Der Flug in großer Höhe habe gegen den von den USA und China vereinbarten Verhaltenskodex wie auch gegen internationale Praxis verstoßen. "Es kann leicht zu Missverständnissen und Fehleinschätzungen führen - und sogar Unfälle zu Lande oder zur See auslösen", sagte der Sprecher weiter. Die USA sollten sofort "solche provokativen Aktionen stoppen".

Ein U2-Spionageflugzeug der US Air Force (Foto: picture-alliance/dpa/MSgt. Scott T. Sturkol)

Ein U2-Spionageflugzeug der US-Air Force

Der Zwischenfall ereignete sich demnach im nördlichen Kommandobereich der Volksbefreiungsarmee, der an Russland, Nordkorea und die Mongolei grenzt. China hält gerade Manöver sowohl im Nordosten als auch im Südchinesischen Meer ab, indem auch häufig amerikanische Marineschiffe aufkreuzen, um demonstrativ für die Freiheit der Seefahrt auf den Weltmeeren einzutreten.

US-Maßnahmen gegen 24 chinesische Unternehmen

Aus Protest gegen die weitreichenden Gebietsansprüche Chinas in dem strategisch wichtigen Seegebiet erließen die USA Strafmaßnahmen gegen chinesische Firmen und Manager, die dort an Projekten beteiligt sind. Konkret handelt es sich um Visa- und Exportbeschränkungen gegen insgesamt 24 Unternehmen. Darunter sind auch Tochtergesellschaften der Baufirma China Communications Construction Company (CCCC), wie aus Mitteilungen des Außen- und des Handelsministeriums in Washington hervorging. China hat im Südchinesischen Meer an mehreren Riffen Land aufgeschüttet und Militäranlagen gebaut, was international kritisiert wird.

Infografik Karte Südchinesisches Meer DE

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, seit 2013 habe die Kommunistische Partei staatliche Unternehmen benutzt, um ihre Gebietsansprüche voranzutreiben, "wodurch die Region destabilisiert, die souveränen Rechte der Nachbarn mit Füßen getreten und unermessliche Umweltzerstörungen verursacht wurden". Im Zuge der Aufschüttung künstlicher Inseln habe die Volksrepublik fast 1200 Hektar Land gewonnen, erläuterte Pompeo. Auch andere Anrainer wie Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Brunei und Taiwan erheben Ansprüche auf einzelne oder mehrere Inseln im Südchinesischen Meer.

sti/uh (afp, dpa)

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