Peking bringt Cathay auf Kurs | Wirtschaft | DW | 12.08.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Luftverkehr

Peking bringt Cathay auf Kurs

Hongkongs größte Airline untersagt ihren Mitarbeitern, die Proteste zu unterstützen - und beugt sich damit dem Druck aus Peking.

Seit Anfang Juni demonstrieren Hunderttausende in Hongkong für mehr Demokratie und gegen den Einfluss Pekings in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Die Frage, wie sich Firmen in dieser Auseinandersetzung zwischen Bevölkerung und Regierung positionieren müssen, scheint zumindest für die Airline Cathay Pacific beantwortet.

In der vergangenen Woche war ein Pilot der Airline bei einer Demonstration verhaftet worden, und die Gewerkschaft der Flugbegleiter bei Cathay erklärte sich mit den Demonstranten solidarisch.

Staatliche chinesische Medien wie "People's Daily" attackierten die Airline daraufhin und warfen ihr vor, die aus chinesischer Sicht "illegalen Proteste" zu unterstützen. Auf chinesischen Social Media Netzwerken machten Boykottaufrufe gegen Cathay die Runde.

Keine Denkvorschriften

Cathay Chairman John Slosar verteidigte seine Mitarbeiter zunächst. "Wir beschäftigen 27.000 Menschen in Hong Kong, die die unterschiedlichsten Arbeiten machen. Nicht im Traum würden wir ihnen vorschreiben wollen, was sie zu denken haben", so Slosar laut BBC.

Hongkong Protest gegen China | Flughafen - Demonstration & Lahmlegung Flugverkehr (Reuters/T. Siu)

Proteste am Flughafen Hongkong am Montag, 12.8. - sämtliche Flüge wurden gestrichen

Doch China erhöhte den Druck weiter. Am Freitag forderte die chinesische Flugaufsichtsbehörde CAAC die Airline auf, "aus Sicherheitsgründen" bei Flügen durch den chinesischen Luftraum kein Personal einzusetzen, das die Proteste unterstützt oder an ihnen teilnimmt. Cathay solle der Behörde außerdem Information über seine Besatzung bei diesen Flügen vorab übermitteln.

Cathays Vorstandschef Rupert Hogg sicherte der Flugaufsicht umgehend zu, sich an die Vorgaben zu halten. Wirtschaftlich hatte er wohl keine Wahl - ein Großteil der Cathay-Flüge geht durch chinesischen Luftraum.

Am Samstag suspendierte die Airline dann den Piloten, der bei einer Demonstration verhaftet worden war, und kündigte zwei Beschäftigten am Flughafen, denen sie Fehlverhalten vorwarf.

Klares Handlungsverbot

Am Montag schließlich zeigte eine schriftliche Mitteilung von Cathay-Chef Hogg an seine Mitarbeiter, dass die Airline-Führung nun vollends auf Pekings Linie ist. "Für Angestellte, die die illegalen Proteste unterstützen oder an ihnen teilnehmen, wird es diszipinarische Maßnahmen geben", so Hogg in dem Schreiben, das der DW vorliegt. "Die Konsequenzen könnten ernst sein und auch die Kündigung beinhalten."

Die Frage der DW, wie diese Sätze zur Aussage von Cathay-Chairman Slosar passen, den Mitarbeitern keine Denkvorschriften machen zu wollen, ließ das Unternehmen unbeantwortet. 

An der Börse in Hongkong gab der Aktienkurs von Cathay Pacific am Montag um mehr als vier Prozent nach. Wie viel davon auf den härteren Kurs der Geschäftsleitung gegenüber den Mitarbeitern zurückzuführen ist, ist kaum auszumachen. Wegen der Proteste muss die Airline auch immer wieder Flüge streichen, was ihre Geschäfte belastet.

Mehrheitseigner der Airline ist die Swire Group mit Sitz in Hongkong, die aktuell rund 45 Prozent an Cathay Pacific hält, gefolgt von der staatlichen chinesischen Fluggesellschaft Air China mit knapp 30 Prozent.

Die Redaktion empfiehlt