Papst nimmt Rücktrittsgesuch von US-Kardinal an | Aktuell Amerika | DW | 28.07.2018
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Missbrauchsvorwürfe

Papst nimmt Rücktrittsgesuch von US-Kardinal an

Papst Franziskus hat den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Kardinalsstand entlassen. Der 88-Jährige soll Priesteranwärter und Minderjährige sexuell missbraucht haben.

Franziskus nahm das Rücktrittsgesuch des prominenten US-Kardinals an. Der emeritierte Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, dürfe auch keine öffentlichen Ämter mehr ausführen, teilte der Vatikan mit. McCarrick habe sein Rücktrittsgesuch am Freitag eingereicht. Der 88-Jährige muss nun laut Vatikan in einem Haus bleiben, wo er ein "Leben des Gebets und der Buße" führen solle, bis die Vorwürfe gegen ihn vor einem Kirchengericht geklärt seien.

Nach Medienberichten soll McCarrick, der von 2001 bis 2006 die Erzdiözese Washington leitete, junge Priesteranwärter zum Sex genötigt sowie mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben. Die bisher bekannt gewordenen Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 1970 und 1990 und damit auf die Zeit vor der Ernennung McCarricks zum Erzbischof der US-Hauptstadt.

Keine Erinnerung

In einem Fall soll es laut "New York Times" um einen elf Jahre alten Jungen gehen. Diesen soll McCarrick vor mehr als 40 Jahren missbraucht haben, als er Priester in New York war. Die Erzdiözese in New York hatte mitgeteilt, dass die Anschuldigungen als "glaubwürdig" eingeschätzt würden. McCarrick wurde schon damals von öffentlichen Ämtern entfernt. Der Geistliche erklärte sich für unschuldig. Er habe keine Erinnerung an einen angeblichen Missbrauch.

McCarrick befindet sich im Ruhestand, er reiste aber in den vergangenen Jahren viel um die Welt, wobei er sich für Menschenrechte einsetzte. Er ist der seit vielen Jahren ranghöchste US-Geistliche, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Das Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle hatte die katholische Kirche in den USA Anfang des Jahrtausends erschüttert. Der Pädophilieskandal, in dessen Zentrum die Diözese von Boston stand, führte 2002 zur Annahme der Charta für den Schutz von Kindern. Danach müssen sämtliche Missbrauchsvorwürfe von einer unabhängigen Untersuchungskommission überprüft werden.

Extrem seltener Schritt

Mit dem Verzicht auf die Kardinalswürde erlischt das Recht des Betreffenden zur Teilnahme an einer Papstwahl und zur besonderen Beratung des Papstes. Er kann nicht mehr an Konsistorien teilnehmen und wird auch nicht mehr vom Papst zusammen mit den Kardinälen nach Rom einberufen.

Ein solcher Schritt ist in der jüngeren Kirchengeschichte extrem selten. 1927 trat der französische Kardinal und Jesuit Louis Billot (1846-1931) nach einem Streit mit Papst Pius XI. (1922-1939) zurück. Grund war Billots Unterstützung für die rechtsextreme und monarchistische Bewegung Action Française, die der Papst verurteilte.

Einen mit McCarrick vergleichbaren Fall gab es zuletzt 2015. Damals verlor der frühere Erzbischof von Edinburgh, Keith Patrick O'Brien, seine Rechte und Privilegien als Kardinal. O'Brien hatte 2013 die sexuelle Belästigung von Priesteramtskandidaten zugegeben und kurz darauf sein Amt als Erzbischof der schottischen Diözese niedergelegt. Wenig später zog sich O'Brien in Abstimmung mit dem Papst für mehrere Monate zu "geistlicher Erneuerung, Gebet und Buße" ins Ausland zurück.

Angebliche Null-Toleranz-Politik

Franziskus verfolgt beim Thema Missbrauch nach eigenen Worten eine Null-Toleranz-Politik. Jedoch kommen immer wieder Vorwürfe auf, dass der Vatikan nicht konsequent und hart genug gegen Geistliche vorgehe, die sich an Kindern vergangen hätten.

Für Aufsehen sorgt seit langem vor allem der Fall des australischen Kardinals George Pell, dem in seiner Heimat Missbrauch vorgeworfen wird. Pell ist zwar von seinem Amt als Finanzchef des Vatikans freigestellt, jedoch hält er weiter den bedeutenden Titel eines Kardinals.

gri/sti (dpa, kna, afp)

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