Prozess gegen Kardinal Pell wegen Missbrauchsvorwurf | Aktuell Welt | DW | 01.05.2018
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Missbrauch in der katholischen Kirche

Prozess gegen Kardinal Pell wegen Missbrauchsvorwurf

Der Papst-Vertraute und Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, soll sich über Jahre hinweg an Jungen vergangen haben. Nun muss er sich deswegen in seiner Heimat Australien vor Gericht verantworten.

Australien Kardinal George Pell vor Gericht in Melbourne (picture-alliance/AP Photo/A. B. Ratnayake)

Kurienkardinal Pell im März in Melbourne, wo er zu einer weiteren Anhörung bei Gericht erscheinen muss

Ein Amtsgericht in Melbourne hat nach monatelangen Vorverhandlungen und Prüfungen nun entschieden, dass gegen Pell ein Hauptverfahren eröffnet wird. Er muss sich in mindestens einem Anklagepunkt verantworten. Der Kurienkardinal ist damit weltweit der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs angeklagt wird.

Als Finanzchef war der Vertraute von Papst Franziskus bis vergangenes Jahr die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaates. Gegen ihn gibt es seit längerer Zeit Vorwürfe, dass er über Jahre hinweg in seiner Heimat Jungen missbraucht habe. Pell selbst streitet alles ab, ließ sich aber als Finanzchef beurlauben. Mit der jetzigen Entscheidung ist äußerst unwahrscheinlich, dass er jemals auf seinen Posten zurückkehren kann. Der Prozess - möglicherweise werden es auch mehrere Verfahren - könnte sich sehr in die Länge ziehen.

Pell bezeichnet sich als unschuldig

Zur Bekanntgabe der Entscheidung musste der Kardinal persönlich vor dem Amtsgericht Melbourne erscheinen. Dabei äußerte sich Pell vor Gericht auch erstmals selbst. Er bezeichnete sich als "nicht schuldig". Die Entscheidung des Gerichts nahm der 76-Jährige , der zu seinem Schutz von zwei Dutzend Polizeibeamten begleitet wurde, ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Anhänger und Gegner.

Die australischen Behörden haben sich bislang noch nicht näher dazu geäußert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heißt es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. Die Beschwerden reichen in Pells Zeit als Priester in seiner Heimatgemeinde Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) zurück.

se/ww (dpa, rtr, ap, afp)