Papst entlässt Ex-Kardinal McCarrick | Aktuell Welt | DW | 16.02.2019
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Missbrauchsskandal

Papst entlässt Ex-Kardinal McCarrick

Eine schärfere Strafe sieht das Kirchenrecht für einen Geistlichen nicht vor: Kurz vor dem Anti-Missbrauchs-Gipfel hat Papst Franziskus den früheren Washingtoner Erzbischof McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen.

Vatikan Nach Missbrauchsvorwurf: Papst nimmt Rücktritt von US-Kardinal an - Kardinal Theodore Edgar McCarrick

Theodore McCarrick galt jahrzehntelang als einer der bedeutendsten Geistlichen der Weltkirche (Archivbild)

Wie der Vatikan mitteilte, wurde Theodore McCarrick des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch sowie des Missbrauchs des Beichtsakraments für schuldig befunden. Zu einem entsprechenden Urteil war ein Gericht im Januar geekommen. Der 88-Jährige ist der höchste katholische Geistliche, der in der neueren Zeit mit dieser besonders scharfen Disziplinarmaßnahme sanktioniert wird. Es ist zudem das erste Mal, dass Papst Franziskus einen Kardinal wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Priesteramt verstoßen hat.

McCarrick, der von 2001 bis 2006 Erzbischof von Washington und über Jahrzehnte einer der wichtigsten Kardinäle der USA war, soll zwischen 1970 und 1990 Priesteramtskandidaten zum Sex verführt und mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben.

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Macht + Missbrauch: Eine schamlose Kirche?

Der gebürtige New Yorker lebt inzwischen in einem Kloster im US-Bundesstaat Kansas. Im Juli war ihm untersagt worden, das Priesteramt auszuüben. Daraufhin hatte McCarrick seinen Ehrentitel als Kardinal abgegeben. Ein Widerspruch gegen das Urteil ist nicht zugelassen.

Auch Papst selbst in der Kritik

In dem Skandal war auch Papst Franziskus in die Kritik geraten. Der konservative Erzbischof Carlo Maria Viganò beschuldigte den Pontifex, die Vorwürfe gegen McCarrick lange ignoriert und Sanktionen gegen diesen gar rückgängig gemacht zu haben. Der Heilige Stuhl war nach eigenen Angaben im September 2017 vom Erzbistum New York darüber informiert worden, dass ein Mann McCarrick beschuldigt, ihn in den 1970er Jahren missbraucht zu haben.

Im Zuge des immer weitere Kreise ziehenden Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat Papst Franziskus die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit zu Gesprächen über den Schutz von Kindern nach Rom beordert. Er kündigte eine Politik der "Nulltoleranz" an, die auch für führende Mitglieder der Kirche gelten soll. An dem Gipfeltreffen vom 21. bis zum 24. Februar nehmen auch die Leiter aller Vatikan-Behörden, die Päpstliche Kinderschutz-Kommission sowie Missbrauchsopfer aus aller Welt teil.

hk/sti (dpa, kna, afp, rtr)

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