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Papst auf US-Reise

16. April 2008

Schon bei seiner Ankunft in Washington sprach Benedikt XVI. den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester in den USA an. Höhepunkt des Tages soll ein Besuch im Weißen Haus sein.

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Freundlicher Empfang für den Papst: US-Präsident George W. Bush (r.) und Erzbischof Timothy P. Broglio (l.), Foto: AP
Freundlicher Empfang für den Papst: US-Präsident George W. Bush (r.) und Erzbischof Timothy P. Broglio (l.)Bild: AP

Papst Benedikt XVI. ist am Dienstag (15.4.2008) zu seinem ersten Besuch in den USA seit Beginn seines Pontifikats eingetroffen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde auf dem Militärflughafen Andrews von US-Präsident George W. Bush und dessen Frau Laura begrüßt. Zur Begrüßung hatten sich außerdem mehrere hundert Zuschauer eingefunden, denen der Papst beim Verlassen der Sondermaschine der italienischen Fluggesellschaft Alitalia zuwinkte.

Die Willkommenszeremonie auf dem Flughafen war am ersten Tag des Besuchs der einzige öffentliche Auftritt Benedikts. Erster Höhepunkt ist am Mittwoch, dem 81. Geburtstag des Papstes, ein Treffen mit Bush und First Lady Laura im Weißen Haus.

Einigkeit in den moralischen Fragen

Bush und Benedikt vertreten in einigen Fragen sehr unterschiedliche Positionen. Der spätberufene Christ Bush stimmt dem Papst jedoch vor allem in Fragen der Moral zu: Abtreibung, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und Stammzellenforschung lehnt er vehement ab.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche hat sich jedoch gegen den Irak-Krieg ausgesprochen, er verurteilt das Handelsembargo gegen Kuba genauso wie die Anwendung der Todesstrafe in den USA.

Tief beschämt

Auf dem Flug nach Washington nahm der Papst zu einem für die US-Kirche besonders kritischen Thema Stellung: Den Fällen von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch amerikanische Pfarrer. Er sei angesichts der Vorfälle tief beschämt, sagte Benedikt. "Wir werden Pädophile definitiv aus dem Priesteramt ausschließen. Es ist wichtiger, gute Priester zu haben, als viele Priester." Die Kirche werde alles tun, was in ihrer Macht steht, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern.

Am Samstag will sich der Papst in New York ausführlicher zu dem Skandal äußern, der dem Image der US-Kirche schwer schadete. Mehr als 4000 der 42.000 katholischen Priester in den USA werden beschuldigt, Kinder sexuell missbraucht zu haben. US-Diözesen wurden nach den Anfang des Jahrzehnts bekanntgewordenen Sex-Skandale verklagt und mussten seither Millionen Dollar an Entschädigungen zahlen. Allein im Jahr 2007 hatte die Kirche 615 Millionen Dollar (mehr als 400 Millionen Euro) Entschädigung an Opfer zahlen müssen.

Messen in Sportstadien

Der Papst will in den USA um die Zustimmung der rund 65 Millionen amerikanischen Katholiken werben und dabei seine Botschaft des Kampfes gegen moralischen Relativismus verbreiten. Am Donnerstag wird er im neuen Baseballstadion National Parks in Washington vor tausenden Gläubigen predigen, am Sonntag dann im New Yorker Yankee-Stadion. Einer Umfrage der Fakultät für Theologie der Universität Georgetown zufolge sind acht von zehn Amerikanern mit Benedikts Amtsführung zufrieden.

Nach einem Besuch am Freitag bei den Vereinten Nationen wird der Papst am Samstag in New York in St. Joseph erwartet, einer Pfarrgemeinde in einem Viertel der deutschstämmigen Gemeinde in der Stadt. Am Sonntag wird der Papst "Ground Zero" besuchen, den Ort der Terroranschläge vom 11. September 2001.

In seiner Zeit als Kurienkardinal war Joseph Ratzinger bereits in die USA gereist, jedoch noch nicht als Papst. Die USA gelten als hart umkämpfter "Markt" für Religionen: Die Katholische Kirche muss sich dort sowohl gegen evangelikale Prediger als auch gegen die stark wachsenden Pfingstgemeinschaften behaupten. (kap)