Palmöl fördert die Ausbreitung von Krebs | Wissen & Umwelt | DW | 11.11.2021
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Wissen & Umwelt

Palmöl fördert die Ausbreitung von Krebs

Die im Palmöl vorkommende Palmitinsäure verändert die Gene von Krebszellen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Metastasen bilden.

Eine Frau nimmt mit einem Messer Schokocreme aus einem Glas

Palmöl in zahlreichen Lebensmitteln, in Kosmetika und in Waschmitteln enthalten

Der Verdacht scheint sich zu erhärten: Forschende vom Institute for Research in Biomedizine (IRB) in Barcelona konnten nachweisen, dass ein in Palmöl enthaltenes Fettmolekül namens Palmitinsäure das Krebsgenom verändert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich der Krebs ausbreitet. 

Die Metastasierung von Krebs ist nach wie vor die Haupttodesursache bei Krebspatienten, denn bislang kann man die meisten Patienten mit metastasiertem Krebs nur behandeln, aber nicht heilen. Schätzungen zufolge ist die Metastasierung für 90% aller Krebstodesfälle verantwortlich - das sind weltweit etwa 9 Millionen Todesfälle pro Jahr.

Laut den jetzt in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnissen fördert die Palmitinsäure im Palmöl bei Mäusen die Metastasierung bei Mundhöhlenkarzinomen und Melanom-Hautkrebs. Andere Fettsäuren wie Ölsäure (die in Olivenöl reichlich vorkommt) und Linolsäure (in Leinsamen) zeigten nicht die gleiche Wirkung.

Memory-Marker verändern Zellen

Die Autoren haben zudem mehrere "Gedächtnis"-Marker identifiziert, die in den Tumorzellen verbleiben. Sie verändern die Zellen so, dass sie auch Monate, nachdem sie der Palmitinsäure ausgesetzt waren, eine größere Fähigkeit zur Metastasierung bewahren. 

Aber nicht nur die im Palmöl enthaltenen Palmitinsäure scheint die Ausbreitung von Krebs zu begünstigen. Die Forschenden aus Barcelona hatten 2016 bereits herausgefunden, dass metastasierende Tumorzellen mit einem fettempfindlichen Rezeptor ausgestattet sind.

Wandernde Krebszelle unter einem Elektronenmikroskop

Metastasen bilden sich, wenn eine Krebszelle den Blutkreislauf durch eine Öffnung in der Gefäßwand verlässt und in ein anderes Organ eindringt.

Das Protein CD36 versorgt die Krebszellen mit der nötigen Nahrung, um weit entfernt vom eigentlichen Tumor zu überleben. Dieser Effekt von CD36 konnte für Eierstock-, Blasen – und Lungenkrebs bereits nachgewiesen werden.

Studie soll Therapie entwickeln

Die neuen Forschungsergebnisse aus Barcelona seien laut Dr. Helen Rippon, Geschäftsführerin von Worldwide Cancer Research, "ein großer Durchbruch in unserem Verständnis des Zusammenhangs zwischen Ernährung und Krebs und, was vielleicht noch wichtiger ist, wie wir dieses Wissen nutzen können, um neue Heilmethoden für Krebs zu entwickeln."

Warum wurde die Welt abhängig von Palmöl?

Mit Blick auf eine mögliche Therapie verweist Professor Salvador Aznar-Benitah, Senior Group Leader am IRB Barcelona und Hauptautor der Studie, auf einen geplante erste klinische Studie, die in den nächsten Jahren beginnen soll: "Ich denke, es ist noch zu früh, um festzustellen, welche Art von Ernährung Patienten mit metastasierendem Krebs zu sich nehmen könnten, um den Metastasierungsprozess zu verlangsamen. Auf der Grundlage unserer Ergebnisse könnte man jedoch annehmen, dass eine palmitinsäurearme Ernährung den Metastasierungsprozess verlangsamen könnte, aber dazu sind noch weitere Untersuchungen erforderlich."

Wie schädlich ist Palmöl?

Palmöl steht schon länger im Verdacht, an der Entstehung von Diabetes, Gefäßerkrankungen und Krebs beteiligt zu sein. Das liegt zum einen an dem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Außerdem können bei seiner industriellen Verarbeitung krebserregende Stoffe entstehen: Wenn Palmöl zu stark erhitzt wird, bilden sich 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidol-Fettsäureester, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als krebserregend einstuft. 

Luftbild: Palmöl-Plantagen auf Borneo, die durch Brandrodung entstanden sind.

Oftmals werden Regenwälder wie hier auf Borneo für Palmölplantagen gerodet

Doch noch ist Palmöl in zahlreichen Schokoladen-Brotaufstrichen, Schokoladen und Pralinen, Chips und Schokoriegeln, in Müsli-Bestandteilen und Keksen, in Margarine, Babynahrung und Fertiggerichten enthalten. Außerdem steckt Palmöl in Waschmitteln und Kosmetik, in Seifen und Kerzen. Denn Palmöl ist deutlich günstiger als Sonnenblumen- oder Rapsöl.

Wer aber auf Palmöl verzichten will, kann leicht alternative Produkte finden, die kein Palmöl enthalten. Das nützt nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern schont auch die Umwelt, denn oftmals wurde und wird für Palmölplantagen tropischer Regenwald abgeholzt oder andere schützenwerte Lebensräume werden zerstört.

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