Pakistan ruft Heuschrecken-Notstand aus | Aktuell Asien | DW | 01.02.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Ernährungssicherheit

Pakistan ruft Heuschrecken-Notstand aus

In Südasien werden die gefräßigen Insekten immer zahlreicher - und bedrohen die Ernten. Auch in Ostafrika grassiert eine regelrechte Plage: In Äthiopien nähern sich "Reste" der Schwärme nun der Haupstadt Addis Abeba.

Pakistan Heuschrecken-Schwarm (picture-alliance/AP Photo/S. Baluch)

Pakistan kämpft bereits seit Monaten mit der Plage, dieses Foto datiert aus dem November 2019

In Pakistan fürchten die Behörden um die Ernährungssicherheit der Bevölkerung, weil Heuschrecken weite Teile des Landes kahlfressen. "Wir stehen der schlimmsten Heuschreckenplage in mehr als zwei Jahrzehnten gegenüber und haben entschieden, den nationalen Notstand zu erklären", sagte Informationsminister Firdous Ashiq Awan. Das muslimisch geprägte Land verzeichnet ein hohes Bevölkerungswachstum bei derzeit etwa 208 Millionen Einwohnern.

Weizenbauern fürchten schmale Ernte

Wichtigste Nährstoffquelle in der pakistanischen Küche ist Getreide, zum Beispiel in Form flacher Weizenküchlein namens "Chapati". Der Farmer und Vertreter der Landwirtschaftskammer der südöstlichen Provinz Sindh, Nisar Khaskhali, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Ich habe Zweifel, dass wir unser Weizenproduktionsziel von 27 Millionen Tonnen dieses Jahr erreichen können."

Pakistan Heuschrecken ( Getty Images/AFP/A. Hassan)

Ein Farmer nahe der südpakistanischen Hafenstadt Karachi hält eine von unzähligen Heuschrecken in der Hand

Die Heuschreckenschwärme waren bereits vor einigen Monaten aus dem westlichen Nachbarland Iran eingedrungen und hatten sich zuerst im Südwesten über Baumwolle, Weizen, Mais und anderes Getreide hergemacht. Allmählich breiteten sie sich über weite Teile des Landes aus.

Regierung lässt Felder besprühen

Der Minister für Ernährungssicherheit, Makhdoom Khusro Bakhtiar, sagte, die Schwärme hielten sich derzeit hauptsächlich nahe der pakistanisch-indischen Grenze auf. "Die Heuschreckenattacke ist beispiellos und alarmierend", sagte er der pakistanischen Zeitung "The Express Tribune". Auf mehr als 121.000 Hektar Land seien Maßnahmen ergriffen worden; 20.000 Hektar seien aus der Luft mit Pestiziden besprüht worden. "Bezirksregierungen, Freiwilligengruppen, Piloten und Armee wurden in Stellung gebracht, um die Attacken abzuwehren und die Pflanzen zu retten", so Bakhtiar.

Premierminister Imran Khan versprach, das Problem anzugehen und sagte, der Schutz der Landwirtschaft und der Bauern sei Priorität der Regierung. Zuletzt war Pakistan im Jahr 1993 von größeren Heuschreckenschwärmen bedroht worden.

Auch Ostafrika heimgesucht

Der gesamte nordwestliche Raum des Indischen Ozeans wird derzeit von einer regelrechten Heuschreckenplage heimgesucht: Besonders hart traf es die ostafrikanischen Länder Äthiopien, Kenia und Somalia. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO sprach im Januar von einem "beispiellosen" Zerstörungspotenzial, zwischenzeitlich gab es einzelne Schwärme so groß wie das Saarland. In Äthiopien wurden Heuschrecken auch in der Mitte des Landes, in der Hauptstadt Addis Abeba gesichtet. Laut Behörden handelt es sich um "Reste" der großen Schwärme.

Forscher machen für die Heuschrecken ein erst 1999 entdecktes Wetterphänomen mit verantwortlich, das mit "El Nino" im Pazifik vergleichbar ist: Der sogenannte Indischer-Ozean-Dipol entsteht alle paar Jahre, wenn die Temperaturunterschiede zwischen westlichem und östlichen Rand des Ozeans besonders groß sind. Feucht-warme und trocken-kühle Winde bilden einen geschlossenen Kreislauf über Tausende Kilometer und verstärken einander. Der Indische-Ozean-Dipol hat besonders viel Regen nach Ostafrika bugsiert - wo nach Überschwemmungen die Heuschrecken beste Brutbedingungen hatten - und trägt gleichzeitig auch Verantwortung für die bedrohlichen Brände in Australien. Dort hat kürzlich die Hauptstadt Canberra den Notstand wegen sich nähernder Wildfeuer ausgerufen. Forscher gehen davon aus, dass der Indische-Ozean-Dipol durch den Klimawandel häufiger und heftiger wird.

ehl/haz (dpa, DW, Munzinger)