Pakistan: Massenverhaftungen nach Selbstmordanschlag | Aktuell Asien | DW | 29.03.2016
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Aktuell Asien

Pakistan: Massenverhaftungen nach Selbstmordanschlag

Nach dem verheerenden Selbstmordattentat in Lahore am Ostersonntag greifen die pakistanischen Sicherheitskräfte schnell und hart durch. Bislang sollen bereits mehrere hundert Terrorverdächtige festgenommen worden sein.

Als Reaktion auf den Anschlag gingen Militär und Geheimdienst gegen „Mitglieder verbotener Organisationen“ in der Provinz Punjab vor, hieß es aus Militärkreisen. Lahore ist die Hauptstadt von Punjab. Mehr als 300 Verdächtige, die militanten und extremistischen Gruppen angehören sollen, seien in den vergangenen 48 Stunden festgenommen worden, bestätigten zwei Offizielle, die jedoch anonym bleiben wollten. Pakistanische Medien meldeten sogar mehr als 350 Festnahmen.

Einige Verletzte weiter in kritischem Zustand

Wie viele der Inhaftierten in den Anschlag verwickelt waren, ist noch unklar. Die Führungsebene von Jamaat ul-Ahrar, der Talibangruppe, die sich zu dem Selbstmordanschlag in Lahore bekannte, soll sich in Afghanistan aufhalten. Bei dem Attentat in einem Park starben 72 Menschen, darunter 35 Kinder. Die Zahl der Opfer könnte jedoch noch weiter steigen. Denn noch immer befinden sich von den ursprünglich mehr als 330 Verletzten rund 190 in Behandlung. Einige befänden sich weiterhin in kritischer Verfassung, teilte ein Arzt am Jinnah-Krankenhaus in Lahore mit.

Pakistan: Sicherheitsbeamte inspizieren den Anschlagsort in einem Park in Lahore (Foto: Getty Images/AFP/A.Ali)

Der Anschlagsort: Der Selbstmordattentäter zündete die Bombe direkt neben einem Kinderspielplatz

Jamaat ul-Ahrar teilte mit, man habe mit der Attacke sowohl Christen als auch die Regierung treffen wollen. Christen sind im muslimisch dominierten Pakistan regelmäßig Ziel von islamistischen Angriffen. Bis in die 1980er Jahre hinein lebten sie als größte religiöse Minderheit in Pakistan relativ friedlich. Spannungen begannen mit der Übernahme der Regierung durch einen streng religiösen muslimischen Militärdiktator Muhammad Zia ul-Haq. Wie viele Christen heute in Pakistan leben, ist nicht genau bekannt. Laut Statistiken aus dem Jahr 2005 machen sie 1,6 Prozent der rund 180 Millionen Bürger des Landes aus. Konflikte gibt es in Pakistan aber auch zwischen den Muslimen. Sunitische Extremisten verüben regelmäßig Anschläge auf schiitische Muslime.

Handynetz in Islamabad bleibt abgeschaltet

Nach dem Attentat in Lahore haben viele pakistanische Städte ihre Sicherheitsmaßnahmen für öffentliche Orte verschärft. In der Millionenmetropole Karachi schloss der größte Vergnügungspark des Landes, der Safari Park, berichtete die "Express Tribune" unter Berufung auf die Verwaltung. In 200 Parks werde mehr Sicherheitspersonal eingesetzt.

Pakistan: Proteste radikaler Muslime in Islamabad (Foto: AP Photo/Anjum Naveed)

Seit Sonntag kommt es in Islamabad zu gewalttätigen Demonstrationen radikaler Muslime

In der Hauptstadt Islamabad wurden am zweiten Tag in Folge sämtliche Mobiltelefonnetze abgeschaltet. Eine offizielle Stellungnahme gab es dazu nicht. Es wird angenommen, dass die Maßnahme mit der Präsenz von rund 2000 religiösen Radikalen vor dem Parlament zu tun hat, die dort seit Sonntag gegen die Hinrichtung eines Extremisten vor einem Monat demonstrieren. Mit der Abschaltung der Netze soll verhindert werden, dass Mob-Aktivitäten organisiert werden. Außerdem kann so verhindert werden, dass Sprengsätze per Handy gezündet werden.

ww/djo (ap, dpa)

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