Ostsee-Pipeline in Betrieb genommen | Wirtschaft | DW | 08.11.2011
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Wirtschaft

Ostsee-Pipeline in Betrieb genommen

Erdgas kann jetzt direkt durch die neue Ostsee-Pipeline Nord Stream aus Russland nach Westeuropa geleitet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitri Medwedew drehten symbolisch den Gashahn auf.

Der Verlauf der Gastrasse am Grund der Ostsee (Foto: DW-Grafik)

Der Verlauf der Gastrasse am Grund der Ostsee

Die mehr als 1200 Kilometer lange Nord-Stream-Pipeline verläuft am Grund der Ostsee und soll jährlich 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas vom russischen Wyborg bis nach Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern liefern, unabhängig von Transitländern wie Weißrussland und der Ukraine. Die Inbetriebnahme der ersten direkten Gastrasse zwischen Westeuropa und einem der größten Erdgasfelder der Welt in Sibirien ist am Dienstag (08.11.2011) in Lubmin groß gefeiert worden. Russlands Staatspräsident Medwedew und Bundeskanzlerin Merkel drehten gemeinsam den Gashahn für den ersten Strang der Pipeline auf.

Neben Merkel und Medwedew nahmen der französische Premierminister François Fillon, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sowie EU-Energiekommissar Günther Oettinger an der Einweihung des Prestigeobjekts teil. Auch der Vorsitzende des Nord-Stream-Aktionärsausschusses, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, ist nach Lubmin gekommen. Er hatte 2005 zusammen mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin das zunächst heftig umstrittene Projekt auf den Weg gebracht, mit dem die Gasversorgung Westeuropas vom Transit über Drittländer

Nord Stream ist größtes europäisches Energie-Infrastrukturprojekt

Die rund 7,4 Milliarden Euro teure Gaspipeline des russisch-europäischen Konsortiums Nord Stream verbindet Deutschland und Westeuropa direkt und unter Umgehung von Transitländern wie Weißrussland oder der Ukraine. Das Gas stammt aus dem Feld Juschno-Russkoje auf der westsibirischen Halbinsel Jamal im Norden Russlands - einer Region mit geschätzten Gasreserven von mehr als einer Billion Kubikmeter. Mit einer Länge von 1224 Kilometern ist die Ostsee-Pipeline nach Angaben des Firmenkonsortiums Nord Stream die längste Unterwasser-Pipeline der Welt. Gaslieferant ist der russische Energiekonzern Gazprom. Betrieben wird die Pipeline von einem Konsortium, an dem der russische Gasriese Gazprom 51 Prozent hält. Zudem sind Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall aus Deutschland, die niederländische Gasunie und der französische Energiekonzern GDF Suez beteiligt.

Wenn im Herbst 2012 wie geplant der zweite Pipelinestrang fertig gestellt ist, sollen durch die Röhren 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr nach Westeuropa geliefert werden. Damit können rechnerisch 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Erstellung in Rekordzeit - eineinhalb Jahre Bauzeit

Seit 2010 wurden auf speziellen Verlege-Schiffen 200.000 jeweils zwölf Meter lange Rohre für den Doppelstrang zusammengeschweißt und zwischen dem russischen Wyborg und Lubmin im Ostseewasser versenkt. Damit die Leitung am Meeresgrund liegen bleibt, wurden die Rohre in einer extra auf Rügen errichteten Fabrik mit Beton ummantelt. Mit rund 20 Kilometern pro Stunde wird das sibirische Gas nach Lubmin strömen. Dort wird das Gas in Überlandleitungen eingespeist.

Am Anfang gab es lauten Protest - von vielen Seiten

Altkanzler Schröder, Russlands Regierungschef Putin (Foto: RIA Novosti 2009)

Die treibenden Kräfte für den Pipelinebau: Schröder und Putin

Umweltschützer warnten vor ökologischen Schäden für die Ostsee. Daher zögerten insbesondere die nordeuropäischen Ostseeanrainer, durch deren Seegebiete die Rohre verlegt werden sollten, mit der Erteilung der Baugenehmigungen. In Deutschland war das Projekt zunächst politisch umstritten. Der damalige Kanzler Schröder drückte das Vorhaben kurz vor der Bundestagswahl 2005 durch. Nur ein Jahr später, nach Ende seiner Kanzlerschaft, ließ er sich zum Vorsitzenden des Aktionärsausschusses von Nord Stream wählen. Für Russland ist die Pipeline am Meeresgrund auch deshalb von so großer Bedeutung, weil sie die Abhängigkeit von den Transitländern mit Überlandtrassen verringert. Im Machtpoker mit Moskau hat insbesondere die Ukraine in der Vergangenheit mehrfach den Durchfluss durch die Gaspipelines unterbrochen.

Autorin: Ulrike Quast (dpa,dapd,afp)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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