Opferzahl nach Tianjin-Unglück steigt weiter | Aktuell Asien | DW | 16.08.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Asien

Opferzahl nach Tianjin-Unglück steigt weiter

Das Ausmaß der Katastrophe und der Belastung durch giftige Stoffe rund um das explodierte Depot in China wird nur langsam deutlich. Die Feuerwehr sieht sich unangenehmen Fragen ausgesetzt.

Auch drei Tage nach den Hauptexplosionen stiegen noch Rauchwolken über dem Unglücksort auf (Foto: Reuter)

Auch Tage nach den Hauptexplosionen stiegen noch Rauchwolken über dem Unglücksort auf

Die offiziell bestätigte Zahl der Toten nach dem schweren Explosionsunglück im nordchinesischen Tianjin ist auf 112 gestiegen. Vier Tage nach der Katastrophe in dem Hafengelände wurden noch immer 95 Menschen vermisst, darunter 85 Feuerwehrleute, wie die Behörden berichteten. Damit werden deutlich mehr Feuerwehrleute vermisst, als ursprünglich eingeräumt. 721 Menschen kamen ins Krankenhaus, von denen 25 noch in Lebensgefahr schwebten. Verwirrung herrschte über die Räumung angrenzender Wohngebiete. Obwohl Polizeiwagen über Lautsprecher zur Räumung der Wohnungen in einem Umkreis von drei Kilometer aufgerufen hatten, bestritt ein Behördenvertreter, dass eine Evakuierung angeordnet worden sei.

Zuvor war bekannt geworden, dass in dem zerstörten Depot auch die hochgiftige Chemikalie Natriumzyanid gelagert wurde. Medienberichten zufolge könnten sich 700 Tonnen der Substanz in dem Lager befunden haben. Aus Angst vor giftigen Gasen in der Luft und einem Wechsel der Windrichtung wurden Menschen aus einer Notunterkunft in eine weiter entfernte Grundschule verlegt. Zusätzlich wurden Straßensperren errichtet. Am Rande der Evakuierungszone wurden Schutzmasken an Rettungskräfte und Polizei ausgeteilt.

Ein Soldat einer chinesischen Spezialeinheit nimmt Bodenproben in Tinajin (Foto: picture alliance)

Ein Soldat einer chinesischen Spezialeinheit nimmt Bodenproben in Tianjin

Berichte über Unglück zensiert

Das wahre Ausmaß der Katastrophe und die Gefahren durch Schadstoffe in Luft und Wasser kommen nur langsam zutage, weil Behörden den Informationsfluss einschränken. Zeitungen dürfen nur Berichte der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua übernehmen und nicht selbst recherchieren. Die Zensur verstärkte den Eindruck in der besorgten Bevölkerung von Tianjin, dass die Behörden ihnen nicht die ganze Wahrheit sagen wollten.

Die Behörden gingen gegen 50 Webseiten vor, weil sie angeblich "Gerüchte" oder "unbestätigte Informationen" veröffentlicht und damit Panik ausgelöst hätten. Die chinesische Internetaufsicht (CAC) warnte, dass sie "Null-Toleranz" für solches Verhalten habe.

Feuerwehrchef verteidigt Vorgehen

Es war weiterhin unklar, ob die Feuerwehr beim Löschen des Brandes mit Wasser eine chemische Reaktion auslöste, die zu den verheerenden Explosionen führte. Der Feuerwehrchef von Tianjin, Lei Jinde, versicherte, seine Leute seien richtig vorgegangen. "Wir wussten, dass Kalziumkarbid dort war, aber wir wissen nicht, ob das Kalziumkarbid explodierte und Feuer fing", sagte er. Bei der Serie von Explosionen am Mittwoch wurde das Industriegebiet am Hafen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt rund 140 Kilometer südöstlich von Peking in weiten Teilen verwüstet. Zahlreiche Gebäude, Schiffscontainer und Neuwagen wurden völlig zerstört.

Nach Angaben der Zeitung "People's Daily" verstieß das Gefahrgutlager klar gegen bestehende Sicherheitsauflagen, vor allem gegen die Regelung, wonach gefährliche Materialien mindestens einen Kilometer von umliegenden Gebäuden und Straßen entfernt untergebracht werden müssen. Staatspräsident Xi Jinping rief die Behörden auf, die "extrem wichtigen" Sicherheitslehren aus der Tragödie zu ziehen.

ago/stu (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt