Opernregisseur Harry Kupfer ist tot | Musik | DW | 31.12.2019
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Musikgeschichte

Opernregisseur Harry Kupfer ist tot

Er inszenierte international beachtete Wagner-Opern in Bayreuth und fühlte sich auch modernen Komponisten verpflichtet. Jetzt ist Harry Kupfer, einer der wichtigsten deutschen Opernregisseure, mit 84 Jahren gestorben.

Sein Name wird immer verbunden sein mit herausragenden Wagner-Inszenierungen in Bayreuth. Harry Kupfer (1935-2019) war einer der bedeutendsten Opernregisseure in Deutschland, weltweit anerkannt und erfolgreich. Er starb am Montag in Berlin im Alter von 84 Jahren, wie seine Agentur Arsis der Presse jetzt mitteilte.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) reagierten betroffen. Sie würdigten den Künstler, dessen Weltkarriere in der DDR begann, als herausragende Persönlichkeit.

Präsent in Ost und West

Das Land verliere "eine wahre Regielegende der deutschen Operngeschichte", erklärte Grütters: "Seine Inszenierungen waren prägend für das realistische, das menschliche Musiktheater." Damit habe Harry Kupfer sowohl in der ostdeutschen als auch später in der westdeutschen Opernlandschaft Maßstäbe gesetzt, die bis heute gültig seien. Kupfer werde "als leiser Grenzgänger in Erinnerung bleiben, der mit seinen sinnlichen Aufführungen wie kaum ein zweiter die verbindende Kraft der Musik ins Rampenlicht zu holen vermochte", sagte Grütters.

Über 20 Jahre lang war Harry Kupfer Chefregisseur an der Komischen Oper in Berlin, zu der er Anfang der 1980er Jahre zurückkehrte. Zu den Meilensteinen in seiner Karriere gehörte auch die Produktion der zehn wichtigsten Opern Richard Wagners an der Berliner Staatsoper, gemeinsam mit dem Dirigenten Daniel Barenboim.

Harry Kupfer Probe in Bayreuth 1978 (picture-alliance/dpa/DB)

Harry Kupfer (li) 1978 bei Proben in Bayreuth

Geboren wurde Kupfer am 12. August 1935 in Berlin. Er wuchs im Prenzlauer Berg auf. Eine Aufführung des "Barbier von Sevilla" im Ost-Berliner Kino Friedrichshain wurde für den Elfjährigen zum Erweckungserlebnis: Danach wollte er unbedingt zur Bühne. Nach dem Abitur 1953 machte er seinen Traum wahr, studierte Theaterwissenschaften und nahm privaten Musikunterricht. Dem Klavierspiel galt seine erste Liebe, aber auch die üppig-inszenierte Welt der Oper zog ihn früh in ihren Bann.

Karriere als Opernregisseur in der DDR

Sein Regie-Debüt gab Harry Kupfer 1958 in Halle mit einer Oper von Dvorak. Danach wurde der talentierte junge Mann gleich Oberspielleiter in Stralsund und Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Seinen ersten Karrierehöhepunkt erreichte er mit der Anstellung als Operndirektor am Nationaltheater in Weimar. Man attestierte ihm ein feines, künstlerisches Gespür für zwischenmenschliche Aspekte im Musiktheater. Er wolle "Geschichten von Menschen für Menschen zeigen", schrieb die Wochenzeitung "Die Zeit" 1990 über ihn.

Fidelio Staatsoper Berlin (picture-alliance/dpa/Eventpress Hoensch)

Bühnenbild für den "Fidelio" von Beethoven an der Staatsoper Berlin (2016)

1978 brachte er in Bayreuth den "Fliegenden Holländer" auf die Bühne - mit riesigem Erfolg und weltweiter Anerkennung, als einer der besten deutschen Opernregisseure. Zehn Jahre später produzierte er dort mit Dirigent Daniel Barenboim den "Ring der Nibelungen", genau mit seiner Regiehandschrift, die ihn zuvor bekannt gemacht hatte. "Ich möchte auf der Bühne Menschen mit all ihren Konflikten, Problemen und Widersprüchen zeigen", sagte er damals in einem Interview im "Spiegel".

Künstlerische Energie bis ins hohe Alter

Harry Kupfer, Helga Rabl-Stadler, Hans Schavernoch (picture-alliance/wildbild/H. Rohrer)

Opernregisseur Harry Kupfer (li) bei der Premiere seines "Rosenkavalier" in Salzburg

In den letzten Jahren arbeitete Kupfer viel in Dresden und Sydney, wagte neue Inszenierungsformate und widmete sich weiter intensiv dem Opernrepertoire von Richard Wagner - seinem Lebensthema. In Barcelona brachte er den "Ring" auf die Bühne und den "Parsifal" im finnischen Helsinki - immer mit großem Erfolg.

Zuletzt wagte er sich sogar an ein Musical in der chinesischen Stadt Shanghai. Im Alter von 84 Jahren ist der umtriebige Opernregisseur Harry Kupfer in Berlin gestorben.

hm/hk/haz (dpa, munzinger.de)