Ontong Java - ein Paradies geht unter | Wissen & Umwelt | DW | 25.09.2015
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Wissen & Umwelt

Ontong Java - ein Paradies geht unter

Eine Reihe abgeschiedener, tropischer Inseln im Pazifik ist schutzlos dem Klimawandel ausgeliefert. Die Inselbewohner trotzen Wind und Wasser - ein exklusiver Foto-Essay erzählt ihre Geschichte.

Wer hat schon von Ontong Java gehört? Wohl kaum jemand. Dabei ist das Atoll eines der größten weltweit! Eshört zum Inselstaat der Salomonen und liegt 2000 Kilometer nordöstlich von Australien, mit dem Flugzeugen nicht erreichbar. Nur ab und zu kommt ein Versorgungsschiff vorbei, um die 3000 Menschen dort zu versorgen. Die trotzen dort tapfer dem ansteigenden Meeresspiegel und starken Stürmen, wollen ihr Volk und ihre Kultur bewahren.

Das ringförmige Atoll besteht aus 120 Inseln, verteilt über eine Fläche von 1400 Quadratkilometern. Die Inseln selbst sind relativ klein, sie liegen nicht höher als drei Meter über dem Meeresspiegel. Deshalb sind sie vom steigenden Meeresspiegel besonders betroffen.

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Wenn der Meeresspiegel weiter steigt, wird das Ontong Java Atoll überflutet werden.

Die Menschen auf dem Otong-Java-Atoll waren schon immer Wind und Wellen ausgesetzt. Aber ihren Lebensstil, der seit Jahrhunderten zum größten Teil auf Selbstversorgung beruht, können sie nun kaum noch beibehalten.

In den vergangenen Jahren wurde es immer schwieriger, verlässliche Nahrungsmittelquellen zu finden. Die Küsten erodieren, die Inseln versalzen. Das Drohszenario, auf andere, höher gelegene Inseln fliehen zu müssen, ist daher stets präsent.

Durch starken Wind und hohe Wellen wird Salz auf die Insel getrieben. Aufgrund des steigenden Meeresspiegels bricht das Meerwasser an vielen Stellen durch den porösen, aus Korallensedimenten bestehenden Boden. "Es ist, als ob die Insel ein Leck hätte", sagt ein Bewohner.

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Das Meer frisst sich in die Inseln, macht auch vor Friedhöfen nicht halt

Chris Keungi ist der Sohn eines früheren Oberhaupts der Insel Pelau, auf der 600 Menschen leben. Der 40-Jährige steht am südlichsten Punkt der Insel und zeigt über die Spitze hinaus. Dort stand einmal ein Dorf. Das ist schwer vorstellbar, denn gerade sieht man nichts anderes als Wellen.

"Als ich zehn Jahre alt war, standen dort ein Menge Häuser", erzählt Keungi. "Aber als ich zehn Jahre später zurückkam, war alles anders: Der Boden war erodiert, die meisten Häuser waren durch den steigenden Meeresspiegel weggewaschen".

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Im Juni 2015 fegte der Zyklon Raquel über Otong Java hinweg

Der Meeresspiegel ist nur eine von vielen Bedrohungen, mit denen die Bewohner des Atolls zu kämpfen haben. Im Juni 2015 fegte zum Beispiel der Zyklon Raquel mit Windgeschwindigkeiten von 125 Kilometern pro Stunde über die Gegend hinweg. Zwei riesige Wellen krachten auf die südlichen Inseln. Auf Luaniua, der größten, Heimat von 2000 Menschen, wurden 80 Gebäude zerstört.

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Das Haus von Moses Paoa wurde vom Zyklon Raquel verwüstet

Keungi, seine Familie und der Rest der Menschen auf dem Atoll haben nur wenige Optionen, um sich vor dem Klimawandel zu retten. Pläne, auf die Insel Malaita in Melanesien umzusiedeln, sind gescheitert. Die Bewohner von Otong Java sehen zwar, dass es allmählich nötig wird zu fliehen, aber die meisten harren trotzdem aus. Wenn der Tag dann irgendwann doch kommt, wollen viele am liebsten auf nach Santa Isabel umziehen, eine Insel, die 300 km südlich liegt. Kultur und Lebensgewohnheiten sind dort ähnlich, sodass die Klimaflüchtlinge hoffen, auf Santa Isabel willkommen zu sein und ihre Traditionen wenigstens teilweise weiter pflegen zu können.

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Kultur und Traditionen sind mit bedroht, wenn die Menschen ihre Heimat verlassen müssen

Im Dezember werden 196 Staaten in Paris zusammenkommen und versuchen, einen neuen Klimavertrag auszuhandeln. Wenn die UN-Mitgliedsstaaten es schaffen, neue, strikte Regeln zu vereinbaren, die den Ausstoß von Schadstoffen drastisch senken, könnte dieses Treffen eine neue Perspektive für die Bewohner von Ontong Java eröffnen.

Aber wenn die größten Klimasünder - wie zum Beispiel das benachbarte Australien - den Vertrag verwässern und dadurch immer mehr fossile Brennstoffe genutzt werden, wird die Zukunft eine andere sein. Denn geht der Klimawandel unvermindert weiter, werden die 3000 Menschen von Ontong Java gezwungen sein, die Inseln zu verlassen, die sie seit Generationen ihr Zuhause nennen.

Im Juni und Juli 2015 schickte die Nichtregierungsorganisation 'Displacement Solutions' den Fotojournalisten Beni Knight nach Ontong Java, um das Leben der Menschen, ihre Kultur und ihre Meinungen festzuhalten. DW veröffentlicht hier den exklusiven Essay und die Fotos.

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