Omanische Autorin Jokha al-Harthi: ″Überall die gleichen Gefühle″ | Bücher | DW | 22.05.2019
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Man Booker International Prize

Omanische Autorin Jokha al-Harthi: "Überall die gleichen Gefühle"

Als erste arabische Autorin hat Jokha al-Harthi den Man Booker-Preis gewonnen. In ihrem Roman "Celestial Bodies" blickt sie auf ihre Heimat Oman. Sie zeigt das Besondere - und das, was alle miteinander verbindet.

"Die Welt hat eines gemeinsam", sagt Jokha al-Harthi, und das ist die Freude der Autoren "am Schreiben oder an der Kunst". Mit dieser Freude hat die omanische Schriftstellerin in diesem Jahr die Jury des renommierten Man Booker International Preises für sich gewonnen. Ihr Werk "Celestial Bodies" (Himmelskörper) sei eines, "das Kopf und Herz gleichermaßen gewinnt und es wert ist, darüber zu verweilen", heißt es in der Begründung der Jury.

Al-Harthis Roman gibt Einblick in eine Kultur, die vielen Menschen im Westen eher unbekannt ist. Es erzählt von drei Schwestern in einem Dorf im Oman, von ihrem Leben, ihrer Liebe und ihrer Vergangenheit - der postkolonialen Geschichte des Landes.

Da ist Mayya, die Abdallah nach einem Herzschmerz heiratet; Asma, die aus Pflichtgefühl heiratet; und Khawla, die auf ihre nach Kanada ausgewanderte Geliebte wartet. Die drei Frauen erleben den Wandel ihres Landes von einer traditionellen Sklavenhalter-Gesellschaft hin zu einem modernen und komplexen Gefüge.

Buchcover Celestial Bodies von Jokha al-Harthi. (Getty Images/AFP/I. Infantes)

Übersetzung aus dem Arabischen: "Celestial Bodies"

"Ich wollte das Leben so darstellen, dass junge Omaner etwas damit anfangen können, und auch ein Bild des Oman im 21. Jahrhundert zeichnen, vor allem für diejenigen, die diesen Teil der Welt nicht so gut kennen", sagte al-Harthi in einem Interview mit den Veranstaltern. "Omaner laden andere Menschen durch ihr Schreiben ein, mit offenem Geist und Herz auf den Oman zu blicken. Egal, wo man ist - Liebe, Verlust, Freundschaft, Schmerz und Hoffnung sind überall die gleichen Gefühle."

"Fenster zur reichen arabischen Kultur geöffnet"

Jokha al-Harthi hat in Schottland klassische arabische Literatur studiert und das Studium dort 2010 mit einem Doktortitel abgeschlossen. Heute lehrt sie an einer Universität im Oman. Seit 2001 veröffentlicht sie Romane und Kurzgeschichten, von denen nach eigenen Angaben einige in Übersetzungen in europäischen Literaturmagazinen veröffentlicht wurden.

Nun ist sie die erste arabische Autorin, die mit dem renommierten Literaturpreis Man Booker International ausgezeichnet worden ist. Ihr sei eine "bildstarke, fesselnde und poetische Innenansicht einer Übergangsgesellschaft" gelungen, so das Urteil der Jury. "Elegant komponiert" zeige die Geschichte durch das "Prisma" einer Familiengeschichte das "Erwachsenwerden" des Oman.

"Ich bin begeistert, dass ein Fenster zur reichen arabischen Kultur geöffnet wurde", sagte al-Harthi nach der Preisverleihung im Roundhouse in London. "Oman inspirierte mich, aber ich denke, dass internationale Leser sich auf die menschlichen Werte im Buch beziehen können - Freiheit und Liebe."

Jokha Alharthi und Marilyn Booth posieren fürs Foto bei der Verleihung des Man Booker Prize International Prize (AFP/I. Infantes)

Jokha al-Harthi (l.) und Marilyn Booth bei der Verleihung des Man Booker International Preises in London

Herausforderung für die Übersetzerin

Jokha al-Harthi teilt sich das Preisgeld von rund 57.000 Euro mit ihrer Übersetzerin Marilyn Booth, die arabische Literatur an der Universität Oxford unterrichtet. Booth übertrug al-Harthis Buch aus dem Arabischen ins Englische - eine Aufgabe, die nicht einfach war, ihr aber große Freude bereitet habe, wie sie selbst sagt. "Was mir am besten gefällt, ist der Gebrauch von Sprache oder Sprachen: die unterschiedlichen Idiome oder Soziolekte von unterschiedlich platzierten Charakteren, die lebhafte Verwendung von lokalen Ausdrücken und Gebräuchen, insbesondere die Gespräche unter Frauen. Ich mag es sehr, dass Jokha nicht für Leser schreibt, die den Oman nicht kennen: Sie versucht nicht, Dinge zu erklären." 

Für sie als Übersetzerin sei das eine Herausforderung gewesen - aber eine, die sich lohnt. "Was man hier wirklich lernt, ist, dass es in der gesamten Region erstaunliche Fiktionalisten gibt, nicht nur in den bekannteren Zentren des literarischen Schaffens wie Ägypten, Palästina, Libanon, Marokko und vielen anderen Orten, sondern in einem Land, das weniger literarisch erfasst ist, wie Oman. Und vielleicht lernt man am meisten, wie ähnlich sie in ihrer Anmut, ihrem menschlichen Austausch und ihren Emotionen sind, und wie Gesellschaften, die so unterschiedlich aussehen mögen, sich wirklich so sehr ähneln."

pl/bb (dpa, afpe, themanbookerprize.com)

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