Internationaler Literaturpreis: Das sind die Finalisten des Jahres 2019 | Kultur | DW | 06.05.2019
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Literaturpreise

Internationaler Literaturpreis: Das sind die Finalisten des Jahres 2019

Der Preis ist einzigartig in der deutschen Literaturwelt: Ausgezeichnet wird jeweils ein Duo aus Autor und Übersetzer eines herausragenden Gegenwartsromans aus Deutschland. Wir stellen die sechs Nominierten vor.

Argentinien, Australien, Frankreich, Israel, Mexiko und Serbien - so unterschiedlich die Herkunftsländer der Finalisten auch sind, so sehr überzeugten sie die Jury in ihrer universellen Aussage auf aktuelle Fragen. Und auch ihrer literarischer Form.

Die Auswahl, auf die sich die siebenköpfige Jury geeinigt hat, sei "eine Shortlist, die uns in die Ferne führt, bis in die mexikanische Provinz und ins australische Grenzland, ins Serbien der Bürgerkriegsjahre und der Gegenwart, nach Israel und in das Polen der Holocaust-Gedenkstätten. Und ins fernste Innere, in die Verliese des Gedächtnisses, in das Zwischenreich, wo das Sterben in den Tod und dann in die Leere übergeht."

Keine leichte Lese-Kost, die diese sechs Schriftsteller, geboren zwischen 1937 und 1982, geschaffen haben. Die Jury zollt allen sechs bereits Respekt, nennt die Gegenwartsromane "einen inspirierenden Tribut an die Wirkmacht der Literatur".

Ausgezeichnetes Duo

Welches der Werke am Schluß mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet wird, entscheidet sich am am 18. Juni 2019 in Berlin. Verliehen wird der Preis vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen bereits zum elften Mal.

Vorab können sich Literaturliebhaber an mehreren Lese-Terminen in der Amerikanischen Gedenkbibliothek in Berlin-Kreuzberg die nominierten Romane erschließen.

Der renommierte Literaturpreis ist mit 35.000 Euro dotiert. 20.000 Euro geht an den Autor und 15.000 Euro an den jeweiligen Übersetzer. Die Einbeziehung des Übersetzers würdigt dessen bedeutende Leistung, die bei vergleichbaren Literatur-Preisen oft vergessen wird. Hier die Finalisten mit ihrem Werk:

Hélène Cixous: Meine Homère ist tot
Aus dem Französischen von Claudia Simma

In diesem sehr persönlichen Buch erzählt Hélène Cixous von den letzten schweren Jahren ihrer Mutter, die bis zu ihrem Tode von ihr gepflegt wurde. Eve ist 103 als sie stirbt - ihre Tochter begleitet sie auf dieser beschwerlich langen Reise. Mal keimt Hoffnung wieder auf, mal ist der letzte Atemzug vermeintlich nah. Die Tochter notiert das Verschwinden, den körperlichen Zerfall - in poetischer und ausdrucksreicher Sprache. Hélène Cixous gilt als Frauenrechtlerin und ist Trägerin des französischen Nationalverdienstordens. Das Werk der 1937 in Algerien geborenen Autorin umfasst neben Romanen auch zahlreiche Essays und Theaterstücke.

 

Zoltán Danyi: Der Kadaverräumer
Aus dem Ungarischen von Terézia Mora

Die Jugoslawienkriege sind längst vorbei, doch ein junger Mann hängt weiterhin in seinen traumatischen Erinnerungen fest. Seine Erfahrungen lassen sich nicht in gut oder böse einteilen - er war beides zugleich: Opfer und Täter. Zoltán Danyis Roman ist der Monolog eines gebrochenen Menschen, der Plünderungen und Massenvergewaltigung  miterlebte. Der Protagonist gehört - ebenso wie der Autor - der ungarischen Minderheit im heutigen Serbien an. Der Roman wurde in ungarischer Sprache geschrieben und mit dem renommierten Miklós-Mészöly-Preis ausgezeichnet.  

 

Ariana Harwicz: Stirb doch, Liebling 
Aus dem argentinischen Spanischen von Dagmar Ploetz

Die namenlose Erzählerin hat alles, was ein glückliches Leben - zumindest nach außen - ausmacht: Einen Mann, einen Sohn, ein geordnetes Leben auf dem Land. Nach innen ist ihr dies alles zu wider. Sie betrügt ihren Mann mit dem Nachbarn und hegt Mordfantasien.

Gleichzeitig sehnt sie sich danach, eine liebevolle Mutter und Frau zu sein. Der Roman erschien 2012 in Argentinien und wurde von der dortigen Tageszeitung "La Nación" zum besten argentinischen Buch des Jahres ausgezeichnet. Die englische Übersetzung war 2018 für den Man Booker International Prize nominiert.

 

Fernanda Melchor: Saison der Wirbelstürme
Aus dem mexikanischen Spanischen von Angelica Ammar

Im Dickicht einer Zuckerrohrplantage finden Kinder die Leiche einer gefürchteten Heilerin. Für manche Dorfbewohner eine Hexe, für andere eine Satanistin. Die möglichen Mordmotive reihen sich aneinander: Eifersucht, Drogenhandel oder ein verborgener Schatz? Die 1982 geborene Fernanda Melchor gilt als eine der vielversprechendsten Schriftstellerinnen Mexikos. In "Saison der Wirbelstürme" portraitiert sie das Herz ihres Heimatlandes, das von Gewalt - insbesondere gegen Frauen - durchdrungen ist.

 

Gerald Murnane: Grenzbezirke
Aus dem Englischen von Rainer G. Schmidt

Es geht zu Ende - in seinen letzten Lebensjahren zieht ein alter Mann Bilanz und zieht dafür in ein Grenzgebiet im australischen Bundesstaat Victoria. Hier schreibt er an einem "Bericht", wie er es nennt: Welche Eindrücke des Lebens werden bleiben? Der Ich-Erzähler folgt seinen inneren Bildern und katalogisiert sein Innerstes ohne zu wissen, wohin es führen wird. "Grenzbezirke" ist das Alterswerk von Gerald Murnane, der 1939 in Melbourne geboren wurde und der Australien, wo er als bedeutender Schriftsteller gilt, noch nie verlassen hat. Gerald Murnane wurde mehrfach als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. 

 

Yishai Sarid: Monster
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama

In einem Bericht an seinen Chef schildert ein junger Historiker und Tour-Guide seine Erfahrungen mit Besuchern der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und der NS-Gedenkstätten in den früheren Konzentrationslagern Majdanek, Treblinka und Auschwitz.

An diesen Orten des Grauens erfährt er einen fragwürdigen Umgang mit Erinnerung - von Schülern wie Politikern: Unwissen, Selbstverliebtheit, Erinnerungskitsch und Instrumentalisierung. Das Monster Erinnerung gepaart mit dem Monster des fehlgeleiteten Erinnerns zerreißen den jungen Historiker und führen zu einem folgenreichen Kontrollverlust. Yishai Sarid lebt und arbeitet als Rechtsanwalt in Tel Aviv. Seit 2000 ist er auch als Schriftsteller tätig.

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