Olympia in Tokio ohne ausländische Zuschauer? | Sport | DW | 04.03.2021
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Olympische und Paralympische Spiele

Olympia in Tokio ohne ausländische Zuschauer?

In Japan verdichten sich die Zeichen, dass die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie nur vor heimischen Zuschauern ausgetragen werden, wenn überhaupt. Olympia-Begeisterung herrscht in Japan noch nicht.

"Unter den derzeitigen Umständen können wir keine Zuschauer aus dem Ausland akzeptieren." So zitiert die japanische Zeitung "Mainishi Shibun" einen Regierungsvertreter, der anonym bleiben will. Wegen der weltweit weiterhin grassierenden Corona-Pandemie, so die Zeitung, bereite sich die japanische Regierung darauf vor, die für den Sommer geplanten Olympischen und Paralympischen Spiele ohne ausländische Zuschauer auszutragen. Offiziell bestätigt ist das nicht.

Das Organisationskomitee in Tokio teilte nach einer Online-Sitzung mit IOC-Präsident Thomas Bach und Paralympics-Chef Andrew Parsons am Mittwoch mit, dass bis Ende März geklärt werde, ob auch internationale Gäste zugelassen würden. Im April solle dann festgelegt werden, ob überhaupt Zuschauer bei den Wettkämpfen erlaubt seien und wenn ja, wie viele.

Infektionszahlen in Japan gehen zurück

"In Anbetracht der aktuellen Situation ist es wahr, dass sich Japan und andere Länder in einer sehr schwierigen Lage befinden", räumte die neue OK-Chefin Seiko Hashimoto gegenüber Reportern ein. Für Kentaro Iwata, Virologe an der Universität der japanischen Stadt Kobe, wären Spiele ganz ohne Zuschauer "die vernünftigste Entscheidung". Andere Optionen seien "aus medizinischer Sicht nicht richtig sind", sagte der Professor in einem Interview der Nachrichtenagentur Kyodo: "Da die Olympischen Spiele ein globales Ereignis sind, ist es wichtiger, die Infektionslage auf der ganzen Welt zu betrachten, als nur die Situation in Japan."

Japan Olympische Spiele 2021 Coronavirus Seiko Hashimoto

Der Fokus müsse auf "sichere, geschützte und faire Wettbewerbe" gerichtet sein, sagte IOC-Chef Bach am Mittwoch

Nach einem Höchststand im Januar ist die Zahl der COVID-19-Infektionen in Japan wieder rückläufig. Bis voraussichtlich kommenden Sonntag gilt für die Präfektur Tokio noch ein von der Regierung ausgerufener Corona-Notstand: Die Menschen sollen ihre Wohnungen und Häuser nach 20 Uhr Ortszeit nur in dringenden Fällen verlassen. Restaurants, Theater und Handel bleiben abends geschlossen.

Mehrheit gegen Spiele im Sommer

Nach wie vor ist die Stimmung in Japan eher olympiakritisch. In einer Umfrage im Februar sprachen sich 56 Prozent der Befragten dagegen aus, die Spiele in Tokio wie geplant vom 23. Juli bis 8. August auszutragen. In einer Erhebung im Januar hatten sogar insgesamt rund 80 Prozent der Befragten dafür plädiert, die Spiele erneut zu verschieben oder sogar ganz abzusagen.

Von Olympia-Begeisterung ist nach Angaben von Bewohnern Tokios noch nicht viel zu spüren. In der Stadt hängen lediglich die alten Olympia-Plakate und -Fahnen von 2020. Die Sponsoren wollen wegen der nach wie vor unklaren Lage abwarten, bevor sie in neue Werbemittel investieren. Daran dürfte sich auch nicht viel ändern, sollten ausländische Zuschauer wirklich von den Olympischen und Paralympischen Spielen ausgeschlossen bleiben.

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