Not macht erfinderisch: Unternehmen in der Corona-Krise | Wirtschaft | DW | 20.03.2020
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Unternehmen

Not macht erfinderisch: Unternehmen in der Corona-Krise

Die Corona-Krise bringt täglich neue Hiobsbotschaften: Infektionen, Verluste, drohende Pleiten. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Dazu gehören die vielen Angebote, schnell und unkompliziert zu helfen - auch von Firmen.

Egal ob Einkaufshilfe oder Hundesitting, auf Social Media oder als Papierzettel an Hauswänden - die Hilfsangebote von Nachbarn für Nachbarn haben in der Corona-Krise deutlich zugenommen.

Der Impuls, spontan zu helfen, ist auch bei Firmen zu beobachten. Der Chemie-Riese BASF hat am Freitag damit begonnen, Krankenhäuser in der Region um seine Zentrale Ludwigshafen kostenlos mit Hand-Desinfektionsmitteln zu versorgen.

"Wir haben die erste Charge ausgeliefert, mehr als 1000 Liter", erzählt Unternehmenssprecher Gert Lödden der DW. In den nächsten Tagen kommen dann weitere Lieferungen hinzu.

Neuland für den Chemiekonzern

Dabei stellt BASF solche Desinfektionsmittel normalerweise gar nicht her. "Das ist ungewöhnlich für uns", sagt Lödden, "aber wir nutzen einige der dafür nötigen Rohstoffe, etwa Isopropanol, für andere Produktionslinien."

Blick auf Teile des BASF-Hauptwerkes in Ludwigshafen

Blick auf Teile des BASF-Hauptwerkes in Ludwigshafen

So habe man kurzfristig umdisponiert, eine kleine Anlage aufgebaut und noch schnell eine Sondergenehmigung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums eingeholt, dann konnte es losgehen.

"Schon das Abfüllen in kleine Behälter, die für Krankenhäuser geeignet sind, war für uns ungewöhnlich", sagt Lödden, "Normalerweise liefern wir Produkte eher in Tankkesselwagen aus."

Wie hoch die Kosten sind für Rohstoffe, Personal und Logistik, kann Lödden derzeit noch nicht abschätzen. Zumal das auch davon abhängt, wie hoch die Nachfrage ist und wie lange das Projekt dauert. Sicher ist nur, dass die Krankenhäuser nichts bezahlen müssen. "Wir übernehmen die Kosten und versteuern auch den geldwerten Vorteil für die Kliniken", so der Sprecher.

"Das ist einfach unser Beitrag für die Ärztinnen und Ärzte und das ganze Pflegepersonal in den Kliniken, die einfach tolle Arbeit machen", sagt Lödden.

Hilfe auch aus Hamburg

Auch der Hamburger Konsumgüterkonzern Beiersdorf, unter anderem bekannt für seine Nivea-Handcreme, will in der Krise helfen. Er kündigte an, ab sofort mit der Herstellung von 500 Tonnen medizinischer Hand-Desinfektionsmittel zu beginnen.

Als Spende werden die Mittel dann an Kliniken, Polizei und Feuerwehr verteilt, je nach Bedarf und in Abstimmung mit den Behörden.

Nivea ist die bekannteste Marke des Beiersdorf-Konzerns

Nivea ist die bekannteste Marke des Beiersdorf-Konzerns

"Desinfektionsmittel gehörten bisher nicht zum Portfolio von Beiersdorf", so eine Firmensprecherin zur DW. Man habe einfach geprüft, was gebraucht wird und welche Produktionsanlagen schnell umgestellt werden könnten.

Zu den Kosten möchte das Unternehmen nichts sagen. Man wolle einfach "den gesamtgesellschaftlichen Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie" unterstützen.

Desinfektionsmittel statt Parfum

Auch der französische Luxuskonzern LVMH will seinen Beitrag leisten. Der Mutterkonzern von Marken wie Dior und Louis Vuitton stellt auch Parfums für seine zahlreichen Modelabels her. Weil dafür Alkohol benötigt wird, war es für den Konzern nur ein kleiner Schritt zur Ankündigung, große Mengen Desinfektionsmittel herzustellen. Zunächst zwölf Tonnen werden den Pariser Krankenhäuser zur Verfügung gestellt - kostenlos.

Österreich Salzburg | Coronavirus | Nachbarschaftshilfe (picture-alliance/dpa/picturedesk.com/APA/B. Gindl)

Privates Hilfsangebot in einem Hausflur in Salzburg

Doch nicht überall lässt sich die Produktion so einfach umstellen. "Gerade medizintechnische Produkte und Anlagen benötigen häufig eine besondere Zertifizierung", heißt es beim deutschen Maschinenbauverband VDMA. Deshalb könnten Maschinen, die für andere Zwecke verwendet würden, nicht ohne weiteres umgerüstet werden.

Allerdings sei der deutsche Maschinenbau ohnehin stark in der Medizintechnik. Dazu gehört unter anderem die Lübecker Firma Dräger, bei der die Bundesregierung gerade 10.000 Beatmungsgeräte bestellt hat. Wohlgemerkt als normaler Auftrag, nicht als Spende.

Die Bereitschaft einiger Firmen, schnell und sogar kostenfrei zu helfen, entspringt jedenfalls demselben Gefühl, das abends viele Menschen in deutschen Städten dazu bringt, am offenen Fenster den Ärzten, Pflegekräften und Supermarkt-Kassierer*innen zu applaudieren: als Ausdruck des Respekts und der Dankbarkeit.