Nordkoreas Raketentests als Botschaft an die USA | Asien | DW | 31.07.2019
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Asien

Nordkoreas Raketentests als Botschaft an die USA

Hat es sich Kim Jong Un anders überlegt? Mit den Raketentests will das Regime in Pjöngjang weiter provozieren, solange Washington bei den Verhandlungen nicht die Position ändert. Fabian Kretschmer aus Seoul.

BdT Nordkorea feuert Ballistische Raketen vor der Küste ab (Getty Images/C. Sung-Jun)

Kim Jong Un auf Großbildschirm in Südkorea

Es war der zweite Waffentest in weniger als einer Woche. In den Morgenstunden am Mittwoch hat Pjöngjang erneut zwei ballistische Raketen von seiner Ostküste abgefeuert. Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs sind die beiden Projektile rund 250 Kilometer geflogen und haben eine Höhe von 30 Kilometern erreicht. 

Experten sind sich einig, dass Nordkoreas jüngste Provokation sorgfältig kalkuliert ist. "Es ist ein rationaler Schachzug und eine deutliche Botschaft an die USA: Solange Trump seine Verhandlungsposition bei den Nuklearverhandlungen nicht ändert, wird die Lage weiter eskalieren", sagt Nordkorea-Experte Go Myong-hyun von der Seouler Denkfabrik Asan Institute. Bislang würden die Amerikaner auf einer einseitigen nuklearen Abrüstung Nordkoreas bestehen. Pjöngjang jedoch fordere, dass auch die USA ihren atomaren Schutzschild von der koreanischen Halbinsel abziehen, so Go weiter.

Krisensitzung in Südkorea

Experte Go Myong-hyun glaubt, dass der Machthaber Kim Jong Un wisse, nach den Raketentests keine schwerwiegenden Konsequenzen befürchten zu müssen. Bislang hat der UN-Sicherheitsrat noch nie Wirtschaftssanktionen nach dem Test von Kurzstreckenraketen gegen Nordkorea verhängt, obwohl der Test selbst ein klarer Verstoß gegen die UN-Resolution ist. Die interkontinentalen Raketen werden als wesentlich schwerwiegendere Provokation gewertet.

Südkoreas Regierung berief ein Sicherheitstreffen ein. Man habe "ernsthafte Besorgnis, dass sich Nordkoreas Test von zwei Kurzstreckenraketen negativ auf den Frieden auf der koreanischen Halbinsel auswirken könnte", sagte Seouls nationaler Sicherheitsberater Chung Eui-yong.

Verhaltene Stimme kommt von der anderen Seite des Japanischen Meers. Japans Premierminister Shinzo Abe sagte lediglich, die Raketentests hätten keine Auswirkungen auf die Sicherheit seines Landes. 

USA | Nordkorea | Entmilitarisierte Zone | Donald Trump | Kim Jong Un (picture-alliance/Xinhua News Agency)

Trump und Kim im Juni in Panmunjom

Trump möchte die Gespräche mit Kim nicht gefährden

US-Präsident Donald Trump hat sich zwar bislang noch nicht öffentlich über Twitter geäußert. Nordkoreas Waffentests von der letzten Woche hat er aber sichtlich heruntergespielt. "Wie werden sehen, was demnächst passiert. Meine Beziehungen zu Kim Jong Un sind sehr gut. Nordkorea hat Kurzstreckenraketen, wie viele andere Länder auch", sagt Trump in einem Interview mit seinem Haussender Fox News. Auf die Nachfrage, ob ihn der Test überrascht hat, antwortet er: "Nein, überhaupt nicht." Offensichtlich möchte er nicht, dass der Gesprächsfaden mit Kim abreißt.

Trump und Kim hatten Ende Juni bei einem kurzen Treffen im Grenzort Panmunjom auf der koreanischen Halbinsel Arbeitsgespräche zur atomaren Abrüstung in der Region vereinbart. Nach dem gescheiterten Gipfel im Februar in Vietnam weckte das Treffen neue Hoffnung auf

Fortschritte in den festgefahrenen Verhandlungen über das Atomprogramm Nordkoreas.

Kim inspiziert auch U-Boot

Trumps Stellungnahme als Freibrief für weitere Tests im Vorfeld dem jährlichen Militärmanöver der südkoreanischen und US-Streitkräfte? "Nordkorea nimmt das Manöver als ernste Bedrohung war", sagt Andray Abrahamian, Forscher am Asia Pacific Center der Stanford Universität, "mit den Raketentests sendet Nordkorea eine einfache Botschaft aus: Solange die Militärmanöver von den USA und Südkorea stattfinden, werden auch wir mit militärischen Maßnahmen reagieren". Die US-Amerikaner haben derzeit 28.000 Soldaten auf südkoreanischem Boden stationiert.

Kim Jong-Un inspiziert neues U-Boot (picture-alliance/YONHAPNEWS AGENCY)

Nordkoreas Machthaber Kim inspiziert das U-Boot

Schon am letzten Dienstag hat Nordkoreas Machthaber laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA ein neu gebautes U-Boot inspiziert, das möglicherweise Nuklearraketen führen könnte. "Viele koreanische Experten, inklusive mir, deuten dies als Zeichen, dass bald ein ungleich größerer Raketentest von Nordkorea bevorsteht", sagt Go Myong-hyun vom Asan Institute. 

 

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