Nora Gomringer gewinnt Bachmann-Preis | Aktuell Deutschland | DW | 05.07.2015
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Aktuell Deutschland

Nora Gomringer gewinnt Bachmann-Preis

Nora Gomringer hat schon eine Reihe von literarischen Auszeichnungen gewonnen. Nun setzte sich die 35-jährige Lyrikerin aus Bamberg auch beim dreitägigen Lesemarathon zum Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt durch.

Die Jury des renommierten Ingeborg-Bachmann-Preises in der österreichischen Stadt Klagenfurt zeichnete die in Neunkirchen an der Saar geborene Autorin für den Text "Recherche" über einen tragischen Vorfall aus. Darin befragt eine Autorin namens Nora Bossong in einem Hochhaus Bewohner zum Tod eines 13-Jährigen, der von einem Balkon im fünften Stock gestürzt ist. Die Jury lobte die vielstimmige "Verstörungskomödie" als Werk voller Anspielungen mit ständigem Perspektivwechsel. Die Stimme Gomringers sei "stark, klug und präsent".

Gomringer lebt in Bamberg und leitet dort das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia. An den 39. "Tagen der deutschsprachigen Literatur" hatten insgesamt zehn Autorinnen und vier Autoren teilgenommen. Der Preis ist nach der österreichischen Autorin Ingeborg Bachmann (1926-1973) benannt. Er ist mit 25.000 Euro dotiert.

Ein Preis weniger

Das Literaturspektakel in Klagenfurt kämpft seit Jahren mit finanziellen Engpässen. Aus Spargründen wurden daher in diesem Jahr nur vier statt der bisherigen fünf Preise vergeben. Die Österreicherin Valerie Fritsch überzeugt gleich doppelt: Die 26-jährige erhielt für ihre Geschichte "Das Bein" über einen einbeinigen Vater und seinen Sohn sowohl den Kelag-Preis der Jury im Wert von 10.000 Euro und den Publikumspreis im Wert von 7000 Euro. Die Rumänin Dana Grigorcea, die in Zürich lebt, gewann für eine Familiengeschichte aus der Zeit des Diktators Nicolae Ceausescu den 3sat-Preis, der mit 7500 Euro dotiert ist.

Die Preisträgerinnen Dana Grigorecea (links), Nora Gomringer (Mitte) und Valerie Fritsch

Die Preisträgerinnen Dana Grigorecea (links), Nora Gomringer (Mitte) und Valerie Fritsch

Gomringer ist bisher fast ausschließlich als Lyrikerin hervorgetreten und hat fünf Gedichtbände veröffentlicht. Sie hat bereits etliche literarische Auszeichnungen errungen, darunter 2012 den Joachim Ringelnatz-Preis. 2011 bekam sie den Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache (2011). Damit wurde ihr Engagement für den Poetry Slam honoriert, bei dem kürzere Texte vor Publikum vorgetragen und bewertet werden. Nach dem Prestige-Erfolg in Klagenfurt spielt sie nun mit dem Gedanken, einen Roman zu schreiben. Allerdings nur, wenn ihre Arbeit als Direktorin des Künstlerhauses einmal die Zeit dazu lasse, sagte sie nach der Preisverleihung. Im Vorjahr hatte Tex Rubinowitz den begehrten Bachmann-Preis gewonnen, 2013 war Katja Petrowskaja erfolgreich.

kle/uh (dpa, bachmannpreis.orf.at)