Nigerianer mit hohen Erwartungen an Merkels Besuch | Afrika | DW | 30.08.2018
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Merkel in Westafrika

Nigerianer mit hohen Erwartungen an Merkels Besuch

Bundeskanzlerin Merkel ist in Nigeria bekannt und beliebt. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an ihren Besuch diesen Freitag. Die Menschen hoffen auf besseren Handel - und auf ein Signal für Frauen in der Politik.

Angela Merkel und Muhammadu Buhari lächelnd (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nigerias Präsident Muhammadu Buhari bei einem Treffen 2016

Reizthemen wie Migration und Rückführungen stehen am Freitag offiziell nicht auf dem Besuchsprogramm von Angela Merkel in Nigerias Hauptstadt Abuja. Stattdessen dürfte die Bundeskanzlerin mit offenen Armen empfangen werden. Deutschland und seine Regierungschefin gelten als verlässlicher Partner. "Sie ist eine Frau, der es um Inhalte geht. Ich hoffe, dass sie Nigeria hilft, eine demokratische Regierung nach deutschem Vorbild zu bauen", freut sich Sara Muhammad, die am Goethe-Institut in Lagos Deutsch lernt.

Die Bundeskanzlerin hat jedoch nur einen Vormittag in Nigeria, der mit einem Treffen mit dem Ivorer Jean-Claude Brou, Präsident der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), beginnt. Gesprochen werden soll über eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Gemeinschaft der 15 Staaten, die für viele Westafrikaner vermutlich noch abstrakter ist als die Europäische Union für Europäer.

Eine Straße, im Hintergrund eine Moschee mit goldglänzender Kuppel und Baukrähne (DW/K. Gänsler)

Das Besuchsprogramm in der Hauptstadt Abuja ist eng getaktet

Im Zentrum ihres Besuchs stehen Wirtschaftsfragen und ein Gespräch mit Präsident Muhammadu Buhari. Die Nigerianer trauen Merkel viel Kompetenz zu. "Die deutsche Regierung ist eine verantwortliche, die daran interessiert ist, dass Dinge in Afrika funktionieren", sagt der Unternehmer Isaac Amos. Er lebt in der Wirtschaftsmetropole Lagos, ist Mitglied des Nigerianisch-Deutschen Wirtschaftsvereins. Er gehe davon aus, dass Deutschland etwa bereit sei, Forschung zu fördern, sagt er. "Damit gewinnen beide Seiten. Die Deutschen könnten von uns Aspekte der Tropenmedizin lernen."     

Merkels Besuch soll junge Menschen inspirieren

Auf Merkels Terminplan steht auch ein Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft. Für Moses Siasia aus Abuja ist entscheidend, dass die Bundeskanzlerin dabei auch mit jungen Nigerianern ins Gespräch kommt. Der 38-Jährige hat das Forum für junge Fachkräfte in Nigeria (NYPF) gegründet. "Junge Menschen spielen eine wichtige Rolle", sagt Siasia, der selbst vor drei Jahren im Bundesstaat Bayelsa in die Politik gehen und Gouverneur werden wollte. In Nigeria sind 62 Prozent der Einwohner jünger als 25 Jahre. Solche Treffen seien gleichzeitig ein wichtiges Signal an Jugendliche und junge Erwachsene sowie eine persönliche Bereicherung. "Ich war sehr aufgeregt, als ich als Jungunternehmer ausgewählt wurde, an einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron teilzunehmen, als dieser in Nigeria war", erinnert sich Siasia. 

Moses Siasia hinter einem Tisch, er trägt einen Anzug mit Krawatte und eine schwarze Brille (DW/K. Gänsler)

Moses Siasia wünscht sich, dass Merkel den jungen Nigerianern zuhört

"Meine Botschaft an Angela Merkel lautet: Denken Sie an Wirtschaftsbeziehungen mit der Basis und nicht nur den großen Firmen. Solche Kooperationen brauchen wir auch. Sie reichen aber nicht, um eine wirkliche Veränderung für die große Bevölkerung in Nigeria herbeizuführen", empfiehlt Soji Apampa, in Abuja Geschäftsführer der Organisation "Integrity", die seit 1995 Mechanismen zur Korruptionsbekämpfung erarbeitet, der Kanzlerin.

Für funktionierende Beziehungen müsse sich aber noch etwas Entscheidendes ändern: Nigeria müsse die Chance erhalten, Produkte für den europäischen Markt zu produzieren, sagt Apama. "Dafür ist eine technische Unterstützung notwendig, damit die Standards der Europäischen Union eingehalten werden können." Apama sieht darin gleichzeitig eine Möglichkeit, Migration zu verringern, weil so in Nigeria Arbeitsplätze geschafft werden könnten.   

Europa muss sich für Produkte aus Afrika öffnen

Der Merkel-Besuch fällt ausgerechnet in die Woche, in der auch die britische Premierministerin Theresa May in der einstigen englischen Kolonie zu Gast ist. "Einen interessanten Zufall", nennt Apampa das straffe Besuchsprogramm von Präsident Buhari. Er sieht den Besuch der britischen Regierungschefin in Verbindung mit dem Brexit. "Wenn ich vor einem harten Brexit stehen würde, dann würde ich meine Freunde enger an mich binden. Hätte ich mehr Einfluss in Nigeria als meine europäischen Mitbewerber, würde ich mich schnell um Abkommen bemühen, bevor sie es tun und ich mich auf dem Abstellgleis befinde." 

Soji Apampa, vor ihm steht ein Laptop, hinter ihm Bücherregale (DW/K. Gänsler)

Soji Apampa hofft, dass Europa seine Märkte für nigerianische Märkte öffnet

Aisha Yesufu, die zu den bekanntesten Aktivistinnen der Bewegung #BringBackOurGirls gehört, hofft jedoch, dass die Bundeskanzlerin mit Buhari nicht nur über Wirtschaftsfragen spricht, sondern auch über die Mädchen von Chibok. Seit Mitte April 2014 befinden sich noch immer 112 in den Fängen der Terrorgruppe Boko Haram. Bis heute fordert die Bewegung fast täglich ihre Befreiung - mit Mahnwachen und Protesten. Bei früheren Politiker-Besuchen war es auch zu Treffen gekommen. "Ich erwarte von Angela Merkel, dass sie die Mädchen von Chibok nicht vergisst und sich für ihre Freilassung einsetzt. Sie stehen symbolisch für alle Kinder auf der ganzen Welt, die unterdrückt werden", so Yesufu.

Die Besuche von Merkel und May sieht sie auch als Signal an die Männer, die die nigerianische Politik dominieren. Bis heute hat beispielsweise keiner der 36 Bundesstaaten eine Gouverneurin. "Natürlich hoffe ich, dass mein Präsident durch die Treffen mit der Kanzerlin versteht, dass der Platz der Frau nicht die Küche und 'das andere Zimmer' ist." So formulierte es Buhari etwas unglücklich während seines Deutschlandbesuchs 2016. Damals wurde er gefragt, ob er der Forderung seiner Frau Aisha, die Regierung umzubilden, nachgeben würde. Auch Merkel konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ihr Besuch bei Buhari solle deshalb ein Signal setzen, hofft Aisha Yesufu, dass Frauen überall fantastische Arbeit leisten.   

Mitarbeit: Mansur Bala Bello

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