NFL: Der steinige Weg afroamerikanischer Quarterbacks | Sport | DW | 18.01.2020
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National Football League

NFL: Der steinige Weg afroamerikanischer Quarterbacks

Quarterback Patrick Mahomes lässt die Herzen der American-Football-Fans höher schlagen. Der Afroamerikaner sorgt in der NFL für wahre Begeisterungsstürme. Doch was jetzt normal zu sein scheint, war einst undenkbar.

USA Football Patrick Mahomes (picture-alliance/Kansas City Star/R. Sugg)

Quaterback Patrick Mahomes feiert seinen Sieg mit Kansas City gegen die Houston Texans

Was war das für ein Spektakel! Nach einer atemberaubenden Aufholjagd hat Mitfavorit Kansas City Chiefs das Play-off-Halbfinale der US-Footballliga NFL erreicht. Das Team um Quarterback Patrick Mahomes setzte sich trotz eines 0:24-Rückstandes mit 51:31 gegen die Houston Texans durch und bekommt es in der Runde der letzten Vier an diesem Sonntag zu Hause mit Favoritenschreck Tennessee Titans zu tun.

Im Mittelpunkt der Partie stand einmal mehr Spektakel-Quarterback Mahomes, schon in der vergangenen zum wertvollsten Spieler der NFL gewählt. Mahome machte das Feuerwerk der Chiefs erst möglich - und hatte nach diesem denkwürdigen Abend im Arrowhead Stadium viel zu erzählen. "Wenn man in der NFL 0:24 hinten liegt, gewinnt man selten. Wir wussten, dass eigentlich alles in die richtige Richtung laufen muss", sagte der 24-Jährige über das Viertelfinale mit großer Wendung und vielen Rekorden. Diesen Tag wird in Kansas City niemand so schnell vergessen.

Was kaum noch jemand registriert haben dürfte, weil es inzwischen Normalität in der NFL ist: Der Star des Abends, Quarterback Pat Mahomes, ist Afroamerikaner. Einst galt es als Tabu, dass Schwarze auf der wichtigsten Position im American Football spielten.

Vorreiter Marlin Briscoe

USA Football Marlin Briscoe (picture-alliance/AP Photo)

Marlin Biscoe hier im Jahr 1975: Mit ihm begann das langsame Umdenken

So noch im Jahr 1968. Am 6. Oktober schrieb Marlin Briscoe Geschichte. Zum ersten Mal lief der Afroamerikaner in einem NFL-Spiel als Quarterback für die Denver Broncos von Beginn an auf. Ein absolutes Novum, mit dem damals niemand gerechnet hatte. Briscoe hatte zwar schon am College in dieser Position gespielt, doch in der NFL durfte er es in seinen ersten Spielen für die Broncos nicht - er musste als Defensive Back auflaufen. Die Praxis, auf eine andere Position zu wechseln, war zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches, eher die Regel, seit 1949 George Taliaferro  als erster schwarzer Spieler überhaupt von einem NFL-Club gedraftet worden war. Rassismus war in den USA weit verbreitet. Afroamerikanern wurden die nötige Intelligenz und die erforderlichen Führungsqualitäten für die Schlüsselposition im Spiel abgesprochen.

Anfang Oktober 1968 waren die beiden Stamm-Quarterbacks der Denver Broncos verletzt, und Briscoe war der einzige Spieler mit Erfahrung auf dieser Position. "Die dachten, ich sei verrückt", erinnerte sich Briscoe kürzlich. "Dass ein Schwarzer bei den Profis Quarterback spielte, das gab es einfach nicht." Er spielte so gut, dass er anschließend die Saison als Quarterback Nummer eins zu Ende spielen durfte. Nach der Spielzeit wurde er jedoch aufgefordert, wieder auf eine andere Position zu wechseln. Das besiegelte das Ende seiner Quarterback-Karriere. Dennoch war der Bann gebrochen.

Steiniger Weg

USA Football James Harris (picture-alliance/AP Photo)

James Harris im Jahr 1976: Er setzte die Geschichte der afroamerikanischen Quaterbacks fort

In den 1970er Jahren gab es in der NFL einige afroamerikanische Quarterbacks, jedoch sahen sie sich weiterhin Rassismus ausgesetzt. "Du träumst davon, in der NFL zu spielen. Aber wenn du davon träumst, Quarterback zu spielen, wird es ein Albtraum". sagte James Harris von den Buffalo Bills später in einem ESPN-Interview. 

Ein weiterer Wendepunkt war 1987. Wegen eines Spielerstreiks drohte ein Saisonabbruch. Um ihn zu verhindern, entschlossen sich viele Besitzer von NFL-Teams, auch schwarze Quarterbacks in ihre Mannschaften aufzunehmen. Einer von ihnen war Doug Williams von den Washington Redskins. Am Ende der Saison führte Williams sein Team als erster afroamerikanischer Quarterback zu einem Super-Bowl-Triumph.

Rassismus bis heute

USA Football NFL Protest Eric Reid und Colin Kaepernick (picture-alliance/dpa/M. J. Sanchez)

Stiller Protest: Eli Harold (l.-r.), Quarterback Colin Kaepernick und Eric Reid 2016 bei der US-Nationalhymne

Mittlerweile sind afroamerikanische Quarterbacks aus der NFL nicht mehr wegzudenken. Spieler wie Patrick Mahomes, Lamar Jackson von den Baltimore Ravens, Cam Newton von den Carolina Panthers oder Russell Wilson von den Seattle Seahawks drücken der Liga durch ihre oft extravagante Spielweise ihren Stempel auf. Und der Anteil schwarzer Quarterbacks steigt weiter: In dieser Saison haben rund 35 Prozent der NFL-Stammspieler auf der Quarterback-Position afroamerikanische Wurzeln. In den diesjährigen Playoff-Viertelfinals waren vier von acht Quarterbacks afroamerikanisch, ein Rekord.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Rassismus völlig aus der NFL verschwunden ist. Das zeigt der Fall Colin Kaepernick. Der Quarterback war 2016 Vorreiter einer Protestwelle gegen Rassismus, als er während der US-Nationalhymne vor dem Spiel nicht stehen blieb, sondern sich hinkniete. Die Konsequenzen folgten prompt: Nach der Saison 2016/2017 wurde Kaepernick bei den San Francisco 49ers aussortiert und seitdem auch von keinem anderem NFL-Team mehr unter Vertrag genommen.

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