Neun Tote und Hunderte Verletzte bei neuen Ausschreitungen im Gazastreifen | Aktuell Nahost | DW | 06.04.2018
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Nahost-Konflikt

Neun Tote und Hunderte Verletzte bei neuen Ausschreitungen im Gazastreifen

Brennende Autoreifen, Steine und Schüsse: Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee sterben mehrere Palästinenser. Es ist der zweite blutige Freitag in Folge.

Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde in Gaza teilte mit, unter den Toten vom Vortag seien auch ein palästinensischer Journalist und ein 16-Jähriger. 491 Menschen hätten Schussverletzungen erlitten. Mehr als 1300 weitere Menschen wurden demnach verletzt, mehrere davon lebensgefährlich. Etwa ein Drittel der Verletzten erlitten den Angaben zufolge Schussverletzungen, viele andere klagten über Beschwerden nach dem Einsatz von Tränengas. Auch weitere palästinensische Journalisten sollen unter den Verletzten sein.

Die israelische Armee sprach von rund 10.000 Palästinensern, die an den Protesten und Ausschreitungen entlang der Grenze beteiligt gewesen sein wollen. Sie verbrannten Autoreifen und schleuderten Steine in Richtung Israel. Dichter schwarzer Rauch stieg an zahlreichen Orten auf.

Proteste im Gazastreifen (Reuters/A. Cohen)

Die Grenze zum Gazastreifen wird von Rauch eingehüllt

Ziel dieser "Rauchwand" war es, Scharfschützen auf der israelischen Seite der Grenze die Sicht zu erschweren. Die israelischen Sicherheitskräfte wurden nach eigenen Angaben mit Sprengsätzen und Molotowcocktails angegriffen. Die Soldaten hätten darauf auch mit scharfer Munition geantwortet, hieß es. Israels Armee wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, sie wolle im Schutz der Rauchschwaden Anschläge an der Grenze verüben. Die Armee erklärte das Grenzgebiet zum militärischen Sperrgebiet. Die Truppen setzten Mittel zur Bekämpfung von Unruhen ein, hieß es. Schüsse würden gemäß klarer Einsatzregeln abgefeuert. Israels Militär werde es nicht zulassen, dass der Grenzzaun beschädigt wird.

Die radikalislamische Hamas hatte vor einer Woche den "Marsch der Rückkehr" gestartet, insgesamt sollen die Proteste sechs Wochen andauern. Beim schlimmsten Ausbruch der Gewalt seit 2014 sind bisher 29 Palästinenser getötet worden.

Anlass der Proteste ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen sie als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende von ihnen fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein "Recht auf Rückkehr". Israel lehnt dies ab.

Proteste im Gazastreifen (Reuters/I. A. Mustafa)

Mit Mundschutz und Tüchern gegen den Rauch

Am Karfreitag waren bei Konfrontationen 18 Palästinenser getötet worden, zwei starben später an ihren Verletzungen. Israelische Soldaten schossen nach Armeeangaben gezielt auf palästinensische Rädelsführer - die meisten der Getöteten waren nach israelischen Angaben militante Palästinenser. UN-Generalsekretär António Guterres forderte von allen Beteiligten Zurückhaltung.

Hartes Vorgehen der israelischen Armee sorgt für internationale Kritik

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) äußerte sich besorgt über die hohen Opferzahlen. Mehr als 2000 Palästinenser sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde seit Karfreitag verletzt worden, viele durch Tränengas. Das UN-Menschenrechtsbüro teilte mit, es gebe "starke Hinweise" darauf, dass die israelischen Sicherheitskräfte übertriebene Gewalt eingesetzt hätten. Guterres hatte eine Untersuchung der tödlichen Gewalt gefordert. Das Büro des UN-Kommissars für Menschenrechte erklärte, Schusswaffen sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Ihre ungerechtfertige Anwendung könnte den Tatbestand der vorsätzlichen Tötung von Zivilisten erfüllen und wäre eine Verletzung der Genfer Konventionen.

Die Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft. Sie bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan.

rk/sti (afp, dpa, kna, rtr)

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